LUXEMBURGGERHARD KLUTH

Andreas Staier mit einem Pianoforte in der Philharmonie interpretiert Mozart und Haydn

Sie sind bestens bekannt, die Klavierkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart. Jeder große Pianist spielt sie immer wieder, ob auf der Bühne oder für die CD-Einspielung. Sie erklingen dann auf einem der modernen Flügel, die es problemlos mit einem Sinfonieorchester aufnehmen können und notfalls mit Klanggewalt den Solisten zu ihrem Recht verhelfen. Wie anders war es doch, als jetzt das Orchester La Chambre Philharmonique auf dem Kirchberg gastierte, zusammen mit dem Pianisten Andreas Staier, der ein Pianoforte aus dem Jahre 1815 mitgebracht hatte. Sie gestalteten einen Abend für all jene Musikfreunde, die gerne sehr genau hinhören.

Ungewohnt

Fein ziseliert präsentierten sich das erste und das neunte Klavierkonzert Mozarts, kamen in einem völlig neuen, ungewohnten Klangbild daher. Zu danken war dies natürlich dem Instrument, das Staier mitgebracht hatte. Filigran und durchsichtig war der Klang, zurückhaltend, bar jeder Dominanz. Man musste sich schon einen Moment daran gewöhnen. Diese Interpretation zeigte aber auch ein anderes Verhältnis zwischen Orchester und Solist auf. Staier war über weite Strecken ein Mitglied des Ensembles. Er fügte sich ein in den Gesamtklang.

Dies galt für das KV 37 als auch für das KV 271, das auch unter dem Namen „Jeunehomme“ bekannt ist. Staiers spiel ging nie unter, verlieh dem Orchesterklang an vielen Stellen eine neue Färbung um dann, an den Stellen, die Mozart dafür vorgesehen hatte, um so strahlender die solistischen Partien hervortreten zu lassen. Ob es so im 18. Jahrhundert geklungen hat, wissen wir natürlich nicht, weil wir unter anderem auch nicht wissen, ob Mozart ein so ausgezeichneter Pianist war, wie Staier es ist. Aber das die Interpretation im Grand Auditorium dem Original sehr nahe kam, das war schon vorstellbar.

Souveräne Führung

Eigentlich hätte Emmanuel Krivine, Mitbegründer des Orchesters, in der Philharmonie am Pult stehen sollen. Krivine musste aber aus gesundheitlichen Gründen absagen. Kurzerhand übernahm Staier dessen Part und leitete die Musiker mit ihren historischen Instrumenten durch Mozarts erste Sinfonie, KV 16 und durch die Sinfonie Nr. 49, „La Passione“, von Joseph Haydn. Ob dies wirklich notwendig war, mochte man in Zweifel ziehen, denn Konzertmeister Naaman Sluchin führte seine Mitstreiter ohnehin souverän durch das Geschehen, zumal er auf einem kleinen Podest saß. Aber ob mit oder ohne Dirigent, der Klang, mit dem sich das philharmonische Kammerorchester präsentierte, war beeindruckend. Auch hier kennzeichnete eine klare Durchsichtigkeit das Gesamtbild, bei Mozarts Kinderwerk begleitet von eine lebendigen Spritzigkeit, die große Freude machte. Auch Haydns f-Moll Sinfonie profitierte sehr von diesem klaren Klangbild, auch wenn der erste Satz vom Tempo her ein wenig breit und fast schon übertrieben tragisch daher kam. Es war ein beeindruckender Abend, der für viele Konzertbesucher sicherlich ein ganz neues Klangerleben bereithielt.