LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Denkmalschutzvereine verlangen Entpolitisierung des amtlichen Denkmalschutzes

Wer sich mit dem Stellenwert des Denkmalschutzes in Luxemburg beschäftigt merkt schnell, dass hier vieles, wenn nicht alles im Argen liegt. Das liegt keineswegs daran, dass das dem Kulturministerium unterstellte Denkmalamt eine unfähige Behörde ist. Es liegt viel mehr daran, dass der Service des Sites et Monuments, so die offizielle Bezeichnung, eine machtlose Behörde ist. Gutachten die einem Gebäude einen Wert als historisches Bauwerk zusprechen und seine Unterschutzstellung verlangen, werden von zahlreichen Gemeinden aus ökonomischen Gründen ignoriert. Freie Bahn dem Bagger ist in Luxemburg nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall.

Der Service des Sites et Monuments ist weit entfernt von den Möglichkeiten und Rechten der Umweltverwaltung. Vier Denkmalschutzvereine haben sich jetzt zusammengetan, um endlich für ein Umdenken in Sachen Denkmalschutz und nicht zuletzt für eine andere Rechtslage zu kämpfen. Die Lampertsbierger Geschichtsfrënn, Luxembourg Patrimoine, Ettelbréck 21 und der Interessenverein Hadir Tower wollen gemeinsam den Denkmalschutz entpolitisieren. Dessen Entscheidungen sollen nicht mehr nach politisch-ökonomischen Kriterien, sondern allein aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse getroffen werden.

Vier negative Beispiele

Gestern stellten Vertreter der Verbände im Rahmen einer Pressekonferenz vier beispielhafte Gebäude der luxemburgischen Industrie- und Wirtschaftsgeschichte vor, die trotz ihres Denkmalwertes verschwunden sind oder kurz vor dem Verschwinden stehen. Das Haus der Stiftung Bourg-Gemen (Baujahr ca. 1895) in Luxemburg-Limperstberg gehörte einst den weltweit größten Rosenzüchtern, musste aber weichen - weil die Planung für den neuen Appartementkomplex zu weit fortgeschritten waren. So lautete, den Lampertsbierger Geschichtsfrënn nach, die Argumentation der Stadt Luxemburg.

Bei den Hallen der Hollericher Schmelz (gebaut ab 1877) wurden einige erhalten und unter Schutz gestellt, andere wegen angeblicher Verseuchung abgerissen. Nach Auffassung der ehrenamtlichen Denkmalpfleger sei dort ein Erhalt aller Hallen möglich gewesen, ohne eine öffentliche Nutzung oder den Bau von Wohnungen zu verhindern.

Der Bahnhof Ettelbrück könnte erhalten bleiben

Ein anderes, angesichts des historischen Wertes, dramatisches Beispiel ist der schon 1862 gebaute Ettelbrücker Bahnhof, der dem Großprojekt Ettelbrück Multimodal weichen soll. Kolportierte Gerüchte, dass das Gebäude heruntergekommen und in einem schlechten Zustand sei, sind nach Auffassung von „Ettelbréck 21“ schlicht falsch. Von den Verkehrsplanern bis zum Minister werde behauptet, der Bau könne aus technischen Gründen nicht erhalten werden, da er auf der Trasse des geplanten Straßentunnels stehe. Das sei völlig falsch, das Bahnhofsgebäude könne mit einer Betonplatte unterfangen werden, ohne den Bau des Tunnels zu beeinflussen.

Ein Trauerspiel ist auch die Debatte um den Hadir-Tower in Differdingen, der jetzt weg muss, obwohl er, in diesen Tagen 50 Jahre alt geworden, ein Denkmal für den Stahlproduktion und -bau in Differdingen ist. Außerdem könne er unproblematisch für eine andere Funktion genutzt werden.

Besonders ärgerlich ist dass die Unterschutzstellungsverfahren, oder Verfahren zur Verhinderung einer Unterschutzstellung intransparent, langwierig und für die Bürger nicht nachvollziehbar sind. Eine von der Denkmalschutzkommission erstellte Liste der landesweit erhaltenswerten Bauten ist bis heute nicht veröffentlicht. Von Bürgern eingereichte Anträge auf Unterschutzstellung würden vom Kulturministerium oft nicht einmal beantwortet. Schockierend sei auch, dass in den meisten Allgemeinen Bebauungsplänen kaum Baudenkmäler aufgeführt werden. In Mamer wird nicht ein schützenswertes Gebäude genannt.

Um den Einfluss der Politik zu beenden schlagen die Lampertsbierger Geschichtsfrënn, Lampertsbierger Geschichtsfrënn, Luxembourg Patrimoine, Ettelbréck 21 und der Interessenverein Hadir, Ettelbréck 21 und der Interessenverein Hadir eine Lösung nach dem deutschen Modell vor: Die bei den Landkreisen angesiedelten „unteren Denkmalschutzbehörden“ stellen nach objektiven Kriterien eine Liste der schützenswerten Gebäude auf, die dann auch zu Baudenkmälern erklärt werden.

Dies erklärt auch die in den Nachbarländern deutlich höhere Quote von Baudenkmälern. Während in Luxemburg nur 0,4 Prozent der Gebäude geschützte Baudenkmäler sind, sind es in den Nachbarländern zwei, fünf oder sogar sieben Prozent, konstatierte Paul Ewen, Luxembourg Patrimoine, abschließend.