LUXEMBURG
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Guy Peiffer will mit „Second Chance“ Hilfe bieten

Mehr als 24 Jahre saß Guy Peiffer im Gefängnis - die Anklage lautete Kokainhandel und Doppelmord. Peiffer stritt (und streitet) das seither ab. Seit seiner Freilassung betätigt er sich als Künstler und Autor; jetzt versucht er sich als Präsident der Hilfsvereinigung „Second Chance“. Die Vereinigung konzentriert sich maßgeblich auf die Unterstützung von Insassen und ihren Familien während ihres Aufenthalts in einer Strafvollzugsanstalt sowie die Förderung bei der Reintegration nach einer Freilassung. Peiffer weiß aus eigener Erfahrung: „Die Reintegration in die Gesellschaft beginnt beim Insassen selbst und nicht erst durch Auffangmethoden in der Einrichtung.“

Reintegrations- und Sozialhilfe

Die Betreuung in den Einrichtungen, unter anderem durch „assistants sociaux“ sei zwar die eine Seite der Medaille; es dürfe aber auch nicht vergessen werden, dass sich die Betroffenen oftmals besser mit anderen (ehemaligen) Insassen identifizieren können. Samt Vorbildfunktion: „Wenn er das schafft, kannst du das auch“, meint er.

Denn der nächste große Wurf soll auch bald gelingen - zumindest, wenn es nach Peiffer geht; „Ich will unbedingt eine Einrichtung schaffen, in der Wohnraum und Arbeitsbereich für Menschen in prekärer Situation entstehen kann“, erklärt er. Baufläche habe er für sein „Second Chance“-Projekt zwar theoretisch bereits, diese liegt aber nicht im Bauperimeter - und ob sich das bald ändert, sei mehr als fraglich. Kompensationen oder Ausweichmöglichkeiten, etwa in einer Industriezone, sind denn auch noch nicht in Aussicht. Hier muss Peiffer darauf hoffen, Unterstützung für sein Projekt zu finden. Damit tue er sich aber bislang schwer, obwohl das Land derartige Sozialprojekte dringend nötig habe.

Dass diese Zurückhaltung dabei wohl maßgeblich an seiner Person liegt, weiß Peiffer natürlich auch. Trotzdem will er das Projekt um jeden Preis verwirklicht sehen. Denn: „Wenn ich anderen dabei helfen kann, aus ihrer prekären Situation heraus zu kommen, helfe ich auch mir selbst.“ Es wäre sehr schade, wenn eine löbliche Initiative nicht durchstarten könnte, weil Peiffer eine „Persona non grata“ ist und bleibt.

Derweil soll sich „Second Chance“ auch weiter auf die direkte Reintegrationshilfe konzentrieren. „Dazu gehört das allernötigste - Wohnung und Arbeit“, meinte Guy Peiffer gestern. Oder der Abtransport der eigenen Habseligkeiten. „Im Gefängnis macht man sich kaum Freunde“, meint Peiffer. Dann bleibe das eigene Hab und Gut oft auf der Strecke. „Jetzt hat ,Second Chance' ein Auto, dann können wir das zur Verfügung stellen“, erklärt er. Zudem stehe er im direkten Kontakt mit Institutionen wie der Arbeitsagentur ADEM. „Ich kann die Leute nur verweisen, aber eine Garantie ist das nicht“, bedauert er. Bedauernswert sei auch, dass die Berichterstattung oft zu sehr auf die gescheiterten Existenzen blicke. „Diejenigen, die den Schritt zurück schaffen, sehen wir kaum. Das ist schade.“