LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Neuer Zeuge und widersprüchliche Aussagen im Prozess um zwei Morde

Vor der Kriminalkammer Luxemburg ist am Mittwoch der Prozess um die Morde am „Schléiwenhaff“ und am „Fraiheetsbaam“ fortgesetzt worden. Die Verteidigung des Angeklagten Lee K. hatte beantragt, einen neuen Zeugen zu hören. Nicht ganz freiwillig, denn auch das Gericht hatte ihn vorgeladen. Der 24 Jahre alte Mann war am Dienstag von einer Zeugin schwer belastet worden. Der Mann habe ihr gesagt, Lee K. hätte nichts mit der Tat zu tun und dass es einen Dritten in dieser Sache geben würde. Daraus könnte man ableiten, dass diese Informationen dazu bestimmt waren, den Angeklagten zu schützen und er deswegen die Geschichte so erzählt hat.

Vor Gericht meinte der Mann er habe „gar nichts gesagt“. Dass er die Frau bedroht habe, stimme nicht. Allerdings, sagte er „Dat war de richtege Wee vun der Fra fir op d’Police ze goen.“ Die Vorsitzende Richterin meinte nur „Halt op mat Braddelen a Sabbelen. Ich glaube Ihnen nicht. Die Frau hat sich das doch nicht zusammengereimt.“

Danach hatte der Angeklagte Alden S. das Wort. Die beiden Angeklagten, die einen Nigerianer aus Habgier ermordet haben sollen, beschuldigen sich weiter gegenseitig.

Warum er am 10. November 2016 Lee K. um 8.55 angerufen habe, beantwortete S. mit einem Hinweis auf einen Zeitungsartikel. Durch den Artikel hätte er vom Mord erfahren. „Das kann doch nicht sein“, sagte die Richterin. Erst um 8.20 habe ein Förster die Leiche gefunden.

Alden S. wiederholte gestern, dass Lee K. den Dealer von hinten in den Kopf geschossen habe. Lee K. hätte noch gesagt „This is my brother. This is my brother.“ Bis zu seiner Aussage habe er mit niemandem über seine Mitwisserschaft gesprochen. „Ich schwöre Ihnen, dass ich nicht geschossen habe“, sagte Alden S. vor Gericht, dass Lee K. ihm eine Waffe aufgezwungen habe, würde stimmen.

Fragen über Fragen haben sich nach dem Mord gestellt, einige sind bis heute nicht beantwortet. „Warum blieben sie mit Lee K. nach dem Mord in Kontakt“, wollte die Richterin wissen. „Weil ich Angst hatte, dass Lee K. es mir noch in die Schuhe schieben würde.“ Und weiter: „Ich habe gewusst, dass ich den Mund halten sollte. Ich hatte Angst, lebenslänglich in den Knast gehen zu müssen für etwas, das ich nicht begangen habe. Ich habe ihn nicht erschossen. Ich wollte, dass K. sich der Polizei stellt.“ K. habe ihn bedroht, er habe Angst gehabt, darum sei er nicht bei der Polizei vorstellig geworden.

Der Angeklagte erklärte „Ich habe weder geschossen, noch irgendjemand etwas entwendet, ich habe nichts gemacht. Ich habe 2014 für Lee K. gearbeitet. Allerdings nicht regelmäßig, vielleicht zehn Mal. Für mich war er der Chef.“

„Sie haben am 9. November 2016 versucht an Lee K. zu kommen. Den Polizisten haben sie erzählt, dass Lee K. sie am 9. November angerufen hat. Doch das stimmt nicht, sie haben K. angerufen. Genau siebzehn Mal“, sagte die Richterin.

Staatsanwalt David Lentz stellte dem Angeklagten eine Reihe von Fragen, auf die S. immer eine Antwort bereit hatte. „Warum haben Sie Lee K. nach dem Mord so oft angerufen?“ Alden S. beteuerte, dass er für seinen Cousin K. eine Arbeit haben wollte und mit Lee K. darüber reden wollte.

„Warum Alden S. und Lee K. beim Drogenkauf kein Geld dabei hatten, wäre doch zumindest komisch“, sagte David Lentz. Kredit käme in diesem Milieu nicht in Frage, meinte die Richterin. Von zwei Waffen die im Auto lagen, hätte er gewusst, allerdings seien die nicht geladen gewesen. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte er genau das Gegenteil behauptet. Nämlich, dass er alle Waffen in der schwarzen Tasche überprüft habe, sagte die Richterin. „Ich habe den Eindruck, dass sie ganz genau überlegt haben, was sie hier aussagen sollten“ sagte die Richterin. „Ich habe zu keinem Moment gehört, dass eine Waffe hinten geladen wurde“, sagte S.

„Wenn die Waffe geladen war, würde das darauf hinweisen, dass die Tat geplant war“ meinte der Staatsanwalt. Lee K. habe ihn „in die Scheiße geritten“, meinte Alden S.

Der Prozess wird heute fortgesetzt