LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Finanzhilfe für Master-Studenten: Europäischer Investitionsfonds und Uni mit innovativem Abkommen

Doppelte Premiere gestern in der „Maison du Savoir“ der Uni in Belval: Zum einen startet im Rahmen eines Abkommens zwischen Europäischem Investitionsfonds (EIF) und Uni Luxemburg ein neues Darlehensmodell für Master-Studenten, zum anderen ist es überhaupt das erste Mal, dass der EIF, dessen Hauptmission es ist, kleinen und mittleren Unternehmen in Europa den Zugang zu Finanzmitteln zu erleichtern, ein Abkommen mit einer Universität abschließt.

„Wir schreiben heute ein wenig europäische Geschichte“, unterstrich der Präsident des „Conseil de Gouvernance“ der Uni, Yves Elsen, bei einer Pressekonferenz.

Das mit fünf Millionen Euro versehene Pilotprogramm soll über mehrere Jahre rund 300 Master-Studenten (40 werden es zu Anfang sein) aus einem der „Erasmus+“-Länder erleichtern, ein Studium an der Uni Luxemburg aufzunehmen. „Erasmus+“ ist das mit über 300.000 Teilnehmern größte Mobilitätsprogramm für Studenten in der EU.

Einschreibegebühren und Wohnheimmieteum zwei Jahre verschieben

Dazu gehört auch eine vom EIF verwaltete Bürgschaftsfazilität für „Erasmus+“-Darlehen (in Höhe von maximal 12.000 Euro pro Jahr oder 18.000 Euro über zwei Jahre), die derzeit für mobile Master-Studierende in allen 33 Programmländern über Banken in Spanien, Frankreich, Großbritannien, der Türkei und nun auch in Luxemburg verfügbar sind.

Das Pilotprojekt an der Uni Luxemburg wird es Studenten erlauben, die Zahlung der Einschreibegebühren und Wohnheimmiete um zwei Jahre zu verschieben. Dabei verlangt die Uni keine Sicherheiten oder Drittgarantien, die Rückzahlung kann über mehrere Jahre gestreckt werden, zu sehr günstigen Bedingungen.

Konkret übernimmt die Uni also die Vorfinanzierung dieser Kosten, es fließt kein Geld von der Uni zum Studenten. Zur Absicherung des Systems stehen als Gelder aus dem „Erasmus+“-Budget zur Verfügung, das um die zwei Milliarden Euro jährlich beträgt. „Die Rückzahlung der Schulden der Staaten der Eurozone beziffert sich auf rund 200 Milliarden Euro“, setzte Martine Reicherts, die Generaldirektorin der Direktion Bildung, Jugend, Sport und Kultur der EU-Kommission die Zahl ins Verhältnis und unterstrich die Wichtigkeit des Erasmus-Systems, das übrigens in diesem Jahr sein 30jähriges Jubiläum feiert.

Kompetenzen verbessern, Horizonte erweitern

„Die Master-Studenten sind die Unternehmer von Morgen“, sagte Roger Havenith, der beigeordnete Generaldirektor des Europäischen Investitionsfonds, „es gilt, ihnen die Verbesserung ihrer Kompetenzen zu ermöglichen sowie die Erweiterung ihrer Horizonte“. Das neue Programm sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Auf Nachfrage sagte Uni-Rektor Rainer Klump, dass er sich durchaus vorstellen könne, dass auch Bachelor- oder Doktorat-Studenten in den Genuss der Garantie kommen könnten. Nun wird sie aber zunächst bei den Master-Studenten getestet.

Wer mehr darüber wissen will: www.uni.lu/students/students_and_money