LUXEMBURG
LJ

LUAM: Auch an der Miami University sind Studenten aus Luxemburg aktiv

Studieren in Übersee? Auch 2019 ist das immer noch eine eher ungewöhnliche Herausforderung. Schließlich lässt man meist Freunde und Familie zurück. Für viele ist es deshalb wichtig, vor Ort neue Freundschaften zu knüpfen - meist über Studentenvereinigungen. Dass es auch in den USA solche Clubs gibt, liegt nicht fern - dass es aber auch luxemburgische Studentenvereinigungen gibt, zeigen die „Luxembourgish students at Miami“ (LUAM).

Sie sind seit diesem Dezember Mitglied des Dachverbandes ACEL und kümmern sich um die Studenten an der Miami University - und damit nicht der Universität von Miami, Florida, wie viele wohl eher meinen. „Ein typischer Fehler“, meint LUAM-Präsidentin Claudia Zaunz lachend. Sie studiert Englische Literatur- und Sprachwissenschaften an der Miami University seit dem Wintersemester 2018. Vielmehr geht es um die Universität, die in Oxford, Ohio liegt. „Ich erkläre immer: Es liegt bei Chicago, Columbus, Cleveland und Cincinatti“, sagt sie.

Bewusste Entscheidung

Dabei hat die Miami University eigentlich tief verwurzelte Verbindungen ins Großherzogtum. Die Universität hat gar einen Campus in Differdingen. „Die Miami University hat eine lange Tradition mit Luxemburg, es gibt spezielle Stipendien für luxemburgische Bürger, regelmäßig gibt es Studentenaustausch in beide Richtungen“, weiß Zaunz.

Diese langjährige Verbindung sei denn auch einer der Gründe, warum sich Studenten - darunter auch Zaunz - ganz bewusst für ein Studium in Oxford, Ohio, entscheiden. „Ich habe die Möglichkeit des Stipendiums ergriffen“; erklärt sie. Außerdem gibt es weitere Vorteile: „Es gibt das LuxCafé - quasi ein Stück Luxemburg, aber eben da drüben“. Und: „Luxemburg ist an der Uni damit auch keine totale Unbekannte“, meint Zaunz. „Die Menschen wissen zumindest, wo Luxemburg liegt - das macht es einfacher als in anderen Ländern oder Unis.“ Für Amerikaner sei die Vorstellung nämlich ziemlich seltsam, jemandem erklären zu müssen, wo man genau herkommt.

In erster Linie ist die Studentenvereinigung ein gutes Mittel, um Kontakt zu halten und Freundschaften zu pflegen. „Dadurch, dass in den USA praktisch jeder einen anderen Stundenplan hat, ist es sonst sehr schwer, gemeinsam Zeit zu finden“, meint Zaunz.

Vor Ort kümmern sich die Mitglieder der LUAM aber auch um die bessere Information für Austauschstudenten, die nach Luxemburg kommen wollen. „Das geht dann über die typischen Infos zum Studienort hinaus und informiert beispielsweise darüber, was sie in Luxemburg an kulturellen Besichtigungen oder Ausflügen absolvieren können“, erklärt die Präsidentin. „Da machen wir quasi direkt Werbung für das Großherzogtum.“ Jahr um Jahr kommen so ein paar hundert Amerikaner im Austauschprogramm nach Luxemburg zum Studium. Deshalb wurde die Vereinigung inzwischen auch in den offiziellen Zirkel der Studentenorganisationen aufgenommen. Zudem bieten sie weitere Projekte wie ein luxemburgisches Dinner oder einen Filmabend mit luxemburgischen Produktionen. „Wir müssen nur sehen, wie wir das mit den Übersetzungen oder Untertiteln anstellen“, schmunzelt sie. Ein bisschen färbt schon ab: „Meine Mitbewohnerin zum Beispiel liebt es, aufgeschnappte Wörter aus dem Luxemburgischen zu benutzen.“

Brot-Backen wird zur Schlüsselkompetenz

Ist das Studium in Amerika denn kein Kulturschock? „Es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Etwa damit, vor dem 21. Lebensjahr keinen Alkohol kaufen zu dürfen - das verändert den Umgang damit maßgeblich“, meint sie. Auch der Umgang mit dem Einkaufen prinzipiell sei anders. „Hier kann ich rund um die Uhr meine Lebensmittel kaufen.“ Auch wenn die Lebensmittel selbst sehr gewöhnungsbedürftig sind. Bestes Beispiel: „Das Brot ist hier absolut anders, Brötchen gibt es sowieso keine“, meint Zaunz. Stattdessen Bagels essen? Kommt nicht in die Tüte. Deshalb backt sie selbst. „Aber das Mehl ist anders“, ist Zaunz sich sicher. Immerhin: Sie hat sich bereits einen guten Ruf als Bäckerin erarbeitet.

Überhaupt sei das Essen ein Thema. „Am Campus ist es sehr unübersichtlich, es gibt quasi jeden Tag ein riesige Auswahl - da überfrisst man sich schnell. Für Menschen, die einen genauen Plan bevorzugen, ist das schwer“, meint sie. Außerdem gibt’s auch abends immer warm zu essen - „wohl auch ein Resultat der fehlenden Brotkultur.“

Umgekehrt gibt es aber keinen Schock: „Nach viereinhalb Monaten in den Staaten zu den Feiertagen nach Luxemburg zu kommen war kein Kulturschock mehr“, erklärt Zaunz. „Es haben sich zwar ein paar Dinge verändert, und ein paar Baustellen sind anders - aber Luxemburg bleibt Luxemburg.“

Alleine klar kommen

Ein Studium in den USA bedeutet aber auch: Behördengänge und reichlich Umgewöhnung. Auch an der Miami University ist das kaum anders: „Die ganzen organisatorischen Schritte, zum Beispiel Behördengänge oder der Umgang mit der Bank, der Kranken- und Sozialversicherung, waren allesamt eher komplex“, sagt Zaunz. Aber das mache eben auch unabhängig. „Das war mir sehr wichtig“, meint sie. „Ich wollte lernen, mich um mich selbst zu kümmern, allein zurecht zu kommen. Das kann ich dort auf jeden Fall besser als im nahen Ausland rund um Luxemburg.“ Alles muss somit selbst organisiert werden - auch das Studium. Wie lang das deshalb noch dauert? „Muss sich zeigen“, meint sie. „Hier wird man erst fertig, wenn es soweit ist - klare, vorgefertigte Studienpläne gibt es keine.“ Weiterer Vorteil: Kleine Klassen, sehr persönliche Seminare mit rund 20 anderen Studenten. Ein sauberer Campus, der zudem sozial verantwortlich ist - all das sei toll. Eilig braucht sie es damit ohnehin nicht zu haben

Und auch sonst sei das Studium in den USA eben ein Erlebnis. So blieb etwa die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag in Erinnerung: „Das war einfach super, aber auch auf jeden Fall ein Feuerwerk der Superlative“, meint Zaunz. Auch die Chance, Städte wie Chicago besichtigen zu können, sei besonders toll. „In Zukunft will ich meine Trips von und zurück nach Ohio auch mit Aufenthalten in großen Städten wie New York oder Boston verbinden“, erklärt sie. „Auf diese Weise habe ich auch die Chance, mal etwas anderes aus Amerika zu erleben.“