LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Mittelstandsminister kündigt fünften Aktionsplan zugunsten kleiner und mittlerer Betriebe an

Ein Schwerpunkt auf die Herausforderungen der Digitalisierung, eine zweite Chance für Unternehmer, eine professionelle Beratung bei der Unternehmensübergabe: Mittelstandsminister Lex Delles (DP) hat gestern einige Eckpunkte des nächsten, inzwischen fünften Aktionsplans zugunsten kleinerer und mittlerer Unternehmen (KMU) vorgestellt. Betriebe mit weniger als 50 Mitarbeitern bilden das Rückgrat der luxemburgischen Wirtschaft. Die etwa 35.000 Unternehmen im Handwerk, Handel oder im Hotel- und Gastronomiegewerbe beschäftigen mehr als 210.000 Mitarbeiter. Als seine Aufgabe sehe er es an, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich diese Unternehmen „auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren können“, so Delles.

Eine zweite Chance unter bestimmten Voraussetzungen

Wer am Versuch, sich selbstständig zu machen, scheitert, soll unter bestimmten Voraussetzungen eine zweite Chance erhalten. Das wird eine der Neuerungen im fünften Aktionsplan sein. Wer unternehmerisch aktiv wird, der nehme Risiken auf sich. „Unternehmertum zu fördern, heißt auch, dabei zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen“, so Delles, der dafür plädierte, den Begriff der zweiten Chance gesetzlich zu verankern. Einen zweiten Versuch sollen Unternehmer bekommen, die einfach Pech im ersten Anlauf hatten, sei es, weil ein großer Kunde abspringt oder eine Idee zum falschen Zeitpunkt lanciert wurde. Oder aber, wenn der Betroffene sich schlecht bei der Verwaltung seines Unternehmens angelegt hat und deshalb in Schwierigkeiten gerät.

In den Augen des liberalen Ministers soll auch die Handhabung von Schulden aus der ersten Unternehmensgründung in Zukunft flexibler ausfallen. Es ginge darum zu prüfen, ob die Fristen zur Schuldentilgung nicht angepasst werden könnten, so Delles.

Angaben des Ministers zufolge stehen in den kommenden zehn Jahren im Handwerk 3.000 und im Handel 2.000 altersbedingte Unternehmensübergaben an. Im Gespräch für den fünften Aktionsplan ist jetzt ein professionelles Beratungsangebot, aber auch eine Sensibilisierungsarbeit, um die Übergabe eines Unternehmens rechtzeitig in die Wege zu leiten.

Unbürokratische Hilfe

Einen Schwerpunkt wird der Aktionsplan allerdings auf die Herausforderungen legen, die mit der Digitalisierung einherkommen. Ob der Einsatz von Drohnen, Online-Shopping, Präsenz auf sozialen Netzwerken oder digitale Lösungen: Die Digitalisierung bedeutet Veränderungen und müsse „im nächsten Plan großgeschrieben werden“, so der Minister. Sehr kleine Unternehmen benötigten dabei „konkrete Hilfe“ ohne großen administrativen Aufwand, so Delles, der als Beispiel ein Starterkit nannte, das Unternehmen ermöglicht, ihre Onlinepräsenz zu verbessern.

Von den Vertretern der „confédération luxembourgeoise du commerce“ (clc), der Handelskammer, Handwerks- und Handwerkerkammer und der Horesca wird der letzte wie auch die Ankündigung des neuen Aktionsplans allgemein begrüßt. Initiativen, die aus dem vierten Aktionsplan hervorgegangen sind, sind etwa die „entrepreneurial schools“, das „Pakt Pro Artisanat“ oder die Shopping-Plattform „letzshop.lu“, der laut Angaben von Gerry Wagner von der clc bis heute an die 100 Händler beigetreten sind. Vieles sei aus dem Maßnahmenprogramm von 2016 umgesetzt worden, sagte Delles, darunter etwa das neue Gesetz für Unternehmensbeihilfen.

Mit Blick auf die Ausarbeitung des neuen Aktionsplans hob Tom Oberweis von der Handwerkskammer die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Berufskammern und Patronatsorganisationen hervor. Er plädierte auch für eine Reform der gesetzlichen Grundlage für Gewerbegenehmigungen und forderte ein „modernes Insolvenzgesetz“. Seit Jahren wird im Parlament an einer Reform des Insolvenzrechts gearbeitet. François Koepp von der Horesca betonte die Notwendigkeit eines „level playing field“, also gleicher Rahmenbedingungen für traditionelle Betriebe und neue Dienstleistungsunternehmen im Uber-Format. Dass dieselbe Arbeit geleistet werde, aber lediglich für eine Seite Auflagen gelten, könne doch nicht angehen, so Koepp sinngemäß. Michel Reckinger vom Handwerkerverband kündigte indes eine Umfrage unter kleinen und mittleren Betrieben über ihre Rentabilität an.