LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Das Mediationsangebot in Luxemburg wächst - Im Gespräch ist deshalb eine „Maison de la médiation“

Ob Streit unter Nachbarn, innerhalb der Familie oder Rechtsstreitigkeiten in anderen Bereichen: Das Mediationsangebot in Luxemburg hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter entwickelt. Mit der Folge, dass für den Bürger nicht immer erkennbar ist, welche Anlaufstelle seinen individuellen Bedürfnissen entspricht und an wen er sich wenden soll. Mediation müsse aber „für den Bürger sichtbar, einfacher, erkennbarer und verständlicher werden“, erklärt Justizminister Félix Braz auf „Journal“-Nachfrage. Mit den Vertretern der Mediationsverbände sei deshalb die Idee einer einheitlichen Struktur besprochen worden. In einer solchen „Maison de la médiation“ wären die verschiedenen Dienstleistungen und Verbände unter einem Dach vereint.

Insgesamt steht für Braz heute fest, „dass die Mediation, ob konventionell, straf-, zivil- oder wirtschaftsrechtlich, einem reellen Bedarf der rechtsuchenden Bürger entspricht“. Auch auf lokaler Ebene gebe es einen steigenden Bedarf; viele Gemeinden hätten in den vergangenen Jahren Mediationsanlaufstellen geschaffen, um beispielsweise Nachbarschaftskonflikte zu lösen oder zu verhindern. „Auch im Bausektor-, Verbraucher- oder im Unternehmensbereich wird versucht, Streitpunkte zu lösen, bevor Konflikte überhaupt entstehen. Kommt es dennoch zu Konflikten, wird Mediation aus zeitlichen und finanziellen, aber auch aus vertraulichen Gründen, bevorzugt“.

Internetportal angedacht

Um für mehr Durchblick zu sorgen, könnte darüber hinaus auch ein Internetportal entstehen, das das Mediationsangebot auf übersichtliche Art und Weise darstellt. Unter dieser Adresse „könnten alle Verbände, sektorielle Dienstleistungen und Anlaufstellen vorgestellt werden. Sie soll es dem Bürger ermöglichen, sich je nach Kategorie des Konflikts zur zuständigen Mediationsdienstleistung orientieren zu können“.

Speziell im Justizbereich sieht Braz‘ Ministerium auch „angemessene Mediationsverfahren als alternative Streitbeilegungsverfahren“ beim zu schaffenden Familienrichter und bei der Scheidungsprozedur vor. Auch bei der Aus- und Weiterbildung von Richtern und Anwälten auf Sensibilisierung zu setzen, sieht Braz als einen „prioritären Punkt“. Zukünftigen Anwälten soll künftig während den „cours complémentaires en droit luxembourgeois“ diese Alternative zu Konfliktlösungen vermittelt werden.

ZUM BEGRIFF MEDIATION: Keine aufgezwungene Lösung

Die „Association Luxembourgeoise de la Médiation et des Médiateurs Agréés“ (ALMA) definiert Mediation wie folgt: „Mediation ist ein freiwilliger, vertraulicher Prozess, in dem die Konfliktparteien, unterstützt von einem ausgebildeten und unparteilichen Mediator über ihren Konflikt und dessen Hintergründe und Folgen sprechen. Gemeinsam werden die betroffenen Menschen angeleitet, eine selbstbestimmte und konkrete Konfliktreglung auszuarbeiten.“ Die Rolle des Mediators im engeren Sinne ist es, den Beteiligten zuzuhören und sie zu ermutigen, ihre Bedürfnisse auszudrücken. „Der Mediator zwingt den Parteien keine Lösung auf.“ Stattdessen hilft er ihnen, durch eine Kommunikation eine Lösung zu finden“. QUELLE: CENTRE DE MÉDIATION