LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Konferenz über Geschlechtergleichstellung und Religionsfreiheit

Eine breite Diskussion anregen, so beschrieb die Vorsitzende des nationalen Frauenrats CNFL, Danièle Martin, gestern Nachmittag den Auftakt einer Konferenz über den Themenkomplex Geschlechtergleichstellung und Religionsfreiheit. Ein „sehr aktuelles und mutiges Thema“, wie Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch anfügte. Zwar tauche die Frage der Gleichstellung der Geschlechter in allen fünf großen Religionen - Hinduismus, Buddhismus, Judentum, Christentum und Islam -auf, doch keine gebe die bedingungslose Gleichstellung zwischen den Geschlechtern als Antwort.

Bislang wurden die Beziehungen zwischen Religion und Geschlechtergleichstellung in Luxemburg kaum diskutiert. Seit dem Jugoslawien-Krieg und infolge jüngerer Konflikte ist die muslimische Bevölkerung gewachsen. Außerdem werfen Urteile wie vor zwei Wochen vom Europäischen Gerichtshof zu einem unter bestimmten Umständen zulässigen Kopftuchverbot am Arbeitsplatz Fragen im Hinblick auf die Religionsfreiheit auf.

Zwei Dimensionen der Religionsfreiheit

Dr. Anne Jenichen von der britischen Aston University zeigte in ihrem Vortrag auf, dass in Europa oft die Interpretation vorherrsche, Religion und Frauenrechte stünden im Widerspruch zueinander und argumentierte, dass das angebliche Dilemma zwischen Religionsfreiheit und Geschlechtergleichstellung zu einer Benachteiligung von Frauen führe. Der Begriff der Religionsfreiheit habe zwei Dimensionen. Die positive Dimension in der Freiheit, sich einer Religionsgemeinschaft anzuschließen und für persönliche religiöse Überzeugungen einzutreten. Die negative Dimension, frei von einer Religionsgemeinschaft zu sein und nicht zur Teilnahme von religiösen Praktiken gezwungen oder genötigt zu werden. Wenn Frauenrechtsverletzungen lange Zeit als „interne Angelegenheiten“ kultureller Minderheiten betrachtet worden seien, habe sich die Situation inzwischen gewandelt. Als Beispiele nannte Jenichen das unterschiedlich gehandhabte Kopftuchverbot beziehungsweise die Gesichtsverschleierung. Auch wenn sich das jüngste EuGH-Urteil allgemein auf religiöse Symbole beziehe, betreffe es doch hauptsächlich muslimische Frauen, sagte Jenichen, um ihre These der Benachteiligung zu stützen. Die Folge solcher und anderer Verbote habe „massive Folgen für muslimische Frauen“, weil sie etwa von bestimmten Berufen ausgeschlossen würden oder sogar aus dem öffentlichen Raum. „Wir befreien diese Frauen nicht dadurch, dass wir ihnen verbieten, ein Kopftuch in der Öffentlichkeit zu tragen“, betonte sie. Selbst das Argument, dass Männer ihre Frauen zur Verschleierung zwingen, lässt Jenichen nicht gelten. Eher würden diese Männer ihre Frauen dann nicht mehr aus dem Haus lassen.

Jenichen plädierte dafür, den Dialog mit religiösen Feministinnen zu suchen und andererseits für eine „Politik der Gemeinsamkeiten“ einzutreten, also die kulturübergreifende Sichtbarmachung von Geschlechterungleichheiten (etwa im Kampf gegen häusliche Gewalt). Religionen und Geschlechtergleichstellung seien kein Widerspruch, lautete ihr Fazit. Auf die gestrige Konferenz folgen in den kommenden Monaten drei Workshops zu den Themenfeldern Geschlechtergleichstellung und Religionsfreiheit im öffentlichen Raum, in der Arbeitswelt und in der Kinderbetreuung und -erziehung, für die man sich beim CNFL anmelden kann.

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