ZOLWER
GAST. SPECK

„Eis Epicerie“ von „Ecosol asbl“ kämpft gegen soziale Ausgrenzung

Immer mehr Menschen leben in Armut oder an der Armutsgrenze und müssen mit Arbeitslosen- beziehungsweise Sozialgeld auskommen. Die asbl „Ecosol - Sanem“ ist dabei, den Quartier-Shop „Eis Epicerie“ in dem früheren Feuerwehrbau in der Rue du Knapp in Zolwer einzurichten. Der Verkauf der Waren wird überwiegend von zuvor arbeitslosen Menschen übernommen. Sie finden somit eine Beschäftigung und können sich ferner für einen späteren Job qualifizieren. Das „Lëtzebuerger Journal“ wollte Näheres über das von Myriam Cecchetti und José Piscitelli initiierte Projekt erfahren und traf sich mit den beiden zu einem Gespräch in den für „Eis Epicerie“ geplanten Räumlichkeiten am „Place de l’Indépendance“ in Zolwer.

Das Ziel dieser Aktion

„Wir prangern die soziale Ausgrenzung von armen oder mittellosen Personen an, die kaum in der Lage sind, die Kosten für ihren Unterhalt aufzubringen“, sagt Myriam Cecchetti, die Präsidentin der Kooperative „Episol“. „Zudem wollen wir der Jugendarbeitslosigkeit, die immer größere Ausmaße annimmt, mit der Schaffung von Arbeitsplätzen für unqualifizierte Personen entgegenwirken und darüber hinaus Schulungen für eine bessere Zukunft dieser Menschen organisieren“.

Ein soziales Unternehmen

„Mit dem Solidar-Preis erfüllen wir alle Vor-aussetzungen zur Schaffung einer sozialen Durchmischung der Bevölkerungsstruktur und verhindern auf diese Art und Weise eine Stigmatisierung jener Personen, die zum Erwerb von Grundnahrungsmitteln auf finanzielle Hilfe angewiesen sind“, ließ José Piscitelli, seines Zeichens Präsident von „Ecosol Sanem“, wissen. Ziel ist es, den sozialen Zusammenhalt zu fördern und die erworbenen Kompetenzen untereinander auszutauschen. Ferner sollen sowohl die lokale Wirtschaft als auch die Akteure der Solidar- und Sozialwirtschaft Nutzen aus dem Projekt ziehen.

Das Verkaufsangebot

„Mam Konzept „Eis Epicerie“ gëtt hei zu Zolwer e Virreider-Projet geschafen“, teilt Myriam Cecchetti mit. Der Gemischtwarenladen steht sowohl Gering- als auch Normalverdienern für ihre Einkäufe zur Verfügung. „Wir werden mit einem gewissen Sortiment an Produkten starten. Vor allem stehen saisonale, regionale und faire biologische Erzeugnisse sowie solche aus geschützten Produktionsstätten prioritär im Angebot“, meint die Rednerin.

José Piscitelli seinerseits hofft, alsbald mit einem relativ umfangreichen Vollsortiment an Milchprodukten, Brot, Gemüse, Käse, Trockenwaren und Wein aufwarten zu können. „Eventuell wäerte mir och Naturwuere wéi ekologesch onbedenklech
Wäschmëttel, Natur-Kosmetik, Babywëndelen a Kleedung ubidden“, schwärmt er. Ausgedehnte und zeitaufwendige Transportwege sollen ob ihrer hohen Kosten vermieden werden.

Eigenversorgung

„Eis Epicerie“ ist der Ort, an dem der Austausch von BIO-Waren und -Lebensmitteln aller Mitglieder stattfinden wird. Langfristig ist eine möglichst hohe Eigenversorgung geplant. Produkte und Lebensmittel, die nicht selbst hergestellt werden, werden durch die entsprechenden Lieferanten gedeckt. Der Zahlungsvorgang an der Kasse ist anhand der Kundenkarte für alle gleich, sodass von vorneherein Diskriminierungen ausgeschlossen sein dürften. Fakt ist, dass die Bedürftigen für die gleiche Anzahl von Produkten dank modernster Computertechnik weniger tief in die Tasche greifen müssen.

Wiedereingliederung in die Gesellschaft

„Ecosol abl“ möchte Ausbildungsverträge hinsichtlich der Wiedereingliederung junger Menschen ohne Schulabschluss in die Gesellschaft fördern und hat diesbezüglich bereits eine Anfrage beim „Fonds Social Européen“ (FSE) eingereicht. Die Institution ist nicht auf Gewinn ausgerichtet, weshalb die Waren zum Einkaufspreis mit lediglich einem geringen Aufschlag verkauft werden. Die Gemeinde Sassenheim und das Sozialamt sind die Hauptgeldgeber im Rahmen der Einführung des Projektes. Durch die Mitgliedsbeiträge soll jedoch im Laufe der Jahre eine verlässliche Finanzierung entstehen, eine Feststellung, die Myriam Cecchetti hoffen lässt, dass „Eis Epicerie“ eines Tages eigenständig arbeiten könnte.