LUXEMBURG
LJ

Die Roaming-Zusatzgebühren gehören ab sofort der Vergangenheit an

Ab dem heutigen Donnerstag ist es soweit: Die Roaming-Gebühren gehören offiziell europaweit der Vergangenheit an. Luxemburgische Kunden konnten indes schon seit Monatsanfang von dem Wegfall der Gebühren profitieren. Telefonieren kostet damit hüben wie drüben das Gleiche. Und wer einen All-Inclusive-Vertrag hat, der hat auch die Minuten im Ausland automatisch inklusive. Die neue Regelung wird als spürbare Erleichterung für die Menschen innerhalb der EU gesehen. Vor allem in Grenzregionen wie rund um Luxemburg, aber auch an anderen Orten in der EU oder während der Ferienzeit soll der Wegfall für eine bessere Lebensqualität sorgen. Damit ist der Plan von Kommissarin Viviane Reding, die Gebühren vollständig abzuschaffen, endlich geglückt.

Im Sinne der EU-Bürger

Mobilfunkanbieter hatten mehrere Jahre Zeit, sich auf den Wechsel vorzubereiten, das Stichdatum vom heutigen Donnerstag wurde zudem vor zwei Jahren festgelegt: Die Bestimmung gilt für den gesamten EU-Raum sowie Norwegen, Island und Liechtenstein und geht auf eine Entscheidung des Europaparlaments von 2015 zurück. Europaminister Stephan Toscani meint dazu: „Mit der Abschaffung der Roaming-Gebühren zeigt die EU, dass sie den Alltag der Menschen praktisch beeinflussen und verbessern kann. Besonders für die Menschen in Grenzregionen ist dies eine spürbare Entlastung und Verbesserung.“

Der Wegfall der Roaming-Gebühren sei ein entscheidender Schritt zur Schaffung eines funktionierenden digitalen Binnenmarktes, erklärt Minister Toscani. „Kommunikation über Landesgrenzen hinweg war bisher noch eine hohe Hürde in der EU. Nach deren Wegfall müssen die europäischen Institutionen aber auch die Nachhaltigkeit dieses Erfolgs sichern und die Einhaltung der Verordnung kontrollieren.“

Für Kunden ändert sich prinzipiell eigentlich nichts - sofern ihnen Mobilfunkanbieter keinen Bären aufbinden. Der Konsumentenschutz Luxemburgs rief deshalb ja bereits zur Vorsicht auf.

Für die EU-Kommission ist der Fall ebenfalls klar: „Das bringt die Menschen zusammen und macht ihnen das Leben einfacher“, schrieben der Präsident des EU-Parlaments, Antonio Tajani, Maltas Premier Joseph Muscat sowie der Präsident der Kommission Jean-Claude Juncker in einer gemeinsamen Erklärung. „Diese Änderung ist der Grundstein für einen EU-weiten gemeinsamen digitalen Binnenmarkt und ein weiterer Schritt hin zu einer gemeinsamen, nachhaltigen Digitalgesellschaft für alle Bürger“, hieß es weiter. Die deutsche Stiftung Warentest spricht ähnliche Warnungen davor aus, dass Klauseln in Verträgen eingefügt werden könnten. Es lohnt sich also, genauer hinzusehen.

Nicht jeder Anruf betroffen

Zudem sollte bedacht werden: Ein Anruf ins Ausland kostet noch immer eine ganze Menge, da diese nicht vom Gesetz betroffen sind. Das sorgt für die skurrile Situation, dass Anrufe aus einem Land heraus nach Hause zwar billiger sind, von Zuhause in dieses Land aber weiterhin bis zu einem Euro pro Minute teuer werden können. Weil das Roaming-Gesetz nicht greift, wenn der Anruf aus dem Heimatland ins Ausland getätigt wird. Dazu meinte Viviane Reding in einem Antrag, den sie schon am 27. Juli 2016 stellte. „Das ist eine inakzeptable Situation, weil im Ausland getätigte Anrufe günstiger sein können als aus dem Heimatland getätigte Anrufe. In der digitalen Welt ist für Grenzen kein Platz“, schrieb sie und schlug vor, dass sich die Kommission auch mit diesem Punkt befasse.

Es bleibt also noch das ein oder andere Schlupfloch, das es zu stopfen gilt, und Kunden sollten weiterhin vorsichtig sein. Vorsicht sollten auch Reisende in der Schweiz, Monaco oder Andorra walten lassen: Diese sind nicht offizieller Teil des Abkommens - hier ist man also darauf angewiesen, dass der Anbieter die Länder trotzdem mitrechnet, oder separat berechnet. Schlimmstenfalls könnten da Zusatzkosten entstehen, da hier das Roaming nicht aufgehoben wurde.

ZUM ROAMING-WEGFALL

Nur Zusatzkosten entfallen - Was es zu beachten gilt

Die wegfallenden Roaming-Kosten sind ein großer Schritt. „Roam like at home“, heißt das Mantra. Das heißt genau:
- Die Zusatzgebühren, die bei Telefonaten aus oder innerhalb des Auslands anfielen, gibt es künftig nicht mehr. Stattdessen wird einfach zum Normaltarif gerechnet, als sei das Telefonat im „Vertragsland“, also der Heimat, geführt worden.
- Das gilt für Anrufe ebenso wie für Kurznachrichten (SMS und MMS) und für die Internetnutzung nach Gigabyte Datenvolumen.
- Wer ein Abo mit vorgegebenen Nutzungsmengen hat, kann diese auch im Ausland nutzen. Wer also zwei Stunden lang kostenlos telefonieren darf, kann auch aus dem Ausland getätigte Anrufe automatisch davon anrechnen lassen. Zusatzkosten gibt es keine.
Dafür gilt eine Wohnsitzerfordernis - das heißt, dass Verträge und SIM-Karten nur in einem Land mit eigenem Wohnsitz gekauft und abgeschlossen werden können. Das soll verhindern, dass ein Handel mit günstigeren Tarifen und Karten (z.B. aus Estland) entsteht.
Ganz wichtig ist: Nur die Roaming-Zusatzgebühren fallen weg, die normalen Tarife zum Telefonieren werden weiterhin appliziert. Das bedeutet, dass Telefonieren ins Ausland (ein Anruf aus Luxemburg nach Deutschland etwa) nicht von den neuen Regeln betroffen ist.
Die neuen Regeln gelten für den gesamten 28 Staaten fassenden EU-Raum sowie für Norwegen, Liechtenstein und Island. Ganz Europa erwischt es damit aber nicht, denn Monaco, Andorra und die Schweiz sind nicht Teil des Abkommens.