LUXEMBURG/WILTZ
CORDELIA CHATON

Sie ist schwanger, hat zwei Kinder und einen Job - und nun auch ein Diplom in Marketing und Kommunikation - Pauline Piron erzählt, wie sie das geschafft hat

Pauline Piron bereut nichts, im Gegenteil. Dabei liegt ein hartes Jahr hinter der Marketing-Koordinatorin. Ihr Arbeitgeber aus Wiltz verkauft Transportkisten, Sicherungsringe sowie weitere Verpackungs- und Hebelösungen. Piron ist seit 2009 bei Alipa beschäftigt. „Im Marketing geht alles sehr schnell“, weiß die 31-Jährige. Deshalb wollte sie sich weiterentwickeln - und entschied sich für eine einjährige Fortbildung beim „Life Long Learning Center“. Die war alles andere als einfach zu organisieren. Denn Piron hat eine Familie, zu der zwei kleine Söhne gehören. Ihr drittes Kind, eine Tochter, erwartet sie im April. Da waren Abend- und Wochenendkurse zu besuchen, die Familie und der Alltag, aber auch die Arbeit zu organisieren. Wie hat sie es geschafft, alles unter einen Hut zu bringen und im Dezember ihr Master-Diplom entgegenzunehmen? Das erzählt sie hier im Gespräch.

Frau Piron, warum wollten Sie sich weiterbilden?

Pauline Piron Im Marketing entwickeln sich die Dinge rasch und man muss immer auf dem neuesten Stand sein. Ich habe 2009 in der Verkaufsabteilung von No-Nail Boxes angefangen, einer der sechs Gesellschaften, die zur Gruppe gehören. Von dort bin ich ins Marketing von No-Nail Boxes gewechselt. Als ich für das Marketing verantwortlich geworden bin, wollte ich über mehr Wissen in diesem Bereich verfügen. Glücklicherweise hat mich mein Arbeitgeber unterstützt. Alipa hat die Kosten der einjährigen Weiterbildung übernommen. Die einzige Bedingung dafür war, dass ich meinen Master schaffe. Das war natürlich toll.

Welche Fortbildung haben Sie gemacht?

Piron Ich habe einen Master in Marketing und Unternehmenskommunikation abgelegt. Organisiert wurde die Fortbildung vom Lifelong Learning Center, das die Weiterbildung für die Chambre des Salariés anbietet. Er fand an der Chambre des Salariés in Luxemburg statt. Partner der Fortbildung ist die Universität Panthéon-Assas, auch bekannt als Paris II. Diese Weiterbildung läuft berufsbegleitend während eines Jahres. Sie wird alle zwei Jahre angeboten und besteht aus 18 Modulen à zwei Tage. Alle drei Monate finden Prüfungen statt, am Ende muss eine Diplomarbeit verfasst werden. Die Kurse finden immer freitags von 8.30 bis 18.00 sowie samstags von 9.00 bis 15.30 statt.

Was hat Ihnen das beruflich gebracht?

Piron Das war eine gute Möglichkeit, sich mit Profis auszutauschen. Ich hatte das Glück, Leute wie den Präsidenten von Médiamétrie zu treffen, einem Konzern, der bei der Reichweitenmessung in Frankreich führend ist, oder auch den Leiter für digitales Marketing des größten französischen Telco-Anbieters Orange, der aus France Télécom hervorgegangen ist. Der Austausch mit solchen Persönlichkeiten ermöglicht einen gewissen Abstand vom Arbeitsalltag, der sich oft auf unser Unternehmen in Wiltz beschränkt. Es war sehr interessant zu sehen, wie unterschiedliche Unternehmen Marketing betreiben und welche Themen bei ihnen auf der Agenda stehen. Es hat dazu geführt, dass ich einen besseren Überblick über das Marketing habe, auch wenn es angesichts der unterschiedlichen Einschränkungen in jedem Unternehmen sicher kein Patentrezept gibt. Neben Marketing, Strategien und den Berufsbildern habe ich viel über Luxemburg gelernt.

Was bringt die Fortbildung im Alltag?

Piron Ich sehe das Marketing der Alipa-Gruppe jetzt mit einem größeren Abstand. Aufgrund der Größe der Gruppe agiert unser Marketingteam mehr im operationellen als im strategischen Bereich. Wir sind eine Gruppe mit sechs Gesellschaften, 21 Millionen Euro Umsatz und fast 120 Mitarbeiter in drei Ländern. Unsere Kunden sind in der Regel Unternehmen. Angesichts dieser Bedingungen muss unser Team flexibel sein und konzentriert sich auf Direktmarketing wie Messen, Mailings oder Kundentreueprogramme. Oft ist die Grenze zum Verkauf fließend. Es war ein Jahr, das schnell vorbei ging. Ich bin froh, dass es zu Ende ist, auch wenn ich nichts bereue. Aber in dieser Zeit musste ich private Projekte zurückstellen, um den Master zu schaffen. Persönlich hat die Weiterbildung zu einer besseren Aufteilung der Hausarbeit geführt.

Wie haben Sie das zu Hause organisiert?

Piron Privat haben mein Mann und ich uns so organisiert, dass einer weiter weg arbeitet - das bin ich - und einer nah bei den Kindern bleibt. Mein Mann ist in Belgien fünf Minuten von Kita und Schule entfernt, falls etwas ist. Ich arbeitet vier Fünftel, also 30 Stunden, und kann mich dann um Einkäufe, den Haushalt sowie diverse Termine vom Arzt bis zum Friseur kümmern. Das Wochenende ist meist mit Kinderaktivitäten ausgefüllt. Mein Mann und ich haben versucht, möglichst alles aufzuteilen. Während der eine die Kinder badet, kocht der andere. Der eine bringt den Großen zu Schule, der andere den Kleinen zur Kita. Im Notfall helfen die Omas.

Wie hat sich der Alltag durch die Fortbildung verändert?

Piron Durch den Master hat sich einiges verändert. Wir kaufen online ein, haben eine Haushaltshilfe für Putzen und Bügeln. Während des Masters haben die Großeltern schon mal für uns gekocht, damit es unter der Woche leichter läuft. Mein Mann hat nicht mehr samstags gearbeitet, um sich um die Kinder zu kümmern. Meinen freien Tag habe ich für die Studienarbeiten gebraucht.

Was war positiv, was negativ?

Piron Die Söhne hatten einen engen Draht zum Vater und verbrachten besondere Momente mit ihm. Samstags nachmittags warteten immer tolle Salzteigarbeiten auf mich! Die Hausarbeiten haben wir gerechter aufgeteilt als zuvor. Mein Mann hat sich endlich mit der Waschmaschine ausgesöhnt! Besonders wichtig war für mich aber auch, dass meine Umgebung mich unterstützt hat. Das war ein gutes Gefühl. Schwierig fand ich die Schuldgefühle, die wohl jede Mutter hat, weil ich nicht genügend Zeit mit meinen Kindern verbracht habe. Einige Projekte mussten wir auch fallen lassen. Dazu gehörten Wochenenden mit Freunden ebenso wie Konzerte am Wochenende. In all der Zeit galt immer die Devise: Sich auf das Wichtigste beschränken und keine Zeit verlieren, jede halbe Stunde zählte. In einem Zimmer haben wir Dinge aufbewahrt und abgelegt, die wir später erledigen können - wie Papiere zum Wegräumen, Spielzeug zum Sortieren oder Kinderkleidung für den Verkauf. Und der berühmte Frühjahrsputz musste bis zum Herbst warten.