LUXEMBURG
BODO BOST

Der Beschluss zur Verlegung der amerikanischen Botschaft in Israel nach Jerusalem passt in ein Jahr voller Gedenktage und Jubiläen in Israel

Das Jahr 2017 war ein symbolträchtiges Jahr in Israel. Im Juni feierte man den 50. Jahrestag des Sechstagekrieges und der Wiedervereinigung der Stadt Jerusalem. Von 1948 bis 1967 hatte der Ostteil von Jerusalem zum Haschemitischen Königreich Jordanien gehört. Während der Zugehörigkeit Ost-Jerusalems zu Jordanien hatte die Stadt nur einen minderen Rang, obwohl Al Quds wie Jerusalem auf Arabisch heißt, als drittheiligste Stadt des Islams gilt, stand Jerusalem weit hinter der Hauptstadt Amman auf Platz zwei im Haschemitenreich. Im November gedachte man des 100. Jahrestages der „Balfour Declaration“ mit dem Versprechen des britischen Außenministers Balfour eine jüdische Heimstätte in Palästina zu unterstützen. Diese Erklärung erfolgte als Jerusalem offiziell noch Teil des Osmanischen Reiches war. Unter der 400 Jahre dauernden Herrschaft der türkischen Osmanen, war die Stellung Jerusalems vollkommen unbedeutend.

In osmanischer Zeit war die drittheiligste Stadt des Islam nur eine von an die 50 osmanischen Provinzhauptstädten von denen es allein in Palästina noch drei weitere gab. Im November 1917 haben es die Türken nicht einmal mehr in Erwägung gezogen um diese Stadt, wo sie vorher 10.000 Menschen verhungern ließen, zu kämpfen.

Hals über Kopf sind die letzten türkischen Soldaten geflüchtet, nur die deutschen Verbündeten unter dem Oberbefehl von General Erich von Falkenhayn, waren noch in der Stadt verblieben und überlegten noch ob man die Heilige Stadt verteidigen solle. Falkenhayn, der Erfinder der „Blutmühle von Verdun“, wollte die prestigeträchtige Stadt „auf die die ganz Welt mit höchsten Interesse schaut“, mit allen Mitteln verteidigen. Es war der spätere Reichskanzler Franz von Papen, Stabschef der 4. Türkischen Armee in Palästina unter General Erich von Falkenhayn, der für eine freiwillige kampflose Räumung plädierte.

Von Papen stammte aus einem westfälischen Adelsgeschlecht, seit 1905 war der praktizierende Katholik mit der Luxemburgerin Martha von Boch-Galhau (1880-1961), eine der Erbinnen der bekannten Keramikdynastie Villeroy & Boch, verheiratet. Von Papen, der 1933 Hitler als Vizekanzler zur Kanzlerschaft verhelfen sollte, überzeugte seinen Vorgesetzten, am 9. Dezember räumten die Deutschen Jerusalem und verlagerten ihr Hauptquartier nach Nazareth. Damit gingen 400 Jahre osmanischer Herrschaft zu Ende.

Der 9. Dezember war ein Feiertag für die Juden in Palästina, das Freudenlied „Hava nagila“ entstand an diesem Tag. Am 11. Dezember zog General Allenby, auf Weisung aus London zu Fuß, an der Spitze einer internationalen Truppe, die aus vier Kontinenten stammten, am Jaffator in Jerusalem ein, er erklärte: „Die Kreuzfahrer sind nach 740 Jahren zurückgekehrt“. Die Osmanische Zeit in Jerusalem hatte 1517 mit der osmanischen Eroberung Jerusalems begonnen, sie jährte sich also auch in diesem Jahr zum 500. Male.

1947 lehnten die Araber Jerusalem als UN-Sondergebiet ab

Vor 70 Jahren, im November 1947, hatte die UN einen Teilungsplan für Palästina der Vollversammlung vorgelegt. Die jüdischen Vertreter des Mandatsgebietes Palästina hatten diesem Teilungsplan zugestimmt, der zum ersten Mal ein jüdisches Gebiet in Palästina vorsah. Monatelang war in Hinterzimmern hart verhandelt und gedroht worden. Die arabischen Staaten wollten die Teilung des Landes und vor allem ein jüdisches Gebiet verhindern. Am 29. November 1947 beschloss die Vollversammlung der Vereinten Nationen den vorgelegten Plan zur Neugliederung des Gebietes.

Die Resolution 181 bestimmte die Teilung in einen arabischen Teil Palästinas und einen jüdischen Teil sowie Jerusalem als Sondergebiet („corpus separatum“) unter UN-Verwaltung. Im jüdischen Teilgebiet wurde mit Ablauf der Mandatszeit am 14. Mai 1948 der Staat Israel ausgerufen, als die Briten die Stadt verließen, mit der Hauptstadt Jerusalem. Die Israelis haben in West-Jerusalem ihre Regierungsgebäude gebaut, als sie noch von Osten aus, von der jordanischen Armee beschossen wurden.

Sollte US-Präsident Trump also in diesem Jahr noch die Botschaft seines Landes nach Jerusalem verlegen und damit die Stadt immens aufwerten, würde aus israelischer Sicht zumindest ein geschichtsträchtiges Jahr mit einem Ereignis das selbst Geschichte schreiben wird, zu Ende finden. Bodo Bost