DIFFERDINGEN
PATRICK WELTER

Wir haben ein teures Grundstück gekauft und es billiger weitergegeben.“ Ein ungewöhnliches Statement für einen Bürgermeister, aber Roberto Traversini, der Stadtchef von Differdingen ist sich sicher, dass das Vorgehen nützlich war. Ursprünglicher Verkäufer war der Stahlriese ArcelorMittal und der spätere Käufer der Staat. Der Stadt blieb eine Fläche von 80 Ar.

Genau dafür hat der Differdinger Schöffenrat ein Lastenheft formuliert und einen europaweiten Investorenwettbewerb unter dem Stichwort „Entrée en Ville - Tower“ ausgeschrieben. Für die Bieter hieß das, sowohl ein städtebauliches wie ein kommerzielles Konzept, als auch eine ausgefeilte Architektur vorzulegen. Traversini betonte, dass es der Stadt dabei nicht um einen möglichst hohen Ertrag gegangen sei, sondern um ein Konzept, dass der Stadt etwas bringt. Natürlich auch um den Bau von Wohnungen und zwar von großen Wohnungen. Die Nachfrage dafür sei in Differdingen sprunghaft angestiegen. Der von der Stadt angestrebte Endpreis dafür soll bei 3.700 Euro pro Quadratmeter liegen.

Vier Wettbewerber in der letzten Runde

Die Stadt Differdingen wurde bei dem mehrstufigen Auswahlverfahren vom Beratungsunternehmen EY begleitet. In die Endausscheidung kamen vier Konzepte. Der Sieger des Wettbewerbs wurde gestern im Kulturzentrum „Aalt Stadhaus“ vom Schöffenrat präsentiert. Schöffe Erny Müller, der sich laut Roberto Traversini rund ein Jahr intensiv um das Verfahren gekümmert hat, sprach von einer „Vision für Differdingen“ die man mit dem nun prämierten Entwurf erreicht habe. Der Bau eines „Tower“ sei dabei Programm gewesen, in Erinnerung an den abgerissenen Hadir-Turm. Müller bedauerte, dass man nur einen Sieger küren könne, denn die vorliegenden Projekte seien alle preiswürdig. Alle hätten die Vorgaben Wohnen, Handel und Leben voll berücksichtigt.

80 Wohnungen und ein transparenter Sockel

Sieger des Investorenwettbewerbs ist die BPI Luxembourg SA, die in Luxemburg unter anderem die neue ING-Bank am Platz der ehemaligen „Galerie Kons“ gegenüber dem Hauptbahnhof gebaut hat, ebenso wie den Turm „B“ an der Porte de l’Europe“ im Europaviertel Kirchberg. Hauptelement ist ein Hochhaus von etwa 60 Metern Höhe, das von kleineren Blöcken flankiert wird. Insgesamt 80 Wohnungen sollen entstehen. Der Sockel ist als „lichter Verkehrsraum“ ausgelegt. Laut Bürgermeister Traversini liegen keine Beschränkungen durch den gültigen Bebauungsplan vor. Seiner Meinung nach wird 2020 mit dem Bau begonnen, der schon 2022 abgeschlossen sein könnte.

Die vier verschiedenen Entwürfe - mit Plänen und Modellen - werden in den nächsten 14 Tagen im Kulturzentrum „Aalt Stadhaus“ für die Öffentlichkeit zugänglich sein.