LUXEMBURG
MARCO MENG

Cargolux will Flotte und Kapital aufstocken, Personalkosten reduzieren

Beim gestrigen Treffen der Cargolux-Leitung mit dem „Comité mixte“ wurde den Betriebsräten der 50seitige Sanierungsplan für die strauchelnde Frachtfluggesellschaft vorgestellt. Das noch nicht beschlossene Papier sieht eine Kapitalerhöhung und mehr Flugzeuge vor. Eigentlich findet ein solches Treffen unter Zusicherung der Vertraulichkeit über den Gesprächsinhalt statt. Doch diesmal drangen - schon vor der Sitzung - Informationen nach außen.

„Businessplan ein bisschen verfeinert, mehr nicht“

Laut Sanierungsplan, dem der Verwaltungsrat noch zustimmen muss, sollen die Cargolux-Aktionäre proportional zu ihren Anteilen frisches Kapital in Höhe von 275 Millionen US-Dollar zuschießen: in diesem Jahr 100 Millionen, im nächsten Jahr weitere 175 Millionen. Auf dem Papier liest sich das einfacher als es wohl sein wird, schließlich schreibt der mit 43,5 Prozent größte Anteilseigner, die Luxair, selbst rote Zahlen. Mit dem neuen Geld, so die Cargolux-Direktion, soll unter anderem die Flotte von 15 auf 18 Frachtflieger vom Typ 747-800 F erweitert werden.

Nicht im Sanierungsplan vorgesehen ist eine Auslagerung der Wartung in ein günstigeres Land; auch sind in anderen Bereichen keine Stellenstreichungen vorgesehen. Gleichzeitig sollen aber die Personalkosten bis 2017 um fast 200 Millionen Euro reduziert werden; im laufenden Jahr um 10 Millionen. Zweifel bestehen, wie die Personalkosten dermaßen reduziert werden können, während der Flottenbestand steigen soll. Die Verhandlungen zu einem neuen Kollektivvertrag, der ja einseitig im September gekündigt worden war, laufen zur Zeit. Die Personalvertreter betonen, dass dieser kein Instrument der Unternehmenspolitik sei. Man lässt dabei durchblicken: Nur wenn dieser unterschrieben wird, wie er ist, wird man auch bei der Umsetzung einer Zukunftsstrategie mithelfen und verweist darauf, dass die Personalkosten nur einen kleinen Teil der Gesamtbetriebskosten ausmachten.

Verwaltungsratssitzung tagt

Trotz des gestrigen Strategiepapiers wird angezweifelt, wie die für heute anberaumte Sitzung des Cargolux-Verwaltungsrats substantiell Neues bringen soll, angesichts der noch laufenden Verhandlungen zum Kollektivvertrag. Das nächste Treffen mit dem gemischten Betriebsrat der Cargolux wird am 26. Februar stattfinden.

Ob bis dahin ein Käufer für die 35% der jetzt vom Staat gehaltenen ehemaligen QatarAirways-Anteile gefunden ist, ist genauso offen wie die Frage, ob bis dahin ein Gutachten zum gestern präsentierten Sanierungsplan des Comité mixte vorliegen wird. Ohne dessen Zustimmung ist er aber nur bedrucktes Papier.