LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Schwaarze Mann - Un noir parmi nous“ dokumentiert das Leben von Jacques Leurs

Als der Dokumentarfilm „Schwaarze Mann - Un noir parmi nous“ von Fränz Hausemer beim letzten „Luxemburg City Film Festival“ Premiere feierte, kannten nur sehr wenige Zuschauer Jacques Leurs, dessen Leben im Film beschrieben wird. Er kam 1910 als Sohn des Luxemburgers Charles Leurs im belgischen Kongo zur Welt. Sein Vater arbeitete in einer Kautschukfabrik. Seine Mutter war die Kongolesin Tchaussi. Im Alter von zwei Jahren brachte der Vater seinen farbigen Sohn zu seinen Eltern im Pfaffental, die ihn großzogen. Regisseur Hausemer kannte den in den 1950er und 1960er Jahren in Luxemburg recht bekannten Leurs nicht, bis er seine Witwe Léonie 2011 kennenlernte, die damals 95 Jahre alt war. Er begann seine Unterhaltungen mit der Frau zu filmen, die sich an viele Details aus ihrem gemeinsamen Leben mit Jacques erinnerte.

Vom Eisenbahner zum Politiker

Wie es dem Jacques in jungen Jahren erging, weiß niemand mehr. Anzunehmen ist aber, dass er wegen seiner Hautfarbe nicht immer anständig behandelt wurde. Jedenfalls war Jacques ein guter Schüler und wurde bei der Eisenbahn angestellt. Er war der erste Sekretär des Verwaltungsrats der 1946 neu gegründeten „Société Nationale des Chemins de Fer Luxembourgeois“, kurz CFL genannt. Er war ebenfalls Mitglied beim Landesverband (FNCTTFEL), wo ihm das Amt des Kassierers anvertraut wurde. Zudem hatte er einen Sitz im Gemeinderat der Stadt Luxemburg und war Generalsekretär des „Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois“. Er kandidierte für die Abgeordnetenwahlen von 1968, starb jedoch kurz zuvor an Diabetes.

Ein interessanter Mann

Was im Laufe des Films deutlich wird, ist dass Jacques Leurs ein äußerst intelligenter Mann war, mit einer gehörigen Portion Humor, die ihn sehr oft gegen rassistische Vorurteile schützte, und eigentlich alle davon abhielt, ihn als „schwarzen Mann“ zu sehen, sondern vielmehr als einen Luxemburger.

Allzu viel Film- oder Fotomaterial stand Regisseur Hausemer nicht zur Verfügung. Doch kann Léonie Leurs mit ihren klaren und lebendigen Erinnerungen, das Leben und den Charakter ihres Mannes bestens beschreiben, so dass es dem Zuschauer nicht langweilig wird. Ein paar Szenen, wie das Schicksal von Jacques‘ Mutter, werden in animierten Szenen nachgestellt. Die Samsa-Film-Produktion dauert nur knappe 57 Minuten, und am Ende bedauert man, diesen extrem sympathischen und warmherzigen Mann nicht selbst gekannt zu haben.