MALBERG/EIFEL
VANESSA BAUNACH

Das Prunkstück von Malberg ist ein lebendiger Ort, an dem sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft treffen

Erhaben thront Schloss Malberg über dem Kylltal. Dieser Anblick bei der Anfahrt bringt mich zum Träumen. Welche Schätze birgt das Schloss? Welche Geschichte prägt es? Wird es die üblichen Filzpantoffeln geben? Der Weg in den Schlosshof führt unter anderem durch einen Torbogen mit steinerner Fratze und vorbei an einem schönen Garten mit Eisentor. Als ich vor dem prachtvollen sogenannten Neuen Haus stehe, stören einzig ein Getränkewagen, ein PKW und zwei faltbare Pavillons das Bild. Rechts schließt sich ein Arkadenbau an und hinter mir steht ein einfaches, aber großes Gebäude.

Frau Renate Kappes, ehemalige stellvertretende Vorsitzende des 1996 gegründeten Fördervereins Schloss Malberg e.V., führt über das Gelände. Die Geschichte dieses Ortes beginnt im Mittelalter, erste urkundliche Erwähnung 1008. Hier standen damals zwei Burgen, die Ober- und die Unterburg. Durch diese verlief die Grenze zwischen Luxemburg und Trier, die Oberburg gehörte zu Luxemburg, die Unterburg zu Trier. Im Laufe der Zeit hatten die Burgen wechselnde Edelherren, die schließlich Ober- und Unterburg überbauten.

Im 17. Jahrhundert erwarb Cornelius von Veyder (~1575-1634) die Anlage in schlechtem Zustand. Sein Enkel Johann Werner von Veyder (1657-1723) wurde Weihbischof in Köln und ließ das Gebäude im Renaissancestil, das am Ort der ehemaligen Oberburg errichtet wurde, ab 1708 von dem venezianischen Architekten Matteo Alberti zu einem vornehmen Herrensitz im Barockstil umbauen. Der weitere Ausbau und die Ausstattung wurden vom Sohn seines Vetters Franz Moritz von Veyder-Malberg (1699-1764) vollendet. Er engagierte dafür die besten Baumeister und Künstler der Zeit, die sich gerade in Trier befanden. Desweiteren erbaute Franz-Moritz 1749 eine neue Eisenhütte an der Kyll unterhalb von Schloss Malberg. Dadurch explodierte die Einwohnerzahl des Ortes und die Familie genoss hohes Ansehen und beachtlichen Wohlstand.

Die Französische Revolution und die nachfolgende französische Besetzung beendeten die Feudalzeit. Dank einer bürgerlichen, vorteilhaften Heirat konnten die längst reparaturbedürftigen Gebäude im 19. Jahrhundert wieder instand gesetzt werden. Die Besitzer öffneten ab den 1920er Jahren ihr Anwesen für Gäste. Das Schloss wurde zu einer Hotelpension umfunktioniert mit Zimmern im Arkadenbau - dort, wo früher das Heu lagerte, über der darunter liegenden Wagenremise. Im Laufe der Zeit traten wieder solche Schäden an der Bausubstanz auf, dass der letzte Schlossbesitzer sich nicht mehr in der Lage sah, die kostspielige Restaurierung durchzuführen. 1989 erwarb die Verbandsgemeinde Kyllburg (heuteVG Bitburger Land) das Schloss.

Krimi-Dinner im Märchenschloss

Frau Kappes führt durch Hofeingang und Flur in den Gartensalon. In diesem recht großen Raum fallen vor allem die goldenen Wandbespannungen auf. Sie wurden in Lyon hergestellt. Etwa in der Mitte des Raumes steht ein dunkler, verzierter Tisch, an der rechten Wand sind viele moderne Stühle aufgereiht. „Ist heute eine Veranstaltung geplant?“ frage ich. „Ja, heute Abend wird hier ein Krimi-Dinner veranstaltet“, antwortet Frau Kappes. „Die sind sehr beliebt.“

Die Außentür der Fensterfront öffnet den Weg zum Runden Garten. Man steht auf einer Terrasse, die durch eine elegant geschwungene Freitreppe eine Verbindung mit dem halbkreisförmigen Garten herstellt. Man hat darüber hinaus einen herrlichen Blick auf die Landschaft der Waldeifel. Nahezu 360 Grad freie Sicht auf die Natur, das ist besonders. Fast majestätisch ist auch der Anblick der Schlossrückseite vom Ende des Gartens aus, ein Brunnen mit Familienwappen vervollständigt das Bild. „Hier kommen oft Brautpaare her, um Hochzeitsfotos zu machen“, erwähnt Frau Kappes. In einem der anschließenden Räume wurden unter anderem Stehtische untergebracht, direkt an der Wand mit dem Gemälde „Bärenhatz“ von oder nach Frans Snyders (1579 - 1657). In einem weiteren Zimmer fällt eine große dunkle Kaminplatte aus der ehemaligen örtlichen Eisenhütte auf. Es zeigt zentral das Wappen von Franz Moritz von Veyder und seiner Gemahlin Therese von Neufforge aus dem Jahr 1752. Dieses auch Takenplatte genannte Relikt war damals dazu gedacht, die rückseitig in der Küche erzeugte Feuerwärme über das Metall in diesen Raum abzugeben.

Flügel und Kunstwerke anstelle von Originalmöbeln

Über die original erhaltene Steintreppe geht es zur Beletage. Im Salon des Hauptgeschosses, dem sogenannten Landschaftszimmer, staune ich nicht nur über die kunstvollen Wandteppiche, sondern auch über den davor stehenden Flügel. „Morgen findet hier ein Konzert statt, der Flügel ist gerade erst gestimmt worden“, sagt Frau Kappes, meinem Blick folgend. Das Besondere der acht großformatigen Wandbehänge ist ihre Bemalung. Anstelle von gewebten Tapisserien findet man strukturierte Leinwandtapeten vor, die mit Leim- oder Wasserfarben gobelinartig bemalt wurden. Sie stammen aus der Manufaktur des Frankfurter Malers Johann Andreas Nothnagel (1729-1804), in der auch Goethe schon viel Zeit verbrachte. Da heutzutage kaum noch Werke aus der Manufaktur erhalten sind, gelten die Malberger Bespannungen als Rarität. Die Motive zeigen ländliche Jagd- und Genreszenen.

Im Kaiserzimmer, das damals wohl als Schlafzimmer gedient hat, ist meine Aufmerksamkeit ebenfalls geteilt. Zum einen hat hier eine Künstlerin ihre Werke ausgestellt. Zum anderen bewundere ich die mit einem Habsburger Doppeladler geschmückte Decke und das Kaminrelief mit dem schlangenwürgenden Herkulesknaben. In den weiteren Räumen befinden sich ein paar Stücke der damaligen Inneneinrichtung, die im Gegensatz zu den zahlreichen anderen Möbeln im für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen zweiten Stock bereits restauriert sind.

Außerhalb des Neuen Hauses, gleich neben dem letzten Toreingang, befindet sich die Schlosskapelle, zu der wir nun gehen. Währenddessen hält ein Fahrzeug im Hof, ein Brautpaar und ein Fotograf steigen aus. „Die sind wohl nach der Hochzeit heute Morgen nochmal für Fotos zurückgekommen“ meint Frau Kappes beiläufig. Der Gartensalon wird nämlich auch als Trauzimmer genutzt, erfahre ich.

Von einer Empore aus hat man einen guten Blick auf das Kapelleninnere. Erneut bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick. Auf Teppichen in der Mitte hat man moderne Tische und Stühle gruppiert. Drumherum stehen entlang der Außenwände zehn Rokoko-Figuren von Adam Ferdinand Tietz (1708-1777), die ursprünglich auf der Terrasse ihren Platz hatten und somit der Witterung ausgesetzt waren. Sie stellen den wertvollsten Kunstbesitz des Schlosses dar. In der restaurierten Schlosskapelle, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Pfarrkirche von Malberg diente, ist zur Zeit das Café Palladio untergebracht.

Zum Abschluss bewundere ich den Eisernen Garten im Eingangsbereich der Schlossauffahrt, der, wegen seines filigranen Tores so bezeichnet, mit Kräutern und Staudenbepflanzungen der um 1900 überlieferten Doppelfunktion als Nutz- und Zieranlage wiederhergestellt worden ist. In diesem Barockgarten im französischen Stil werden immer wieder „Gartentage“ veranstaltet, verweist Frau Kappes, die nächsten seien im Mai. Ich erfahre außerdem, dass über das ganze Jahr vom Förderverein Konzerte, Lesungen, Workshops, Vorträge, Filmabende, Ausstellungen und sogar ein Weihnachtsmarkt angeboten werden.

Vor der Schlossführung glaubte ich, dass man auf dem Gelände ausnahmsweise eine Feier veranstaltet. Doch der Ausnahmezustand ist hier Programm. In diesem Anwesen betrachtet man nicht passiv den Glanz vergangener Zeiten, sondern gestaltet aktiv das Andenken mit, und macht so aus der Not eine Tugend. Ich bin sicher, Familie von Veyder wäre stolz auf die Bürger von Malberg.

Führungen, Veranstaltungen, Informationen über das Schloss und zur Raummiete, außerdem mehr über den Förderverein und den Stand der Sanierungen unter www.schloss-malberg.de - facebook: @SchlossMalberg