ESCH/ BELVAL
CORDELIA CHATON

Mit dem „Global Ventures Summit“ kommt das Silicon Valley erstmals nach Luxemburg

Ein Hauch von Hollywood herrschte gestern unter den Hochöfen von Belval, denn in der Universität wurde erstmals der „Global Ventures Summit“ abgehalten. Bei diesem zweitägigen Event haben rund 50 Start-ups aus Luxemburg und anderen Ländern Gelegenheit, auf Venture-Capital-Vertreter und Fonds zu treffen. Insbesondere 40 Investoren aus dem Silicon Valley waren angekündigt.

„Titanic“-Star als Investor

Den bekanntesten von ihnen, Billy Zane, dürften die meisten weniger als Vertreter von Parkpine Capital kennen, sondern eher als Fiesling aus dem Hollywood-Streifen „Titanic“. Auch in „Zurück in die Zukunft“, „Twin Peaks“ oder „Charmed“ trat der Schauspieler auf, der in rund 120 Film- und Fernsehproduktionen mitwirkte. Seit einiger Zeit ist er unter die Investoren gegangen. Seine Firma Parkpine Capital mit Sitz in Los Angeles hat rund 150 Millionen Dollar investiert. Eine ihrer Geschäftseinheiten ist GVSummit, der Veranstalter der Tour. Zur Silicon-Valley-Tour geraten haben dürfte auch Ahmed Shabana, ein Ex-Start-up-Unternehmer, mit dem Zane Parkpine Capitals führt.

Der „Global Ventures Summit“ (GVS) findet das erste Mal in Europa statt, nachdem er unter anderem auf Bali und im mexikanischen Guadalajara Station gemacht hat. Die Entscheidung für Luxemburg fiel laut Insidern nicht zuletzt wegen der hohen Zahl der Start-ups vor Ort, aber auch wegen des Netzwerks rund um FinTech, wobei das „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT) besonders hervorzuheben ist. Hier logieren rund 50 Start-ups aus dem Finanzbereich. Zane selbst hatte seine ganz eigene Erklärung, warum die Wahl auf Luxemburg gefallen war: „Der Zugang, die Qualität der Stadt, die rasche Antwort der Verantwortlichen, der große Markt für Investments“, sagt er auf die Frage. Und fügt lächelnd noch „den Weihnachtsmarkt“ hinzu.

Laut den GVS-Veranstaltern wurden im vergangenen Jahr auf den Events Verträge über rund 25 Millionen Dollar abgeschlossen und Absichtserklärungen für über 250 Millionen Dollar unterschrieben. Da viele Investoren aus den USA Luxemburg nicht kennen, nutzten Finanzminister Pierre Gramegna gestern und Premier- und Digitalminister Xavier Bettel heute die Gelegenheit, Werbung für das Land zu machen. Unterstützt wurden sie dabei neben dem LHoFT und weiteren Sponsoren, auch von der „Luxembourg Private Equity and Venture Association“ (LPEA), die rund 230 Private Equity-Unternehmen und über hundert Investoren und Family Offices repräsentiert. Deren CEO Rajaa Mekour-Schneider zeigte sich sehr zufrieden: „GVS erfüllt den Auftrag perfekt, Talent und Finanzmittel zusammenzubringen“, stellte sie fest.
Europa zieht Investoren an

Die Gäste aus dem Ausland dürften von einigen Informationen überrascht gewesen sein. So verwies Gramegna auf die erst seit einigen Tagen gültige PSF-Direktive, die ein „open banking“ erlauben würde. Darüber hinaus sei Luxemburg bei der juristischen Regulierung im Datenbereich führend, was sich sehr positiv auf die Ansiedlung von Payment-Unternehmen wie Paypal oder Alipay auswirken würde, aber auch bei Rakuten oder Amazon bemerkbar mache. Auch das Anfang des Jahres modernisierte Gesetz zu Blockchain sei ebenfalls ein Erfolg. Der Finanzminister verstand es schon zu Beginn seiner Ausführungen, die Zuhörer mit einer Geste zum Schmunzeln zu bringen. Er entfernte seine Krawatte unter dem Hinweis, dass er sich jetzt auf den Silicon-Valley-Style einstellen werde. Dann verwies er auf die Vorteile Europas: Zugang zu 500 Millionen Kunden, qualifizierten Arbeitskräften, Bildungstätten sowie angemessener Regulierung, die mittlerweile weltweit Standards setzt. „Wir sind stolz, dass das Silicon Valley nach Europa kommt“, sagt er - und machte doch klar, dass Europa im allgemeinen und Luxemburg im Besonderen sehr viel für Investoren zu bieten habe.

Gesuchte Einhörner

Europa wird für Risikokapitalinvestoren immer interessanter. War der Europäische Investment Fonds (EIF), eine Tochter der Europäischen Investitionsbank (EIB), früher oft der größte Investor mit viel kleineren Beträgen, liegt sie heute mit rund 1,5 Milliarden Euro Investment bei zehn bis 15 Prozent des Marktes, wie David Dana, Leiter der VC Investments bei der EIF, erklärte. „Es kommen Investoren aus den USA und China her, um in Unternehmen zu investieren, die früher Einhörner und jetzt Drachen heißen“, berichtete er. Unter Einhörner versteht man Start-ups, deren Marktbewertung vor einem Börsengang oder einem Exit bei über einer Milliarde US-Dollar liegt. Beispiele dafür sind Uber, Airbnb oder Pinterest. Laut Dana locken auch heute Zuwächse von teils über 300 Prozent. „Um zur Spitze zu gehören, sind schon über 40 Prozent notwendig“, sagte er und unterstrich, dass 2018 sechs der acht größten IPOs aus Europa stammten, unter anderem Spotify.

Ein Unternehmen, das solche Hoffnungen weckt, ist VNX Exchange, das im LHoFT beheimatet ist. Gründer Alexander Tkachenko stellt die Plattform vor, die Fonds eine kombinierte Investition in Start-ups erlaubt. Mit einer Glockenzeremonie leitete der koreanische Botschafter In-Kyu Park den Start der Plattform und das erste Angebot von drei Millionen Euro ein . An der Börse wird die Glocke geläutet, wenn ein neues Unternehmen kommt. Der koreanische Botschafter war da, weil Streami, ein koreanisches Blockchain-Unternehmen, VNX unterstützt.

Wer von den rund 500 Besuchern jetzt investieren wollte, konnte sich auf einer Sonderausstellung direkt mit den Start-ups unterhalten. Vor Ort waren unter anderem Satispay, Cyberian mine, Anote Music, Apla, Collisio, Travely, Emailtree, Conio, Waterworld oder Blauhill, um nur einige zu nennen.

www.gvsummit.co