LUXEMBURG
MARCO MENG

Erst drei Maschinen, dann fünf - „Cargolux China“ wird 2017 aktiv

Eigentlich sollte ja „Cargolux China“ komplementär zur Cargolux Airlines sein - eine Unterzeichnung, dass die neue chinesische Fluggesellschaft nicht in die Europäische Union fliegt, habe die Unternehmensleitung aber stets abgelehnt, sagt LCGB-Sekretär Aloyse Kapweiler. Man fürchte auch, den Grund zu kennen. Denn Flüge von und nach Luxemburg der ab 2017 fliegenden Cargolux China - so der provisorische Name - scheinen nicht ausgeschlossen. Das würde bedeuten, dass das auf Kosten der luxemburgischen Gesellschaft geschehen wird, so zumindest befürchtet es der Gewerkschafter. Die neue Airline als Joint Venture mit dem chinesischen Aktionär HNCA soll aus vorerst drei, später bis zu fünf B747-Frachtern bestehen, wie Cargolux bestätigt. Die Entscheidung, ob neue Maschinen oder gebrauchte, sei noch offen und werde Anfang 2016 durch HNCA getroffen.

Cargolux Italia - Cargolux China

Eine ähnliche Problematik wie sie sich nun mit Cargolux China auftut besteht schon beim Tochterunternehmen Cargolux Italia: Lange stritten sich Gewerkschaften und Unternehmensleitung um die Zahl der Flugzeuge der italienischen Tochter. 2014 hatte sie noch eine Maschine. Heute sind es drei. Man könne sich auf eine Begrenzung von drei Flugzeugen einigen, hieß es einmal aus der Cargolux-Direktion. Demnächst wird eine weitere, vierte Maschine, von Luxemburg nach Italien überführt. Dort wurden inzwischen 25 neue Stellen für Piloten geschaffen, die nach italienischem Recht eingestellt wurden. Allerdings wurden auch in Luxemburg neue Stellen geschaffen.

Cargolux-Chef Dirk Reich begründet Cargolux Italia vor allem mit geringeren Crew-Kosten. Es würden aber keine Flüge aus Luxemburg ersetzt. Kritiker sehen das anders: Sie monieren, dass durch mehr Maschinen in Mailand Frachtaufkommen und damit auch indirekt Personal in Luxemburg abgebaut werde. Reich hingegen betonte stets, es sollte nicht zu einer Überlappung des Netzwerkes kommen. Ist das aber realistisch? Cargolux China mit Sitz in Zhenzhou, wo Foxconn die Apple iPhones zusammenbaut, soll beispielweise Transpazifikflüge abwickeln, innerhalb Asiens und von Asien die Strecke in die USA und zurück. Die neue Gesellschaft werde Nischen fliegen, die Cargolux nicht fliege, sagte Reich im Oktober. Inzwischen wurde eine Machbarkeitsstudie zur neuen Gesellschaft gemacht; was die besagt, ist allerdings nicht öffentlich. Die im Mai eingeweihte Strecke von zwei Flügen wöchentlich zwischen Zhengzhou und Chicago wird jedenfalls in Zukunft sicherlich von der neuen Gesellschaft abgewickelt. Heute macht das Cargolux Luxemburg. Auch Cargolux Italia fliegt übrigens nach Zhengzhou.

Wenn es sich als wahr herausstelle, dass die neue Gesellschaft nach Europa oder gar von und nach Luxemburg fliegen könne und damit in Zukunft Cargolux Fracht wegnehme, riskiere Cargolux einen Streik, erklärt Kapweiler. Vielleicht schon im Dezember. Bis dahin nämlich läuft der Kollektivvertrag aus, wenn man beim nächsten Treffen am 11. November nicht zu einer Einigung findet. Auf die Nachfrage, ob die Strecke von und nach Luxemburg für das chinesische Tochterunternehmen tatsächlich tabu sei, hüllte sich Cargolux gestern in Schweigen.

„Jetzt ist der Staat gefragt“, sagt Kapweiler. Der müsse unterbinden, dass Arbeitsplätze von Luxemburg weiter nach Italien und bald China ausgelagert würden. Weil der Staat der größte Aktionär der Luftfrachtgesellschaft ist, hatte der LCGB kürzlich in einem Brief Premierminister Xavier Bettel aufgefordert, im Interesse des Standorts Luxemburgs zu intervenieren. Gegenüber dem Fachportal „Cargoforwarder“ betonte Reich jüngst, dass die Operationen der in Zhengzhou basierten neuen Luftfrachtgesellschaft 200 Arbeitsplätze bei Cargolux in Luxemburg sichern würden.