RAMBROUCH
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Steckbrief Rambrouch

13 Dörfer

Die Gemeinde Rambrouch dehnt sich auf 7.909 Hektar aus und besteht aus den Dörfern Arsdorf, Bigonville, Bilsdorf, Eschette, Folschette, Haut-Martelange, Holtz, Hostert, Koetschette, Perlé, Rambrouch, Rombach-Martelange und Wolwelange. 4.284 Bürger leben in der Gemeinde, 2011 waren es noch 3.898. Bürgermeister ist Toni Rodesch (CSV), Schöffen Nicolas Rasqué (Fräi Lëscht) und Marie-Anne Thommes (CSV). Die CSV hat vier Mandate im Rat, die Fräi Lëscht ebenfalls, die LSAP zwei und die DP eins.

Schon vor den Kommunalwahlen vom 8. Oktober steht fest: Es wird sich politisch etwas ändern in der Proporzgemeinde Rambrouch im Westen des Landes. Der Grund: Die „Fräi Lëscht“, die derzeit vier Mandate im elfköpfigen Gemeinderat zählt und mit der CSV koaliert, tritt nicht mehr an. Doch einige ihrer Mandatsträger kandidieren auf Listen einiger Parteien. Auch bei der DP. Was sie sich von den Wahlen erhofft und wie sie Rambrouch gestalten möchte, haben wir mit DP-Rat Guy Wanderscheid besprochen, der seit 2015 dem Gemeinderat angehört.

Herr Wanderscheid, zuletzt machte Rambrouch Schlagzeilen mit der Streichung einer gesetzten LSAP-Kandidatin aus dem Personenregister der Gemeinde durch den CSV-Bürgermeister. Die LSAP will nun juristisch dagegen vorgehen. Was sagen Sie zu diesem Vorfall?

GUY WANDERSCHEID Ich gehe davon aus, dass das Gericht das dann klärt und will das nicht weiter kommentieren. Es ist aber augenscheinlich, dass es heftige Spannungen zwischen CSV und LSAP gibt. Und im Besonderen zwischen dem Bürgermeister und einigen LSAP-Exponenten. In meinen Augen bringt so etwas die Gemeinde nicht weiter. Wir sollten uns vielmehr objektiv mit den Problemen befassen, die sie hat.

Welche Probleme wären das?

WANDERSCHEID Abwasser, Verkehr, Wohnungsbau und Wirtschaftsdynamisierung, um diese mal zu nennen. Rambrouch hat viel zu lange gezögert, um seine Kläranlagen zu erneuern. Zwischenzeitlich ist der Prozess im Gange, aber die Ausgaben für die Erneuerung tauchen erst im diesjährigen Budget auf. Es ist kein Pappenstiel, denn es werden etwa fünf Millionen Euro über fünf Jahre für die notwendige Erneuerung verwendet.

Wir möchten gerne wissen, wie genau das die Gemeindefinanzen belastet. Wir möchten auch wissen, welchen Impakt genau die Gemeindefinanzreform auf die Kommune hat. Hier fehlt es jedenfalls an Transparenz. Sollten wir in die Verantwortung kommen, werden wir das beheben. Und wir werden auch zusehen, dass die Bürger besser informiert werden. Diese Einbindung der Bürger wollen wir außerdem früh fördern: mit der Einsetzung eines Kindergemeinderats.

Was schlagen Sie zur Verbesserung der Mobilität vor?

WANDERSCHEID Wir finden es sehr wichtig, dass der gemeindeinterne Transport verbessert wird. Auch wenn die RGTR-Verbindungen im allgemeinen klappen, ist es an Wochenenden und Feiertagen trotzdem schwierig, die verschiedenen Ortschaften per Bus zu erreichen. 

Wir dürfen nicht vergessen, dass Rambrouch eine der flächenmäßig größten Gemeinden im Land ist mit großen Distanzen zwischen den Ortschaften. Uns schwebt vor, einen kommunalen Transport zu organisieren, der eben auch an Wochenenden und Feiertagen verfügbar wäre und auch nachts, wenn Feste in der Gemeinde sind.

Ich denke, das würde auch zur besseren Kohäsion unter den Bürgern beitragen. In punkto Mobilität ist uns auch die Verkehrsberuhigung ein Anliegen und die bessere Vernetzung der Rad- und Fußwege, die außerdem absolut sicher sein müssen für die Nutzer.

A propos Radeln und Wandern. Was muss getan werden, um das Freizeitangebot zu verbessern?

WANDERSCHEID Rambrouch braucht unbedingt einen modernen Sportkomplex. Die vorhandene Struktur bei der Schule in Koetschette ist unangepasst für verschiedene Sportarten und außerdem können kaum Zuschauer darin Platz nehmen.

Braucht Rambrouch auch mehr Schulen und „Maisons Relais“?

WANDERSCHEID Da sind wir momentan recht gut bedient, und die DP hat die Projekte für Anpassungen des Angebots in den letzten Jahren auch mit unterstützt. Allerdings wurden die bestehenden Infrastrukturen schon mehrmals vergrößert. Wir möchten jetzt schon darüber diskutieren, wie das Angebot an Schulklassen und Betreuungsplätzen in Zukunft aussehen soll.

Gibt es ein Konzept, wie die Gemeinde wachsen will?

WANDERSCHEID Im Juli ging mit dem neuen allgemeinen Bebauungsplan ein Schlüsseldokument dafür auf den Instanzenweg. Der PAG geht davon aus, dass die Gemeinde in den kommenden 15 Jahren 2.000 Einwohner mehr bekommen wird. Es ist schade, dass die Prozedur nicht mehr vor den Gemeindewahlen abgeschlossen werden konnte.

Mit den Einwänden der Bürger wird sich die kommende Schöffenmannschaft befassen müssen. Wir möchten den neuen PAG auf jeden Fall als Grundlage dafür nützen, eine Diskussion mit den Bürgern anzustoßen, wie sie ihre Gemeinde in der Zukunft sehen.

Viel hängt dabei natürlich davon ab, wie sich Rambrouch wirtschaftlich entwickelt…

WANDERSCHEID In der Tat. Wir sind der Meinung, dass da noch mehr drin ist. Wir haben einen regen Handel in Martelingen-Rombach, der natürlich auch mit dem Betrieb an den Tankstellen zusammenhängt. Wir haben auch eine regionale Industriezone, die noch Entwicklungspotenzial hat.

Die DP unterstützt die Ausdehnung der Aktivitäten dort, wir wollen aber auch dafür sorgen, dass es mehr Geschäfte in den verschiedenen Ortschaften unserer Gemeinde gibt, die darüber hinaus viel touristisches Potenzial bietet.

Wir setzen uns für einen Masterplan auf lange Sicht ein - mit einem Horizont von 15 bis 20 Jahren -, der rausfinden muss, wie groß genau dieses Potenzial ist und was wir tun können, um es besser zu nutzen. Die Schiefergruben in Martelingen sind ein „Hotspot“, aber es gibt auch eine Menge anderer attraktiver Orte in unserer Gemeinde, die ein erhebliches Naturpatrimonium hat.

A propos Naturschutz und Nutzung erneuerbarer Energien: Was will die DP hier 
bewegen?

WANDERSCHEID Rambrouch ist Klimapaktgemeinde, hat aber noch einiges zu tun, um alle Kriterien zu erfüllen. Wir sehen noch Potenzial bei der energetischen Sanierung von Häusern, die auch die Gemeinde noch starker unterstützen kann. Übrigens hinkt die Sanierung der öffentlichen Gebäude hinterher. Wir haben ein Solarkataster, das wir besser nutzen sollten. Wir setzen uns auch für eine zentral gelegenes, modernes Recyclingcenter ein.

Verfügt Rambrouch über genügend erschwinglichen Wohnraum?

WANDERSCHEID Gibt es je genügend davon? Nein im Ernst: Wir haben vorhin das voraussichtliche Wachstum der Kommune angesprochen und brauchen natürlich mehr Wohnraum.

Es gilt, diesen ordentlich zu planen, auch unter sozialen Gesichtspunkten. Unserer Meinung nach gibt es in Rambrouch einige Grundstücke in Gemeindehand, die sich für sozialen Wohnungsbau eignen würden. Wir setzen uns für sozialen Wohnungsbau ein. Wir werden aber auch neue Wohnformen fördern und angepasste Wohnungen für unser älteren Mitbürger.