ESCH/ALZETTE
CORDELIA CHATON

Ein Jahr nach der Gründung weiht die UP Foundation in Esch/Alzette ihr Lokal ein

Vor gut einem Jahr wollten einige engagierte Bürger etwas tun für die Chancengleichheit angesichts von 1.700 Schülern, die jedes Jahr ohne Abschluss aus dem Bildungssystem gehen. So startete die „UP Foundation“ in Esch/Alzette. Gestern Abend weihte die auf Kinder und Jugendliche konzentrierte Bürgerstiftung ihr erstes Vereinslokal in der Minettstadt ein. Die Stiftung zähltd im Verwaltungsrat namhafte Persönlichkeiten wie Christiane Wickler, Raymond Schadeck, Philippe Depoorter, François Turk oder Sonia Hoffmann. Wir haben mit der Direktorin Liz Kremer gesprochen, die sich um die Aktivitäten kümmert.

Frau Kremer, was macht die UP Foundation in Esch?

Liz Kremer Wir vernetzen die verschiedenen Akteure in der Bildung. Es gibt ganz viele gute Projekte und wir vernetzen sie. 2018 haben wir in Esch angefangen und jetzt eröffnen wir unser Vereinslokal in der 29, Rue Dicks in einem ehemaligen Möbelgeschäft, das wir selbst restauriert haben. Dabei haben uns die Leute von „Jonk Handwierk“ unterstützt. Unsere Idee war, dass sich Bürger für Bürger einsetzen. Wir wollten viel Partizipation und wenig Geld in die Hand nehmen. Wir bauen eine Bildungslandschaft auf.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?

Kremer In den Maison Relais in Esch herrscht Platzmangel, viele Kinder und Jugendliche sind nachmittags auf der Straße. Die Stadt wollte sie besser unterbringen. So haben wir am Dienstag und Donnerstag nachmittags ein flottes Betreuungsprogramm aufgelegt, bei dem wir von ganz vielen Vereinen unterstütz werden. Das reicht von Musikvereinen über die Pfadfinder bis hin zu Sportvereinen oder den „Amis des Musées“. Insgesamt sind es 27 verschiedene Organisationen - und dementsprechend vielfältig ist auch das Angebot. Wir koordinieren deren Aktivitäten. Es ist ein Riesenerfolg. Die Stadt Esch will, dass wir das Angebot allen Maison Relais zur Verfügung stellen. Bei uns geht es nicht um politische oder wirtschaftliche Interessen. Im Mittelpunkt stehen die jungen Leute. Im Moment betreuen wir rund hundert Kinder. Ab September werden es noch mehr sein. Schon jetzt kann man sich auf unserer Internetseite einschreiben. Gegliedert ist diese anhand von sieben Kategorien für außerschulische Bildung, die das Bildungsministerium vorgegeben hat. Wir wollen diesen Rahmen mit Leben füllen.

Hatten Sie Vorbilder?

Kremer So etwas gibt es schon lange im Ausland, beispielsweise in der Schweiz. Dort unterhält die Jakob-Stiftung solche Einrichtungen in 22 Städten. Deren Angebot ist je nach Stadt ganz unterschiedlich. Das Prinzip ist so, dass das Kind selbst entscheidet, wo es mitmachen will. UP hat vier Geschäftsfelder: NET, LAB, FORUM und AWARD. Im NET vernetzen wir alle Bildungsakteure, die ein gemeinsames Ziel zum Wohle von Kindern und Jugendlichen verfolgen; mit dem LAB fördern wir innovative Konzepte; über das FORUM organisieren wir Konferenzen für ein breites Publikum zu den unterschiedlichsten Bildungsthemen. Mit AWARD fördern wir vielversprechende Initiativen. Das alles ergibt die Bildungslandschaft.

Wie reagieren die Kinder und Jugendlichen?

Kremer Die sind begeistert dabei. Wir haben beispielsweise ein Projekt namens L_ESCH_ikon, bei dem die Kinder als kleine Journalisten die Stadt erforschen. Die Kinder finden solche Angebote gut - und die Erzieher auch. Wir hatten anfangs befürchtet, dass Erzieher uns als Konkurrenz sehen. Aber das war gar nicht so. Viele Erzieher kommen mit, weil sie finden, dass ihnen das Angebot auch eine Öffnung gibt. Fairtrade, natur&ëmwelt und viele andere machen schließlich mit.

Anfangs mussten wir Ateliers einstellen, weil es keine Anmeldung gab. Schnell hatten wir aber die dreifache Nachfrage. Ziel ist wirklich die Talentförderung und Valorisation der Talente der Schüler. Wir sagen, Bildung ist nicht nur Schule. Wir wollen keine Nachhilfekurse organisieren.

Wollen Sie in andere Städte gehen?

Kremer Wir sind bislang auf Esch konzentriert. Verschiedene Leute haben gesagt, das ist eine flotte Sache. Aber bislang haben wir noch keine konkreten Anfragen. Das Projekt „KANNER_UP, méi wéi Schoul“ ist auf sechs Jahre angelegt. Zurzeit beschäftigen wir eine Person ganztags.

www.upfoundation.lu