LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Wie ein Golden Retriever die Bewohner einer Seniorenresidenz auf Trab hält

Sie sind die Stars an diesem Nachmittag in der Seniorenresidenz „Op der Waassertrap“ in Sanem: der Labrador Lions, und die beiden Golden Retriever Exi und Mozart ziehen alle Blicke auf sich. Und zaubern jedesmal ein Lächeln auf die Gesichter der Einwohner der Residenz, die ihren hellen Pelz kraulen dürfen. „Wat bass du e schéinen“, begeistert sich eine Seniorin im Rollstuhl, die sich etwas bückt, um Mozarts Kopf zu umarmen. Der dreijährige Golden Retriever ist seit Mai 2018 „Op der Waassertrap“ im Einsatz.

Sein Auftreten ist ein „Highlight“ im Alltag der Residenzbewohner, für die er ein erheblicher Motivationsfaktor zur Bewegung und zur Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten ist. Mozart wohnt bei seiner Bezugsperson Laura, die sich die Einsätze „Op der Waassertrap“ mit Emilie teilt.

Wie der „chien d’assistance sociale“ eingesetzt wird und welche Aufgaben er und seine Bezugspersonen zu erfüllen haben, ist klar in einer Konvention geregelt, ebenso wie die Aufteilung der Kosten für Futter und Veterinärkosten sowie Fortbildungen.

Bis zu 50 Kommandos

Denn sowohl die Tiere als auch die Betreuer lernen ständig dazu, regelmäßig gibt es Trainings mit Hundeexperten, die in der Regel bei Handi’Chiens in Frankreich stattfinden, eine Vereinigung, die die Hunde auch ausbildet und der sie auch nach der Ausbildung weiter gehören.

„Die Ausbildung dauert zwei Jahre, knapp 18 Monate davon verbringen die Tiere in einer Aufnahmefamilie“, erklärt Nelly Nash, die seit etwa 15 Jahren mit Assistenzhunden arbeitet. Nach einer Krankheit hat die ehemalige Buchhalterin und Firmenchefin entschieden, etwas anderes im Leben zu machen.

Seither sucht sie Aufnahmefamilien für Assistenzhunde. Nelly nahm auch selbst welche auf. „Es hat mir das Herz gebrochen“, erinnert sich Nash an das erste Mal, als sie das Tier wieder abgeben musste.

Heute ist die Sekretärin und Mitgründerin der Vereinigung ASA, die Gelder zur Finanzierung von Assistenzhunden sammelt, ehrenamtlich mit ihren beiden Lieblingen Lions und Exi unterwegs, meist in Alters- und Pflegeheimen. Auch wenn Labradors und Golden Retriever wegen ihrer angenehmen Kopfform, ihrer Gutmütigkeit und ihrer Zuverlässigkeit - „sie werden so gut wie nie grantig“, sagt Nelly Nash - die idealen Assistenzhunde sind, ist längst nicht jedes Tier für eine solche Aufgabe geeignet, die übrigens sehr vielfältig sein kann.

Wie nicht jeder Mensch für jeden Beruf geeignet ist, ist es auch bei Hunden Charaktersache, ob sie als Assistenzhunde geeignet sind.

Hohe Toleranzschwelle

Das merkt man schon bei Welpen, deren Toleranzgrenze Handi‘Chiens dadurch testet, dass ihnen in die Schwimmhäute zwischen ihren Zehen gekniffen wird. Nichts Schlimmes. Aber wenn sich der Hund bei diesem Test ruhig verhält, könnte er später zu einem Assistenzhund werden.

„Die Toleranzschwelle muss hoch liegen“, erklärt Nelly Nash, „denn die Tiere können später mit Epileptikern arbeiten oder mit behinderten Menschen, die auch mal stark zupacken können“. Da darf der Hund natürlich nicht strampeln oder gar beißen. Aber Experten beobachten auch, wie sich der Welpe mit Menschen verhält sowie in unvorhergesehenen Situationen.

Während seiner Ausbildung in der Aufnahmefamilie - letztere muss übrigens bereit sein, alle zwei Wochen einen Ausbildungskurs zu besuchen -, in die der Welpe etwa im Alter von zwei Jahren kommt, lernt das Tier nach und nach Kommandos. Bis zu 50 verschiedene können die klugen Hunde unterscheiden, die nach der Grundausbildung wieder in eine der vier „Schulen“ zu Handi‘Chiens geschickt werden. Die Organisation kümmert sich dann darum, die Tiere zu vermitteln, wo sie gebraucht werden. Sie wohnen in der Regel bei einer Referenzperson. Übrigens: in einem Tierheim landen die Hunde nie, dafür sorgt Handi‘Chiens.

Die Arbeit des Hundes, für den das Ganze ein Spiel ist, wird ebenso genau dokumentiert, wie dessen Aus- und Weiterbildung. Letztere sind kostspielig, im Durchschnitt kosten Assistenzhunde etwa 17.000 Euro bis sie fit sind, um mit Menschen mit spezifischen Bedürfnissen zu arbeiten. Die Liebe und Geduld, die Aufnahmefamilien und ihre späteren Referenzpersonen in das Tier investieren, sind natürlich unbezahlbar. Auch das ehrenamtliche Engagement wie das von Nelly Nash ist nicht in Euros aufzuwiegen. Und schon gar nicht die Freude und Entspannung, die ein Assistenzhund Menschen bringen kann.

Wer helfen möchte, damit bedürftige Personen in Luxemburg einen Assistenzhund erhalten, findet Informationen hier: www.asa-asbl.com