LUXEMBURG
PW/BK

Vor 30 Jahren starb Salvador Dalí - Universalkünstler, unübertroffener Selbstdarsteller und ein besonderer Liebling der Kunstfälscher

Angeblich war der feingezwirbelte Schnurrbart noch intakt, als man seinen Besitzer exhumierte. Das lebenslange Markenzeichen von Salvador DalÍ überdauerte also auch seinen Tod am 23. Januar 1989. Der – milde gesagt – exzentrische Universalkünstler, dessen Werke spätestens in den 1970ern und 1980ern als kulturelles Allgemeingut als Poster oder Kunstdruck in den Wohnungen des jungen Bildungsbürgertums hingen, ist auch 30 Jahre nach seinem Tod als Person immer noch populär. Gerade in seiner Heimatstadt Figueres in Katalonien brummen die Besucherzahlen im Museum und in DalÍs ehemaligem Privathaus. Aber ist er auf dem Kunstmarkt noch relevant? Insbesondere im Bereich Druckgrafik stellt sich die Frage nach echten und falschen DalÍs, wobei noch zu klären ist, was in diesem Falle „echt“ bedeutet. Und dann ist da noch die schräge – geradezu „dalieske“ - Geschichte seiner Exhumierung. Hier folgt ein unvollständiger Blick auf sein Leben in Schlagworten.

Lëtzebuerger Journal

 Dalí und die Frauen - Gala 

Anders als es sich sein Studienfreund Garcia Lorca gewünscht hatte, stand Dalí auf Frauen oder gab sich asexuell. Die Frau seines Lebens wurde eine Exilrussin, „Gala“ Jelena Dmitrijewna Djakonowa (1894 – 1982), zehn Jahre älter als er und von doppeltem Segen für ihn. Zum einen war sie seine Muse, die er porträtierte und vor allem variierte, vor allem hatte sie aber das Talent das Rundum-Talent Dalí zu vermarkten, sie wurde, dass was heute eine Managerin ist. Wobei der Großbürgersohn sowieso niemals eine zeitweise (Picasso) oder lebenslange (Van Gogh) Hungerphase durchschreiten musste. Gala brachte zwei Dinge unter einen Hut: Liebe und Geld, um dessen Bedeutung Dalí stärker als andere Zeitgenossen wusste. Obwohl in den letzten Lebensjahren mehr oder weniger getrennt, erschütterte ihr Tod Dalí so sehr, dass er zeitweise die Nahrung verweigerte, was zu bleibenden Schäden führte. (PW)

Dalí und die Frauen - Amanda Lear 

In den 1970ern und 1980ern war sie ungeheuer populär - die androgyne Popsängerin Amanda Lear. Was heute keinen Menschen mehr ernsthaft interessiert, ob Lear nun Männlein oder Weiblein oder transsexuell war, beschäftigte damals die Gazetten. Direkt danach kam die Nähe zu Salvador Dalí, dessen Assistentin oder Altersmuse sie für mehr als ein Jahrzehnt war, anfangs gehörte sie zu einem bunten Haufen von Dalí-Jüngern. Dalí gab ihr Malunterricht und kokettierte – aus Marketinggründen - mit der ungeklärten Geschlechtsidentität der Sängerin. Amanda Lear fasste die Zeit mit dem Malerfürsten in einem Buch „Meine 15 Jahre mit Dalí“ zusammen. Sie hat heute selbst einen Ruf als gute Malerin. (PW)

Dalí und die Politik 

Natürlich war er als junger Mann links, was bei der Mitgliedschaft in der Gruppe der Surrealisten unbedingt dazu gehörte. Er verweigerte sich jeder Festlegung, er sei – sinngemäß - weder Stalinist noch Hitlerist. Aufgrund der ewigen Debatten stieg er formal bei den Surrealisten aus, wobei er – der Kassenmagnet – immer noch gemeinsam mit ihnen ausstellte. Als der spanische Bürgerkrieg ausbrach, verließ er Spanien. Wohl weniger aus ideologischen Gründen als aus Sorge um seine Sicherheit. Zeitweise lebte er in Italien, das Franco unterstütze, dann ging er in die USA, wo er ausgesprochen erfolgreiche Jahre verbrachte. Kriegsereignisse veranlassten ihn, genauso wie Picasso, zu dramatischen Bildern. 1948 kehrte er in das franquistische Spanien zurück. Der spanische Staat hatte auch kein Problem damit, 1970 sein Museum im ehemaligen Stadttheater von Figueres mitzufinanzieren. Nicht nur sein Leben in Spanien, sondern auch seine Verbundenheit mit Arno Breker – dem Lieblingsbildhauer Adolf Hitlers – sorgte bei der linken Kunstszene für Stirnrunzeln. Breker schuf übrigens eine der bekanntesten Büsten von Dalí. Nach dem Ende der Diktatur wurde Dalí 1982 von König Juan Carlos in den Adelsstand erhoben. Sein gesamtes Vermögen vermachte der kinderlose Dalí dem spanischen Staat. (PW)

Dalí – keine Ruhe in Frieden 

Ähnlich wie bei anderen Prominenten meldete sich nach dem Tod Dalís eine vermeintliche Tochter, die Anspruch auf Vaterschaft und Erbe erhob und gegen Spanien klagte. Die 1956 geborene Frau berief sich auf Aussagen ihrer Mutter über eine Beziehung zu Dalí und deren Behauptung, er sei ihr Vater gewesen. Schließlich wurde Dalí 2017, 28 Jahre nach seinem Tod, aus seinem Grab in der Krypta des Dalí-Museums in Figueres exhumiert. Der Schnurrbart war noch unversehrt. Die DNA-Untersuchung ergab, dass Dalí nicht der Vater der Klägerin war. (PW)

Dalí und die wundersame Bildervermehrung 

Dass es Dalí zeitlebens ums Geld ging, ist kein Geheimnis. Bis 1980 verkauften sich seine Druckgrafiken wie warme Semmeln. Der international anerkannte New Yorker Dalí Experte Alfred Field zählt 1.700 echte, authentische grafische Werke von Dalí. Die renommierte Kunstdatenbank „artprice.com“ verzeichnet aktuell allein 22.643 grafische Werke von Dalí, die zum Verkauf stehen.

Die Originale entstanden vor 1980, danach war der Maler schwer von Parkinson-Krankheit gezeichnet. Schon kurz danach tauchten die ersten Fälschungen auf, es war gewissermaßen ein Potpourri:

• neue Grafiken, die Dalí nie gemacht hatte;

• Grafiken nach Gemälden oder Zeichnungen von Dalí;

• Umfangreiche Editionen mit gefälschten Dalí-Signaturen;

• Neuauflagen oder Faksimiles mit gefälschten Signaturen;

• gefälschte Kopien von echten Grafiken

Für einige Editionen hatten die Verleger mit Salvador Dalí einen Vertrag geschlossen, der ihnen erlaubte, eine zusätzliche unlimitierte Edition zu produzieren. Diese Extended Editions waren von der ersten limitierten Auflage klar durch eine Signatur in der Platte zu unterscheiden. Laut Alfred Field hat Dalí niemals unlimitierte Auflagen signiert. Allerdings trug Dalí selbst zum Wildwuchs bei, indem er tausende Leerblätter signiert hatte. (BK)

„Kleine“ Dalís - Großes Geld

Ein Weg, eine Dalí Fälschung zu erkennen, ist das Papier. 1980 hat Dalís Papierlieferant das Wasserzeichen geändert. Zum Herstellerschriftzug kommt eine liegende Acht, das Zeichen für unendlich. Hat das Bild eine Signatur, ist es falsch. Nach 1980 hat Dalí keine Blätter mehr signiert. Weltweit werden bei Kunstauktionen 30 Milliarden Euro umgesetzt, so Kunstexperten des Landeskriminalamtes Stuttgart. Fälscher arbeiten marktorientiert. Im Moment verkaufen sich Chagalls, Picassos und Dalís gut. Es sind nicht die großen Werke, wie ein Dalí-Gemälde von 1945 „Benvenuto Cellini und Jupiter“, das für 180.000€ in einer Auktion verkauft wurde, sondern die tausendfach kopierten Blätter für 2.500 Euro, der Preis für eine gute Dalí Kopie. Mit 300 verkauften Kopien lassen sich so 750.000 Euro erzielen. (BK)