natur&ëmwelt präsentiert politischen Forderungskatalog

Der Wandel geschah zunächst im Stillen und wird jetzt durch eine junge Frau verkörpert, die weiß was Sache ist. Anderswo hätte sie eine schicke Bezeichnung wie „Campaignerin“ oder „political activist“. Auf der Visitenkarte von Laure Cales steht nur „projet, campagnes“ was aber einem politischen Paukenschlag gleich kommt, denn ihr Arbeitgeber ist „natur&ëmwelt.“ Der bisher als unpolitisch geltende Umweltverband hat mit ihrer Hilfe einen umweltpolitischen Forderungskatalog an die Parteien im Vorfeld der Parlamentswahl 2018 formuliert.

„natur&ëmwelt“ ist als Umweltverband aus zahlreichen anderen Verbänden und Stiftungen zusammengewachsen. Man leistete immer konkrete Arbeit vor Ort, kaufte gefährdete Biotope auf, appellierte an den gesunden Menschenverstand, kritisierte auch mal Brüssel scharf, aber hielt sich aus dem Feld der politischen Forderungen an die nationale Politik heraus. Bis jetzt.

„Zwei Jahre bevor wir 2020 auf eine hundertjährige Geschichte (des Vogel- und Naturschutzes) zurückblicken können, haben wir uns neu positioniert. Deshalb haben wir auch Laure Cales eingestellt, um unseren Naturschutzforderungen politischen Nachdruck zu verleihen,“ erklärte Präsident Roby Biwer. Später wurde er noch deutlicher: „Die Zeit des Vögelchen-Zählens ist vorbei.“ Womit nicht gemeint war, dass die konkrete Naturschutzarbeit eingestellt werden soll, sondern dass deren Ergebnisse nun auch in politische Reaktionen umgemünzt werden.

Dramatische Verluste

Der Verlust an Biodiversität ist mittlerweile so hoch, dass man auch bei „natur&ëmwelt“ keinen anderen Weg sieht als politisch laut und deutlich zu werden. In einer zweimonatigen Arbeit hat man über 60 konkrete Forderungspunkte an die Politik festgehalten - die Bekämpfung des Verlustes an Artenvielfalt steht dabei an vorderster Stelle und zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche. Als aktuelles Beispiel nannte Roby Biwer das Haselhuhn, das endgültig aus den luxemburgischen Wäldern verschwunden ist.

Broschüre mit politischen Forderungen

Eine 32 Seiten umfassende Broschüre mit dem Titel: „Biodiversität als Lebensgrundlage: Forderungen von natur&ëmwelt im Rahmen der Parlamentswahlen 2018“ fasst den Appell an die Politik zusammen. Die Kernthemen lauten: Intelligente Landesplanung, Stärkung der Biolandwirtschaft, Verbot der Pestizide, Verbesserung der Gewässerqualität, Stärkung der „Natura 2000“ Zonen und erneuerbare Energien, die nicht zu Lasten des Naturschutzes gehen

Die Bilanz der blau-rot-grünen Regierung sieht Biwer „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Er bewertete die Ausarbeitung eines neuen Naturschutzgesetzes und die konkrete Durchführung von Kompensationsmaßnahmen anhand von Biopunkten als gute Entwicklung, ebenso die Reform des Forstgesetzes, die die Naturschutzkomponente mehr in den Vordergrund rückt. Im Gegensatz dazu sei in der Landesplanung einiges überfällig. Luxemburg brauche auch dringend ein Bodenschutzgesetz, Boden sei eine wichtige Ressource. Keine Pluspunkte konnte die Landwirtschaftspolitik ernten, wo immer noch auf eine industrielle Produktion gesetzt werde. Der Produktionsanteil der Biolandwirtschaft liege immer noch bei nur vier Prozent, wobei die Nachfrage mehr als doppelt so hoch sei. Luxemburg hinke Brüssel hinterher, nicht nur bei den Biobauern. Der „Aktionsplan Pestizide“ sei schlicht enttäuschend. Dabei seien die Fragen nach einem Verbot von „Glyphosat“ und „Neonikotinoiden“ drängend.