LUXEMBURG
JEFF KARIER

Interview mit Chris Corsano - Jazz Drummer aus den USA

Rock, Pop, Hip-Hop, House: Das sind wohl einige der Musikgenres die einem zuerst einfallen wenn man über Musik nachdenkt. Beim Hören von Musik versuchen die meisten das Gehörte einzuordnen, in eine Schublade zu stecken. Eben einem Genre zuzuordnen. Es gibt aber auch Musik, beziehungsweise Musiker, die absichtlich versucht den Genreschranken zu entkommen um sich entfalten zu können. Chris Corsano ist wohl solch ein Musiker, der sich in und mit seiner Musik entfalten will. Der amerikanische Jazz-Drummer, Jahrgang 1975, erzeugt mit seinem Schlagzeug ungewöhnliche und vielleicht gerade deswegen mitreißende Klänge die man nicht oft hört. Am vergangenen Sonntag machte der Jazzmusiker in Luxemburg im „Gudde Wëllen“ halt, um mit der dänischen Saxophonistin Mette Rasmussen dem luxemburgischen Publikum ungewohnt Klänge zu präsentieren.

Herr Corsano, stimmt es dass Sie selbst nie eine Musikschule besucht haben?

Chris Corsano Ja das stimmt wirklich, ich habe zwar studiert, aber das hatte nicht wirklich etwas mit meiner Musik zu tun. Ich habe als Kind, oder besser gesagt Jugendlicher, in Rock und Punk-Bands gespielt und war über die Jahre auf vielen Konzerten. Ich habe also nicht durch Kurse oder eine Schule Schlagzeug gelernt sondern eher alleine. Ich habe Sachen die ich gehört habe nachgespielt und ausprobiert und wurde nach und nach besser. Und irgendwann kam der Jazz und ich habe mich in die Energie dieser Musik verliebt, es war fast wie eine Offenbarung.

In all den Jahren, in denen Sie nun auf der Bühne stehen: Was war für Sie die einprägsamste Erfahrung als Musiker?

Corsano Das kann ich nicht so einfach beantworten. Das Musikspielen an sich, auf der Bühne vor den und für die Menschen, das alleine ist eine Erfahrung, die unglaublich Spaß macht und überwältigend sein kann und das immer und überall. Alleine die Kommunikation zwischen einem selbst und den anderen Musikern auf der Bühne, aber auch mit dem Publikum, kann ein intensives Erlebnis sein. Ich habe über die Jahre mit vielen tollen Musiker spielen dürfen und mir ist aufgefallen, dass man, wenn man mit jemandem gemeinsam Musik spielt, man so unglaublich viel über die Person lernt. Und jede Person ist anders.

Spielen Sie eigentlich lieber auf der Bühne eines kleinen Clubs oder in einem Konzertsaal?

Corsano Ich bevorzuge kleine Bühnen in Jazzclubs und Bars. Auf so einer Bühne zu spielen fühlt sich für mich direkter an, intimer und außerdem bin ich der Meinung, dass meine Musik auf einer kleinen Bühne, bei der das Publikum nahe dran ist, besser funktioniert, da sie so, ohne dass die Musik über eine Anlage laufen muss, mit all ihren kleinen Detail zu hören und zu begreifen ist. Denn für mich machen die vielen kleinen Details meiner Musik sie erst zu dem was sie ist.

Was denken Sie als Jazzschlagzeuger eigentlich von dem orcarprämierten Film „Whiplash“, der sich um einen jungen Jazz-Schlagzeuger dreht?

Corsano Ich habe den Film bisher noch nicht gesehen. Habe aber auf Facebook viel über den Film gelesen und jeder Schlagzeuger schien zu dem Zeitpunkt eine Meinung über den Film zu haben, was nicht verwunderlich ist, da es im um einen Jazzschlagzeuger geht. Darunter waren auch viele kritische Stimmen, die meinten, dass der Film nicht authentisch sei in Bezug auf das Training als Schlagzeuger. Allerdings hat jeder Musiker einen anderen Weg zu gehen, einen anderen Werdegang, und das ist ja auch wichtig, da wir sonst alle gleich klingen würden. Ich selbst habe mehr oder weniger bewusst einen Bogen um Musikschulen gemacht, da ich mir die Techniken selbst aneignen wollte, damit der Sound mein eigener wird. Aber ich werde versuchen mir „Whiplash“ demnächst mal anzuschauen, was allerdings schwierig sein wird, da ich zurzeit viele auf Tour bin.

Wie ist das Leben auf Tour für Sie?

Corsano Es kann entweder das Tollste oder das Schlimmste sein. Besonders wenn man wie ich innerhalb der nächsten Wochen nahezu jeden Abend einen Auftritt hat. Alleine das Reisen kann anstrengend sein, vor allem wenn man nicht genügend Schlaf bekommt. Und wenn man sich erstmal eine Erkältung eingefangen hat, können die nächsten Tage echt brutal werden. Zwar bekomme ich auf der Bühne immer einen Adrenalinschub, der mich für die nächsten Minuten vergessen lässt dass ich krank bin, aber nach dem Konzert bist du dann umso kaputter. Was auch passieren kann ist, dass ich Blasen an den Händen bekomme oder mich an den Händen verletze. Dann ein Konzert zu spielen kann eine echte Herausforderung sein. Wenn aber auf Tour alles glatt läuft , fühlt es sich wie ein Privileg an, und es ist eine wahre Freude.

Und was vermissen Sie am meisten wenn Sie auf Tour sind?

Corsano Ganz klar meine Frau. Mit ihr Zuhause Zeit verbringen zu können ist mir wichtig. Mein Leben mit ihr und mein Leben auf Tour ergänzen sich. Ich mag es unterwegs zu sein, Leute kennen zu lernen, alte Bekannte wieder zu treffen. Das Leben auf Tour ist aber auf jeden Fall nichts für jeden und für mich ist das Leben zuhause mit meiner Frau das optimale Gegenstück zu meinem Leben auf Tour.