Zwar war Deutschland schneller bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zu alternativen Investmentfonds, Luxemburg hat aber nun gegenüber den wichtigen europäischen Fondsstandorten London, Dublin und Amsterdam die Nase vorn. Gestern morgen passierte der entsprechende Gesetzentwurf mit 57 Ja-Stimmen das Parlament. Es musste auch durch, denn die Direktive verpflichtet die EU-Länder zur Umsetzung bis zum 22. Juli. Ziel der Richtlinie ist die europaweite Harmonisierung des Rechtsrahmens für alternative Fonds.
Marktanteil von 15 Prozent verdoppeln
Während klassische Fonds in Aktien, Geldmarktpapiere oder verzinsliche Wertpapiere investieren, platzieren alternative Fonds Geld in andere Anlagen, zum Beispiel in privates Beteiligungskapital oder Immobilien. Derzeit verwalten solche Fonds etwa 250 Milliarden Euro Vermögen am Finanzplatz Luxemburg. Durch das neue Gesetz soll sich das verdoppeln.
Während Luxemburg bei klassischen Fonds in Europa einen Marktanteil von zirka 32 Prozent hat, sind es bei AIFM-Fonds derzeit lediglich 15 Prozent. „Das ist ein Stück Zukunft des Finanzplatzes“, kommentierte Finanzminister Luc Frieden (CSV) das Gesetz im Parlament. Luxemburg werde dadurch wettbewerbsfähiger. Die hiesige Fondsindustrie verwaltet heute mehr als 2,5 Billionen Euro und macht somit über 28% des von europäischen Fondsmanagern verwalteten Vermögens aus. Die Branche beschäftigt im Großherzogtum etwa 13.000 Personen und wirft jährlich rund eine Milliarde Euro Steuern ab.
Das neue Gesetz, das etwa 200 Artikel zählt, legt detaillierte Regeln für Fondsverwalter vor. Es schafft einen spezifischen Status für die Manager alternativer Fonds und eine neue Gesellschaftsform: Die
„société en commandite spéciale“. Eine ähnliche Struktur gibt es bereits beispielsweise in London. Sie ist äußerst erfolgreich.
Wettbewerbsfähigkeit desFinanzplatzes gestärkt
Die Vereinigung der Luxemburger Fondsindustrie begrüßte gestern umgehend den neuen Rechtsrahmen. „Nachdem der legislative Prozess nun abgeschlossen ist, ist die regulierte Luxemburger Industrie der alternativen Investmentfonds bereit zum Start“, sagt ALFI-Präsident Marc Saluzzi. „Die Richtlinie treibt die Industrie der alternativen Fonds hin zu einem Modell das auf einem Kompromiss beruht: Mehr Regulierung gegen einen „Passport“. Es ist das gleiche Modell wie das UCITS-Modell das wir so gut in Luxemburg kennen. Kombiniert mit dem Umstand, dass wir bereits eine gut etablierte Industrie der „Alternativen“ haben, stärkt das Gesetz die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes indem es den Ausbau der Hedge-, Real Estate- und Private Equity-Aktivitäten erlaubt“, so der Spezialist weiter. Luxemburg ist bereits führend im grenzüberschreitenden Vertrieb von Fondsprodukten.


