ETTELBRÜCK
SVEN WOHL

Gut versteckt bedient die Bibliothek Ettelbrücks ein breites Publikum

Bibliotheken haben sich von ihrem angeblich staubigen Image verabschiedet. Wer heute eine Bibliothek in Luxemburg besucht, findet einen Ort vor, in dem gelebt wird, in dem die Gemeinschaft ein Zuhause findet. Bibliotheken haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als Ort der Begegnung neu orientiert und sich damit auf ihre Stärken besinnt.

Ein Musterbeispiel hiervon findet man in der „Nordstad“ - in Ettelbrück, um genauer zu sein. Denn wer diese Bibliothek betritt, trifft dort oft Familien mit Kindern an. Ein junges Publikum also, das zu der relativ jungen Bibliothek passt. Erst 2009 wurde sie eröffnet und darf sich somit kommendes Jahr auf ihren zehnten Geburtstag freuen. Gründe zum Feiern gibt es genug.

Keine Nachwuchsprobleme

Fast die Hälfte der Fläche wird für die Kinder- und Jugendliteratur verwendet. „Wir haben kein Nachwuchsproblem“, bestätigt Blanche Nosbusch, Zuständige für die Bibliothek. Doch sind es nicht nur die Familien, die hier einen Ort finden, wo sie in Ruhe Zeit verbringen können. Auch Studenten kommen - vor allem während der Examenszeit - hierher, um zu lernen. „Noch lange nicht jeder hat zu Hause die Möglichkeit, in Ruhe lernen zu können“, erklärt die Zuständige. Auch die Statistik bestätigt, dass die jüngeren Generationen die Bibliothek zu schätzen wissen. Aus ihr liest man, dass die unter 20-Jährigen ganze 27 Prozent der Kundschaft ausmachen. Wobei Kinder auch etwas über den Bibliotheksausweis ihrer Eltern ausleihen können.

Kinder kommen also gerne in die Bibliothek. Alle Kinder? Nicht unbedingt - vor allem jene, die sich mit der französischen Sprache anfreunden sollen und sich deshalb hier mit Literatur eindecken müssen, machen einen eher unglücklichen Eindruck. Doch lange lassen sie sich dadurch nicht abschrecken. Tatsächlich gibt man sich seitens der Schule viel Mühe, den Kindern möglichst früh einen regelmäßigen Umgang mit der Bibliothek zu etablieren. Die Klassen des zweiten Schuljahrs (Cycle 2.2) der Ettelbrücker Grundschule statten der Bibliothek jedes Jahr einen Besuch ab. Auf Anfrage kann jede Schulklasse mit der Bibliothek Aktivitäten gestalten und organisieren. Da sind immer wieder welche darunter, die wiederkommen. „Es ist wichtig, dass jedes Kind einmal die Bibliothek kennenlernt“, erzählt Blanche Nosbusch.

Leicht zu übersehen

Der Bibliothek in Ettelbrück fehlt es allerdings, wie vielen anderen Bibliotheken im Land auch, an Werbung und Sichtbarkeit. Zwar stünde der Bibliothek eine Seite im „Reider“, also der Gemeindezeitung, zur Verfügung, doch abseits dessen müsste man auf Mund zu Mund Propaganda setzen. Während ein Mangel an Werbung ein Problem ist, so hilft der Ort, an dem die Bibliothek zu finden ist, nicht wirklich weiter. Sie liegt etwas abseits der Fußgängerzone der Pattonstadt, und auch die Nähe zu einem Parkplatz hilft nur bedingt. Selbst die Schilder in der Fußgängerzone, die einem den Weg zeigen sollen, helfen wenig, weil man sie zu leicht übersieht. Man müsste schon nach den Schildern suchen, beteuerten die Verantwortlichen. Ein Plus an Sichtbarkeit erlebte die Bibliothek jedoch durch die Bücherkabine, die seit zwei Jahren in der Fußgängerzone steht. Die aktuellen Verkehrsprobleme in der „Nordstad“ würden jedoch auch dazu führen, dass einige die Bibliothek nicht mehr besuchen kämen.

Dass Bibliotheken kein großes politisches Thema darstellen, habe man auch durchaus im letzten Wahlkampf festgestellt. Kaum eine Partei äußert sich überhaupt zu dem Thema. „Was gut funktioniert, wird einfach laufen gelassen“, schließt die Verantwortliche daraus. Dabei ging die Schaffung der Bibliothek aus einem Aufruf seitens der Gemeinde Ettelbrück hervor, infolgedessen sich interessierte Personen meldeten. Daraus entstand eine ASBL, welche die Bibliothek gründete.

Fortwährender Erfolg

Heute stellt man fest, dass die Bibliothek ein voller Erfolg ist. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 16.210 Bücher - also einmal die gesamte Bibliothek - ausgeliehen. Die Zahl der ausgeliehenen Bücher gilt als zuverlässigste Methode, den Erfolg zu messen, denn im Moment hätte jede Bibliothek im Land andere Formalitäten, wie lange jemand bei ihnen eingeschrieben bleibt, obwohl er inaktiv ist.

Ein weiteres Barometer für den Erfolg sind die Lesungen, die organisiert werden. Hier versucht man, nicht zu viel auf schweren Stoff zu setzen. Stattdessen werden lokale Talente, also hauptsächlich aus dem Norden, genutzt, um die Zielgruppe aus der „Nordstad“ anzusprechen. Im November stehen dementsprechend der im ganzen Großherzogtum bekannte Krimiautor und Politiker Marco Schank (8. November) sowie Samuel Hamen (27. November), der das Lyzeum in Diekirch besuchte, auf dem Plan.

Mit guten Inhalten und einem breiten Angebot möchte man auch in Zukunft weitermachen. Wie diese konkret aussieht, steht noch nicht ganz fest. Denn klar ist, dass man demnächst umziehen muss, soll das aktuelle Gebäude durch ein moderneres ersetzt werden. Wohin die Reise zwischenzeitlich geht, ist noch nicht gewusst. Doch klar sei, dass in dem neuen Gebäude mehr Platz vorhanden sei.