LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Hepatitis C ist endlich heilbar - Die Behandlung soll bald auch in Luxemburg anlaufen

Erst 1989 wurde das Hepatitis-C-Virus (HCV) entdeckt, das Ursache von 25 Prozent der Leberkrebserkrankungen ist. Übertragen wird es über Blut und Geschlechtsverkehr. 160 Millionen Menschen leiden weltweit an Hepatitis C, rund neun Millionen sind es in der EU. In Luxemburg rechnet man mit bis zu 5.000 Infizierten.

Seit die Europäische Arzneimittelbehörde im Januar 2014 das erste hochwirksame Medikament zur interferonfreien Therapie gegen die Lebererkrankung zugelassen hat, hat sich die Prognose für Patienten stark verbessert. Von einer „neuen Ära“ sprach Dr. Jarek Oleszczuk, Generaldirektor der Pharmafirma AbbVie auf einer kürzlich veranstalteten Konferenz.

Bis zu 85 Prozent der Infiziertenentwickeln eine chronische Hepatitis

15 bis 25 Prozent der Infizierten entwickeln eine akute Hepatitis (Leberentzündung), bei der das Virus auch ohne Behandlung zerstört wird. Bei bis zu 85 Prozent stellt sich dagegen eine chronische Erkrankung ein. „In 30 Prozent der Fällen kommt es irgendwann zu schweren Komplikationen“, erklärte Dr. Gennaro Taddei, Präsident der Gesellschaft für Gastroenterologie in Luxemburg,

Die Entwicklung sei sehr langsam von der Fibrose über die Leberzirrhose bis hin zum Leberkarzinom: Zehn bis 20 Prozent der Patienten entwickeln innerhalb von 20 Jahren eine Leberzirrhose. „Es ist dennoch sehr wichtig, dass das Virus behandelt wird, denn es kann oft tödlich enden und es kann ja auch zur Übertragung auf andere kommen. Außerdem sind die sozialen Kosten sehr hoch, nicht zuletzt weil die bisherige Behandlung zu einem Arbeitsausfall von bis zu einem Jahr führt.“ Bislang wurde Hepatitis C mit Interferon behandelt, was nicht ohne Nebenwirkungen abläuft. „Die daraus folgende Anämie zu behandeln, ist teurer als das Interferon.“ Die seit Mitte 2014 verfügbare neue Therapie sei eine Revolution, ein medizinischer Scoop. „Hepatitis ist nun je nach Genotyp und Fortschritt der Krankheit zu 70 bis 100 Prozent heilbar, zeigen die Resultate des Jahres 2014 - das gibt es bei keinem Virus“, sagte Taddei. „Dazu kommt, dass die Therapie, die direkt auf das Virus einwirkt fast ohne Nebenwirkungen ist und leicht zu verabreichen: Zwei bis drei Tabletten täglich über maximal drei Monate.“ Sie sei derzeit zwar noch sehr teuer, aber: „Über zehn bis 15 Jahre ergibt sich durch die Vorteile der kurzen Behandlung, der fehlenden Nebenwirkungen und der geringeren sozialen Kosten eine Kostensenkung für die Krankenkasse, selbst wenn die Medikamentenpreise nicht sinken würden“, meint Taddei. „Wenn wir ab jetzt alle Patienten behandeln mit einem Erfolg von 90 Prozent, gibt es 2030 keine Hepatitis C mehr.“ Derzeit wird mit dem Gesundheitsministerium der Preis für die Medikamente verhandelt. „Damit es für die Kasse nicht direkt zu teuer wird, würden wir zunächst die Patienten behandeln, die schon eine Fibrose dritten Grades aufweisen.“