LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Nach wahrer Geschichte: „Angelo“ wird zurzeit im „Filmland“ in Kehlen gedreht

Der Österreicher Markus Schleinzer ist als Schauspieler und Casting-Direktor bekannt. Mit seiner ersten Regiearbeit „Michael“ schaffte er es 2011 in den offiziellen Wettbewerb in Cannes. Weil die luxemburgische Produktionsfirma Amour Fou eine Filiale in Wien hat, sind Koproduktionen mit österreichischen Produzenten eine normale Sache für Bady Minck und Alexander Dumreicher-Ivanceanu.

Als 2016 „Egon Schiele“ von Dieter Berner mit der Wiener Produktionsfirma Novotny & Novotny entstand, wurden weitere Zusammenarbeiten nicht ausgeschlossen. Beide Firmen finanzieren nun den zweiten Film von Schleinzer „Angelo“. Seit dem 27. Februar wird im Großherzogtum gedreht. Momentan werden Innenaufnahmen im „Filmland“ in Kehlen gemacht. Am Mittwoch war die Presse eingeladen worden, um sich über den Film zu informieren.

Apartes Ambiente

Marcus Schleinzer wollte, dass sein Film in passenden Dekors zum 18. Jahrhundert gedreht wird, jener Epoche, in der die Geschichte von Angelo spielt: einem afrikanischen Jungen, der entführt und als Sklave nach Europa verkauft wurde. Er gelangte nach Wien, wo er dem Kaiser Josef II. als Gesellschafter diente. Im Studio wurde ein Raum nachgebaut, in dem keine billigen Kopien von echten Gemälden aus dem 13. Jahrhundert hängen, sondern echte Gemälde aus dieser Zeit. Auch wurden die Mauern des Zimmers, in dem während des Pressetermins ein Konzert gefilmt wurde, nicht einfach schwarz angemalt, sondern um des Effektes Willen abgebrannt. Und die Kostüme sind alle handgenäht.

Regisseur Schleinzer erzählte, dass er das Drehbuch in Prosaform geschrieben hatte, so wie einen Roman. Natürlich meinten verschiedene Produzenten, dies sei kein gängiges Drehbuch und winkten ab.

„Aber so versteht man meine Absichten und die Details der Geschichte besser, als in der üblichen Form, in der Drehbücher verfasst werden“, erklärte der Regisseur. Der Film basiert auf der wahren Geschichte von Angelo Soliman. Die Anfänge seines Lebens sind nicht bekannt, was Schleinzer freien Lauf für seine Fantasie ließ. Erst als der erwachsene Angelo verschiedenen Fürsten in Österreich diente, wurde sein Leben dokumentiert.

Diese Schauspielerin muss es sein

Schleinzer wollte unbedingt die italienische Schauspielerin Alba Rohrwacher für die Hauptrolle der Gräfin haben. Er war von ihren Filmen angetan, und so schickte er ihr das Drehbuch. Nicht nur die Geschichte gefiel der Italienerin sehr gut, sondern auch die Rolle. Von Luxemburg kennt sie nur den Flughafen, auf dem sie 2008 ein erstes Mal landete, als sie zu Gast beim italienischen Filmfestival in Villerupt war. Erst der Aufenthalt für diese Dreharbeiten in Luxemburg erlaubten ihr, etwas mehr vom Land kennenzulernen.

Drei verschiedene Jungen spielen Angelo in den einzelnen im Film gezeigten Stationen seines Lebens. Den erwachsenen Angelo spielt Makita Samba, den jugendlichen Ryan Nzogang und sein Bruder Kenny ist Angelo als Kind.

Die luxemburgischen Schauspieler Larisa Faber, Olivier Baume, Pierre Brody, Anne Klein, Gérard Klamm und Nilton Martins spielen Nebenrollen. In den Reihen der Techniker arbeiten unter anderem Daniel Texter als Regieassistent, Pia Dumont als Cutterin und Philippe Kohn als Toningenieur.

Die Fans müssen sich noch etwas gedulden: Es wird jedoch noch ein Jahr dauern, ehe „Angelo“ in die Kinos kommen wird.