LUXEMBURG
SVEN WOHL

Anhaltende Probleme, neue Wertschätzung und die Pandemie: Den Obstbauern stellen sich viele Herausforderungen und Chancen

Obst aus Luxemburg findet seine Abnehmer. Doch das bedeutet noch lange nicht, dass sich den Obstbauern im Großherzogtum optimale Bedingungen bieten. Wir führten ein Gespräch mit Jean-Claude Muller, Präsident des Luxemburger Landesobstbauvereins.

Herr Muller, wer findet sich alles beim „Lëtzebuerger Landesuebstbauveräin“ wieder?

Jean-Claude Muller Bei uns sind die konventionellen Obstbauern – wovon es ja relativ wenige gibt – Mitglied. Die meisten professionellen Obstbauern sind klassische Bauern, die den Obstbau als ein weiteres Standbein betreiben. Es gibt an und für sich in Luxemburg keinen Betrieb, der ausschließlich im Obstbau aktiv ist, außer vielleicht in Steinsel, die Obstbaugenossenschaft. Daneben haben wir viele Mitglieder, die Hobby-Obstbauern sind und zahlreiche Sympathisanten, die Mitglied sind, um unsere Zeitung zu erhalten.

Wie sieht die Situation dieses Jahr aus?

Muller Bei der Produktion muss man beim Obstbau immer ein ganzes Jahr in Betracht ziehen. Von November vergangenen Jahres an hatten wir glücklicherweise viel Niederschlag und das den ganzen Winter über, was positiv war. Wir hatten aber einen milden Winter ohne richtigen Frost, was schlecht ist. Denn wenn es nicht richtig friert, kommt die Vegetation nicht zur Ruhe. Das bedeutet, dass die Vegetation auch früh wieder anspringt. Eine frühe Blüte ist schwierig, weil immer die Gefahr eines Blütenfrosts besteht. Das kann zur Dezimierung der Ernte führen. Der Schaden hält sich dieses Jahr noch in Grenzen. Beim Kernobst sind verschiedene Apfelsorten geschädigt, was den Ertrag mindert.

Dafür hat die Ernte aber eine ganz gute Qualität. Beim Steinobst waren die Kirschen je nach Ort geschädigt. Mirabellen und Zwetschgen gibt es dafür umso mehr und in einer hohen Qualität. Bis Juni und Juli lief die Saison gar nicht so schlecht.

Bis April/Mai hatten wir eine Trockenzeit, dann gab es im Mai und Juni etwas an Niederschlägen bis sich Ende Juni das Blatt wieder wendete und seither gibt es aber wieder fast kein Wasser. Doch unter der extremen Hitze der letzten 14  Tage leiden wir. Bei den Obstbäumen hat man den Vorteil, dass sie tiefer reichen und mehr Wasser ziehen können. Trotzdem ist eine Bewässerung unumgänglich, um einen rentablen Anbau führen zu können. Dafür mangelt es allerdings an Wasser. Da stehen wir im Dialog mit den zuständigen Ministerien.

Welchen Einfluss hat die Pandemie?

Muller In den letzten 20 Jahren ist graduell ein immer stärkeres Bewusstsein für Obst aus dem lokalen Anbau entstanden. Die Corona-Krise hat dieses Bewusstsein noch einmal verstärkt. Viele wollten auch in eine kleinere Struktur einkaufen kommen. Sie wissen, dass hier nicht allzu viele Menschen sind und die Hygienemaßnahmen auch strenger umgesetzt werden. Die Distanz spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Es ist allerdings schwer einzuschätzen, wie die Situation sich weiterentwickelt. Der Höhepunkt bei den Verkäufen im Zeitraum Mai bis Juli liegt nun hinter uns. Wir müssen uns jetzt anschauen, wie der Herbst sich entwickelt.

Hat Bio-Obst an Attraktivität gewonnen?

Muller Unser Betrieb ist Partner vom Cactus, wo wir das meiste verkaufen. Wir stellen fest, dass viele eher noch bei regionalen Produkten zugreifen, als bei Bioobst. Man weiß nicht sofort, was besser ist: Importiertes Bioobst oder regionale Produkte. Bio und regional ist eine Seltenheit.

Wie hat sich der Obstanbau in den letzten Jahren entwickelt?

Muller Beim Erwerbsobstbau haben wir In den letzten 20 Jahren ein massives Wachstum erlebt, vor allem zwischen 2000 und 2015. Seitdem stagniert die Entwicklung bei der Anbaufläche. Nicht weil es an der Nachfrage fehlt. Es hapert eher an der Bereitstellung von Wasser für diese Flächen. Das ist unsere größte Herausforderung:  genug Wasser zu haben, um eine rentable Produktion garantieren zu können. Wenn ein Baum nicht genug Wasser erhält, kommt er in eine Stresssituation, was ihn anfällig für Krankheiten und Insekten macht. Was der Baum gesünder ist, desto weniger muss ich ihn zusätzliche gegen diese beiden Faktoren schützen. An der Wasserversorgung scheitern wir aktuell.

Welche möglichen Lösungsansätze bieten sich hier?

Muller Nach einem Rundtisch zum Thema mit den zuständigen Ministerien und Verantwortlichen wurde festgehalten, dass jeder Landwirt selbst Lösungen suchen muss. Das ist grundsätzlich betrachtet auch richtig. Das hilft uns allerdings nicht weiter. Trinkwasser wird aktuell meistens als Ersatz genommen, was nicht den Königsweg darstellt. Andere Lösungen gestalten sich schwierig. Brunnen bohren ist selten eine Option wegen der Wasserschutzgebiete. Es bleibt nur noch das Auffangen von Regenwasser. Um das sinnvoll betreiben zu können, braucht man genug Dachfläche. Die Situation mit den dafür nötigen Genehmigungen und Auflagen gestaltet sich ebenfalls komplex. Finanziell ist es auch ein wesentlicher Aufwand. Hier müsste der Staat ebenfalls unter die Arme greifen, denn der Betrieb kriegt das oft nicht alleine gestemmt.