LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

„Baueren-Allianz“: Emissionen in der Landwirtschaft sind Folge einer notwendigen Lebensmittelproduktion - stärkere Einbindung gefordert

Die „Baueren-Allianz“ mahnt angesichts der Pläne der Regierung zur Reduzierung des CO2-Emissionsausstoßes zu „vernünftigen, in der Praxis umsetzbaren“ Maßnahmen. Die Landwirtschaft sei auch in der Zukunft weiter dazu bereit, Verantwortung zu übernehmen. Doch müsse man in den Diskussionen darüber, wer für wie viele Emissionen zuständig ist, auch bedenken, dass die Landwirtschaft unsere Lebensmittel produziert, sagte der Präsident der „Baueren-Allianz“, Camille Schroeder gestern beim traditionellen Neujahrsempfang in Anwesenheit von Staatsminister Xavier Bettel (DP), Landwirtschaftsminister Romain Schneider (LSAP), Umwelt- und Klimaministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) und dem für den Öffentlichen Dienst zuständigen Minister Marc Hansen (DP).

Die „Baueren-Allianz“, die sich als repräsentative Organisation des Agrarsektors sieht, bedauert dann auch, „nicht ausreichend“ in die Ausarbeitung des nationalen Klima- und Energieplans eingebunden worden zu sein. Das hofft die Organisation, die 2018 ihren 30. Geburtstag feierte, allerdings schon bald nachzuholen und bei den zuständigen Ministern vorstellig zu werden, um ihre Position darzulegen. Überhaupt müsse der Sektor in allen Diskussionen, bei denen es „um seine Existenz geht“, von Anfang an eingebunden werden, sagte Schroeder vor einem vollen Satz im Cercle Cité in Anwesenheit etlicher Abgeordneter.

Entwicklung der Biolandwirtschaftmarktabhängig

Rund zehn Prozent der Emissionen entfallen auf die Landwirtschaft. Laut Synthesedokument des integierten nationalen Klima- und Energieplans sollen eine Strategie zur Reduzierung von Methanemissionen, die Verringerung von Stickstoffdüngung auf Acker- und Grünland sowie 20 Prozent Biolandwirtschaft bis 2025 zum Ziel der Regierung beitragen, die Emission von Treibhausgasen insgesamt binnen zehn Jahren um 55 Prozent zu verringern.

Die von der Regierung beabsichtige Förderung der Biolandwirtschaft sprach Schroeder ebenfalls an. Die biologische Landwirtschaft wachse „nur so schnell wie der Markt, der diese Produkte konsumieren muss“. In fünf Jahren ist die Anzahl der Bio-Betriebe von 120 auf 134 (2018) gestiegen. Das sind 4,4 Prozent der Unternehmen in der Landwirtschaft.

Schroeder verwies ferner auf den Erfolg freiwilliger Umweltprogramme. Er nannte die Landschaftspflegeprämie oder das Programm zum freiwilligen Glyphosatverzicht, dem sich 564 von 823 Betrieben angeschlossen hätten. Die verbleibenden Unternehmen würden sich auch schon noch anschließen. Der „Allianz“-Vorsitzende äußerte sich auch grundlegend skeptisch über die Klima-Ambitionen von Blau-Grün-Rot. Solange der Onlinehandel und der daran gekoppelte Warenversand florieren oder der Flugverkehr weiter zunimmt, könnten Emissionen nicht zurückgefahren werden.

„Der Bioaktionsplan ist jetzt fertig“

Minister Schneider kündigte derweil an, dass der Aktionsplan für Bio-Landwirtschaft nun fertig sei und jetzt in eine erste Konsultierung gehen wird, gefolgt von einer breiteren zweiten, bevor der Regierungsrat ihn annehmen wird. Mit Blick auf die Klimaschutzbestrebungen der Regierung wies Schneider darauf hin, dass der nationale Klimaplan in Konsultierungen über die kommenden Woche konkretisiert werden muss. Er sei vom Interesse des Agrarsektors überzeugt, weil die Landwirtschaft die Auswirkungen des Klimawandels unmittelbar zu spüren bekommt.

Premierminister Xavier Bettel würdigte die „Baueren-Allianz“ als konstruktiven Partner. Die Landwirtschaft gehöre zu jenen, die bereit seien, Anstrengungen zugunsten des Klimas zu machen. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, dass die Regierung zur Förderung der Biolandwirtschaft vor allem auf Anreize setzen will. Die Nachfrage nach Bioprodukten sei jedenfalls da.

Wirtschaftliche Lage hat sich 2018verbessert

Die Lage im Landwirtschaftssektor hat sich indes 2018 verbessert, mit stabilem Ausblick für 2019. Die Preise für Milch, Fleisch und Getreide seien in den vergangenen Jahren im Durchschnitt stabil geblieben. Im Vergleich zu den „Krisenjahren“ 2015 und 2016, vor allem im Milchsektor, ist demnach eine deutliche Einkommenssteigerung festzustellen, so Schroeder. Der allerdings auch betonte, dass ohne diesen Aufschwung „der Sektor heute ruiniert wäre“. Der Weinbau habe 2018 gar ein „hervorragendes Jahr“ erlebt, so Schroeder, seit mehr als 30 Jahren Präsident der „Allianz“. Die „Baueren-Allianz“ versteht sich nicht als „Gewerkschaft, sondern als Interessenvertretung der Landwirtschaft. Sie vertritt ein Viertel der gesamten Landwirte. Schroeder betonte gestern, dass anders als im Ausland aufgrund der Preise für landwirtschaftliche Produkte, strengeren Umweltauflagen sowie „die ganze Diskussion rund um das Klima“ der Sektor „nicht auf der Straße“ gegangen sei. Stattdessen hätten die Bauernverbände eine gemeinsame Position ausgearbeitet.