GRASSE
CATHERINE NOYER

Christian Dior erwarb 1951 das Château de la Colle Noire in der Provence, um Parfums zu kreieren

Grasse-Rosen, Jasmin Grandiflorum, Mimose, Tuberose, Orangenblüte – In Grasse regen allein schon die Namen bestimmter Blumen die Sinne zu einem duftenden Bouquet an. Der Ort, in dem bereits die Römer Station machten, ist geprägt von Wasser und außergewöhnlichen Blumen, die seit über dreihundert Jahren die Geschichte zwischen den Alpen und dem Mittelmeer unter der Sonne der Provence bestimmen.
Bereits im 14 Jahrhundert hatten sich hier Färbereien angesiedelt. Der Anbau von Parfümpflanzen datiert auf das 17. Jahrhundert zurück, als parfümierte Handschuhe in Mode waren und entwickelte sich im nachfolgenden Jahrhundert weiter.
Der Kalk-Lehm-Boden und ein Mikroklima mit milden Wintern sowie heißen und feuchten Sommern waren prädestiniert für den Anbau von Blumen. Allerdings sind diese Extremzonen nur auf einige hundert Hektar beschränkt. Außerhalb dieser Zone können sich die Blumen kaum entfalten. 
Bis in die 1940er Jahre wurden dort rund 5.000 Tonnen Blumen produziert, während es in den Jahren um 2000 nur einige hundert waren. Dank der großen Parfümhäuser und einiger passionierter Blumenzüchter, die das über Generationen weitervermittelte Familienwissen aufrecht erhalten haben, kann dieser in der Welt einzigartige Anbau fortgeführt werden.

Glühwürmchen und grüner Jasmin

1951 hatte Christian Dior das Schloss de la Colle Noire in Montauroux bei Grasse erworben. Hier, in dieser Oase der Stille wollte der Couturier seinen Traum als Parfümeur verwirklichen. 1954 kreierte er Miss Dior „an einem Abend in der Provence, umgeben von Glühwürmchen und grünem Jasmin als Antwort auf die Melodie der Nacht“, wie er schrieb.
Der Parfümeur François Demachy, der seit 2006 die Düfte des Hauses Dior kreiert, qualifiziert den Jasmin und die Mairose aus Grasse als außergewöhnliche Duftlieferanten, die von keiner anderen Blume übertroffen werden können.
Dior bezieht die Blumen von den Feldern des „Domaine de Manon“ und des „Clos de Caillan“. Carole Biancalana, die den Familienbetrieb „Domaine de Manon“ in vierter Generation leitet, führt den Anbau und die Ernte strikt nach den traditionellen Regeln durch. Eine Begegnung mit François Demachy hat zur Wiederaufnahme der Traditionen beigetragen.
„Ich habe mich dazu entschlossen, außergewöhnliche Blumen anzubauen, da ich darin Meisterin sein wollte“, erläutert Armelle Janody vom „Clos du Caillan“. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht 20.000 Stöcke der Rose de Grasse zu pflanzen. Die Rosen müssen genau an dem Tag, an dem sich die Blüte öffnet, gepflückt werden, da sie sonst nicht für die Parfümherstellung verwendet werden können.
Die gesamte Ernte der beiden Blumenfarmen – Rose de Grasse im Mai und  Jasmin Grandiflorum von Juli bis Oktober - ist für Dior bestimmt. Alle Blumen werden von Hand gepflückt und umgehend im Parfümlabor „Les Fontaines Parfumées“ in Grasse zu hochkonzentrierten Absolus verarbeitet.