LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Guy Arendt fragt nach Begrenzung von Wildschäden - Jagdgesetz verbietet Nachtjagden

Niemand war und ist so glücklich über den massenhaften Maisanbau der konventionellen Landwirtschaft wie die gemeine mitteleuropäische Wildsau. Seit den 1980ern ist die Population dieser cleveren Tiere explosionsartig gewachsen. Zu gut sind die Lebensbedingungen die ihnen die moderne Umwelt bietet. Wildschäden, die die Landwirte gegenüber den Jagdpächtern geltend machen, sind in den letzten Jahrzehnten im gleichen Maß mit angestiegen. Was tun? heißt die Frage.

Damit und mit den Umständen der Jagd und der Reduzierung der Sauen-Population beschäftigt sich eine detaillierte parlamentarische Anfrage des liberalen Abgeordneten Guy Arendt an Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi Gréng).

Arendt verweist zunächst darauf, dass in der Verordnung für das 2015 beginnende Jagdjahr die Nachtjagd auf Wildschweine verboten ist, gleichzeitig seien die Sauen Ursache massiver Wildschäden in Land- und Forstwirtschaft. Da die Tiere aber nachtaktiv sind, sollten den Jägern ausreichende Gelegenheit zur Jagd gegeben werden.

Konkret wollte Ahrendt von der Umweltministerin Auskunft über die Entwicklung der Wildschweinpopulation, wissen ob schon ein Abschussplan für Sauen im neuen Jagdjahr vorliegt, wie sich die Wildschäden entwickelt haben, ob die Ministerin gewillt sei die Nachtjagd auf Sauen zuzulassen und falls nicht, welche Maßnahmen sie gegen das Anwachsen der Population anwenden will.

Klare Regeln

In ihrer umfassenden Antwort konnte die Ministerin sowohl mit konkreten Zahlen als auch mit klaren Regeln des Jagdgesetzes dienen.

Dieschbourg verweist zunächst auf die dramatische Vermehrung der Wildschweine seit den 1980ern, der Höhepunkt sei im Jagdjahr 2008/2009 mit 7.000 Abschüssen erreicht worden, seitdem sei die Zahl der erlegten Sauen dabei zu sinken. Zwischen 1947 und 1984 sind nie mehr als 1.000 Wildschweine pro Jagdjahr erlegt worden, oft deutlich weniger

Der aktuelle Abschussplan sieht aufgrund der Wildschäden für den Zeitraum vom 1. April 2013 bis zum 31. März 2015 eine massive Reduktion der Sauen-Population vor. In dieser Zeit sollten 13.470 Wildschweine geschossen werden. Die Jäger haben aber, anstelle der anvisierten 6.700 Stück im ersten Jahr, nur 3.388 Schweine erlegt. Die Umweltministerin führt es darauf zurück, dass die Population im strengen Winter 2012/2013 auf natürlichem Wege dezimiert wurde.

Es sei kaum möglich, dass die Jäger in der verbleibenden Zeit die vorgegebene Quote von weiteren 10.000 Abschüssen realisieren konnten oder können.

Rückgang der registrierten Wildschäden

Die Wildschäden sind, nach den vorliegenden Zahlen, so die Einschränkung der Ministerin, nicht gestiegen sondern gesunken. Sie erinnert aber daran, dass das Entschädigungssystem 2007 geändert wurde und dass das Ministerium bzw. die Forstverwaltung nur noch die Meldungen über Entschädigungen an Landwirte erhält, die den Jagdpächtern ersetzt werden.

Nach den vorliegenden Zahlen hat 2012 ein knappes Drittel der Jagdreviere (198) überhaupt keine Wildschäden gemeldet, ein weiteres gutes Drittel (226 Reviere) tolerable Wildschäden, bei 182 weiteren Revieren hätten sich die Schäden auf rund 3,40 Euro pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche belaufen.

Dieschbourg stellt klar fest, dass es zurzeit keinen Beleg dafür gibt, dass die Wildschäden ansteigen. Ebenso knapp ist ihre Aussage zur Nachtjagd, das Jagdgesetz von 2011 verbiete die Jagd nach Ablauf der ersten Stunde nach Sonnenuntergang bis zum Beginn der ersten Stunde vor Sonnenaufgang. Das Gesetz sieht keine Möglichkeit vor, eine Nachtjagd zu erlauben. Auch die Jägerföderation FSHCL habe sich aus Sicherheitsgründen dagegen ausgesprochen.

Zur Eindämmung der Sauen-Population trägt laut Ministerin ein Verbot der Wildfütterung, die Einführung von Mindestabschusszahlen für die Reviere und, wenn nötig, die Organisation von Staatsjagden. Die Forstverwaltung regt einen Austausch zwischen Jagdpächtern und Land- und Forstwirten an, um Wege zur Vermeidung von Wildschäden zu finden.