LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Brudermord-Prozess: Hauptangeklagter kommt zu Wort

Der 27-jähriger Eric L. hatte bei der Polizei und vor der Kriminalkammer Luxemburg gestanden, seinen Bruder vergiftet und angezündet zu haben. Als Motiv vermuten die Ermittler Habgier. Charlie, der unter Vormundschaft stand, wurde am 20. Dezember 2014 tot in seinem Haus in Esch/Alzette aufgefunden. Er war mit einem Fruchtsaftgetränk vergiftet worden, das mit Medikamenten versetzt worden war. Anschließend wurde Feuer gelegt. Die Mischung aus einer Rauchvergiftung und dem Medikamentencocktail führte zum Tode.

Schnell wird klar, dass der Mann ermordet wurde. Sollte Charlie nicht freiwillig aus dem Leben geschieden sein, wer könnte dann ein Interesse an seinem Tod haben? Es fällt der Verdacht auf den jüngeren Bruder. Dafür sprach, dass er den Selbstmord seines Bruders klammheimlich auf Facebook in Szene setzte.

Mitangeklagt ist ein weiterer Beschuldigter. Dem 35-jährigen Alessandro S. wird Hehlerei vorgeworfen. Der Mann soll dem mutmaßlichen Mörder ein falsches Alibi verschafft und zur Flucht nach Frankfurt verholfen haben. Allem Anschein nach wollten beide in die Dominikanische Republik auswandern - weil es kein Auslieferungsabkommen mit diesem Staat gibt. Dass sein Freund L. seinen eigenen Bruder umgebracht hatte, habe Alessandro S. nicht gewusst. Dass sie flüchten wollten, bestreitet er ebenfalls. Die Vorsitzende Richterin hält allem Anschein nach die Aussagen des Hauptangeklagten für unglaubwürdig, denn in einem Telefongespräch mit L. zeichnete der Mann ein negatives Bild vom Opfer. „Ce n’est rien d’autre qu’un bâtard“, hatte er am Telefon gesagt. Vor Gericht sagte er aber, das wäre nur ironisch gemeint. Trotzdem gibt er zu Protokoll, 180.000 Euro von der Mutter des Getöteten erhalten zu haben. Davon habe er sich ein Appartement gekauft - für 187.000 Euro.

Gestern sprach der Hauptangeklagte. Schon nach wenigen Aussagen war klar: Seit 2006 nimmt der mutmaßliche Mörder Antidepressiva. Er leide unter Selbstmordgedanken. Er sei von Bildern gequält, sagte er. Er hätte nie geplant, seinen Bruder umzubringen. Doch das Bild von einem selbstverliebten Macho mit Gewaltphantasien entsteht bei Prozessbeobachtern.


Der Prozess wird heute fortgesetzt