LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Bandenkriminalität: Gericht arbeitet Überfall auf Bijouterie Cartier auf

Seit gestern müssen sich zwei mutmaßliche Räuber vor der Kriminalkammer am Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, am 29. März 2013 die Bijouterie Cartier in der Grand-Rue in der Hauptstadt überfallen zu haben. Beide behaupten, nicht am Raub beteiligt gewesen zu sein.

Es war ein Bild der Zerstörung, das sich an jenem Freitag im Luxus-Juwelierladen präsentierte. An diesem Tag herrschte Trubel in der Hauptstadt. Plötzlich ging alles blitzschnell: Drei Räuber zertrümmern gegen Mittag mit einem Vorschlaghammer das Panzerglas der Ausstellungvitrine. Mit einer Softair-Waffe bedrohte einer der Täter die Angestellten, einen Kunden und einen Sicherheitsbeamten. Verletzt wurde bei dem Überfall niemand. Alles dauerte weniger als eine Minute.

Es sind dramatische Sekunden

Weil der Juwelierladen mit zahlreichen Videokameras überwacht wird und im Geschäft per Knopfdruck sämtliche Türen geschlossen werden können, blockiert einer der Täter die Tür mit seinem Fuß. Auch wenn die Täter die Kameras ausgeschaltet hätten, der Überfall wäre trotzdem von einer versteckten Sicherheitskamera gefilmt worden.

Im Video sieht man, wie ein anderer Täter den Sicherheitsbeamten in Schach hält. Der dritte Täter entwendet 39 Luxusuhren im Wert von 458.000 Euro. Die Dreistigkeit der Täter erregte großes Aufsehen. Der Juwelier und die Angestellten leiden noch heute an den Folgen der Tat. Einer der Ermittler erzählte gestern, dass ein Bandenmitglied zwei Tage vor dem Überfall das Geschäft betrat und sich die Luxusuhren zum Verkauf vorlegen ließ. Ein anderer Zeuge hatte zwei Tage vor dem Raub ein Foto von einer verdächtigen Person, die vor der Vitrine stand, geschossen. Leider hatte der Mann den Kopf mit einer Kapuze bedeckt. Die Ermittler sind sich aber sicher, dass es sich um den 34-jährigen Angeklagten Konstantin U. handelt.

Während des Überfalls waren die Räuber mit Sturmhauben maskiert. Die drei Täter flüchteten zu Fuß und entledigten sich während ihrer Flucht ihrer Verkleidung und der Waffe. Auf Videoaufnahmen in der „Galerie Neuberg“ und im „Centre Brasseur“ wird noch ein vierter Täter sichtbar. Der Mann bewegt sich in Richtung Theaterplatz und führte einen hellen Rollkoffer bei sich. Sofort wurde in der Innenstadt und Umgebung ein Großeinsatz ausgelöst. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. Die Uhren wurden wohl sofort ins Ausland geschafft. Laut Ermittler ist die Beute höchstwahrscheinlich in Antwerpen verkauft worden. Der 34-jährige Konstantin U. wurde am 6. August 2015 von der Polizei in Berlin festgenommen und nach Luxemburg ausgeliefert. Er konnte anhand von verschiedenen Telefonauswertungen in Zusammenhang mit dem Raub ermittelt werden. Der weitere Täter Renates B. (45 Jahre) ging den Beamten wenig später in einem Hotel in Berlin ins Netz. Dieser Täter wurde anhand von DNA-Spuren überführt. Er wurde ebenfalls nach Luxemburg ausgeliefert. Im Polizeiverhör gab B. zu Protokoll, er würde Mitglieder der Bande kennen. Der Dritte im Bunde ist der Polizei zwar bekannt, Beweise scheint es aber keine gegen diesen Mann zu geben. Der vierte Täter ist unbekannt.

Der Ermittler gab bekannt, dass die beiden verhafteten Täter dem organisierten Verbrechen aus Litauen angehören würden, die Schmuck und hochwertige Luxusuhren in Europa rauben. Die Polizei schließe nicht aus, dass die Bande noch für weitere Überfälle verantwortlich sein könnte. Sicher sei, dass Mitglieder der Bande am 26. Oktober 2013 am versuchten Raub im Juwelierladen Blancpain in Paris beteiligt waren. Auch hier ließ sich einer der Angeklagten zwei Tage vor dem Überfall Uhren vorlegen. Die Bande werde weiter verdächtigt, Raubüberfälle auf Geschäfte in Frankreich und Deutschland (Köln, Aschaffenburg, Dortmund, Düsseldorf) verübt zu haben.


Der Prozess wird heute fortgesetzt