LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

In einer minutiösen Detektivarbeit gelang es dem Jugendstil-Kenner Alex Bodry, Informationen über den Künstler Jean Mich zusammenzutragen

Wenn Alex Bodry von Jean Mich spricht, gerät er ins Schwärmen. „Meine Passion ist der Jugendstil. In diesem Kontext bin ich auf Jean Mich gestoßen und an diesem faszinierenden Künstler hängen geblieben“, erläutert der Abgeordnete und Co-Kommissar der aktuellen Jean Mich-Ausstellung im MNHA. Seit mehr als 20 Jahren sammelt er Jugendstil- und Art Deco- Objekte. „Das geht von Nippesfiguren über Möbel, Skulpturen, Bilder, Vasen und andere, dekorative Dinge. Vieles habe ich auf Flohmärkten gefunden, die ich heute aber weniger besuche. Auf Auktionen werden manchmal auch für mich interessante Objekte angeboten. Eine Sammelleidenschaft ist halt wie eine kleine Sucht“, lacht Alex Bodry.

Auf seinem „Jugendstil-Trip“ entdeckte er vor rund zwölf Jahren Werke Jean Michs, dessen Lebensweg kaum bekannt war. Er durchforstete zahlreiche Enzyklopädien und fand dort Informationen über den Luxemburger Künstler. „Er passte in mein Buchprojekt über den Jugendstil in Luxemburg, das noch in Arbeit ist. Es gibt zwar die klassischen Künstler im Land, aber er war ein Jugendstil-Ausnahmekünstler. Zudem hatte er mehrere Preise gewonnen, darunter auch 1902 den ‚Prix Grand Duc Adolphe‘ in Luxemburg. Das war ein Ansatzpunkt für meine Recherchen.“

Bereits 1893 war der aus Machtum stammende Jean Mich nach Paris gezogen und hatte an der „Ecole nationale des Beaux Arts“ studiert. Er lebte in der Seinemetropole, kam aber oft nach Luxemburg, um bei Freunden und Mäzen-Familien, hauptsächlich bei den Familien Wolf und Bach, Aufträge vor Ort auszuführen. 1910 reiste er nach China, um ein Denkmal für den Vizekönig einer chinesischen Provinz zu schaffen, eine Reise, die sein späteres Werk grundlegend beeinflusste.

Spur endet nach 1923

Als freischaffender Künstler hatte Jean Mich ständig Geldprobleme, war aber einer der wenigen Luxemburger, die es geschafft hatten, an großen Ausstellungen teilzunehmen. „Für meine Nachforschungen war dies sehr wertvoll, denn über die Kataloge konnte ich seine Adressen in Erfahrung bringen. Sein letzter Auftrag war 1923 in Luxemburg, danach endet seine Spur. Gerüchten nach sei er nach Amerika ausgewandert - Gerüchte, die er vielleicht auch selbst gestreut hatte, um von seinen finanziellen Schwierigkeiten abzulenken. In Luxemburg sollte das wohl niemand erfahren“, erläutert Alex Bodry. Eine Privatrecherche brachte einige Fakten über Jean Michs Leben in den späten 1920er-Jahren. „ Zuletzt war er 1928 im Pariser Salon d’Automne vertreten. Im Ausstellungskatalog stand seine neue Adresse in Arcueil bei Paris. Alle glaubten, dass er nach 1920 in Vergessenheit geraten sei, aber in einem Zeitungsartikel von 1933 über eine Ausstellung in Luxemburg mit kolonialen Motiven, darunter seine Werke, stand, dass er das Jahr zuvor gestorben sei. Das bedeutete, dass er eine Verbindung nach Luxemburg hatte, da sonst sein Sterbejahr wohl nicht bekannt gewesen wäre. Er starb 1932 in Arcueil, wie aus der Sterbeurkunde ersichtlich ist, die ich von der Stadtverwaltung erhalten habe.“

Lücken sollen geschlossen werden

Mit dem Todesdatum schließt sich der Kreis der Hauptlebensdaten von Jean Mich. „Aber es sind noch viele Lücken in dem Puzzle um das Leben des Künstlers und wir hoffen durch die Ausstellung einige schließen zu können. Heute stellt sich die Frage, wieso von einer Person, die voll in der Luxemburger Kunstszene integriert war, Luxemburg auf Weltausstellungen in Brüssel und Lüttich vertrat, so wenig bekannt ist. Jean Mich hatte keine direkten Nachkommen, hatte mit seiner Familie in Machtum gebrochen und war ja auch ganz plötzlich aus Luxemburg verschwunden“, weiß Alex Bodry.

Zwölf Jahre Recherche stecken in den Resultaten, die er bisher zusammengetragen hat. „Es gab bereits einige Kunstwerke wie die ‚Jeune fille aux roses‘ in Bad Mondorf, die Denkmäler für Laurent Ménager und Jean Grün oder die Statuen am Eingang der Sparkasse, die bekannt waren. Interessant waren die persönlichen Gespräche mit Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen für Jean Mich interessiert haben. Oder den Mäzen-Familien, die noch Unikate von ihm besitzen. Eine große Unterstützung war … Régis Moes, der durch seine professionelle Arbeit ebenfalls zahlreiche zusätzliche Informationen beigesteuert hat. Ich konnte so ein Maximum an Fakten sammeln, um etwas Licht in das Leben des Künstlers zu bringen.“


Am 10. Januar um 18.00 gibt Alex Bodry im MNHA eine Konferenz über seine Recherchen. Alle Infos: www.mnha.lu