LUXEMBURG
MARIYA GABRIEL

Heute tritt die weltweit erste Verordnung zur Regelung der Handelspraktiken in der Beziehung zwischen Online-Plattformen und Unternehmen in Kraft. Weshalb sie so wichtig ist, erklärt Mariya Gabriel, EU-Kommissarin für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft.

„Online-Plattformen haben eine rasche Veränderung der Art und Weise bewirkt, wie Unternehmen in Kontakt zu ihren Kunden kommen. Unternehmen können heute leicht Produkte und Dienstleistungen anbieten, die für ihre Kunden nur ein paar Mausklicks entfernt sind. Aber funktioniert das auch für alle Beteiligten reibungslos?

Einige Unternehmen geraten in immer größere Abhängigkeit von relativ wenigen, aber sehr mächtigen Online-Plattformen. Bei derart ungleichen Machtverhältnissen überrascht es nicht, dass bestimmte Probleme auftreten, und es ist nur natürlich, dass viele Unternehmen diese Situationen als bedrohlich empfinden. Ein solches Klima hält viele von ihnen davon ab, die Chancen für den Handel im In- und Ausland zu ergreifen, die ihnen Online-Plattformen eigentlich bieten.

Um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken, hat die EU als ersten Schritt nun die weltweit allererste Verordnung zur Regelung der Handelspraktiken in der Beziehung zwischen Plattformen und Unternehmen erlassen. Das bedeutet, dass alle, die auf diesen Plattformen ein- oder verkaufen, sich auf klare Vorgaben verlassen können, und dass klar ist, an wen sie sich bei etwaigen Streitigkeiten wenden können. Dank dieser neuen Vorschriften wird das Geschäftsumfeld für die Unternehmen besser vorhersehbar, sodass es ihnen leichter fallen wird, Online-Plattformen als Möglichkeit zu nutzen, um ein größeres Publikum zu erreichen. Ebenso sorgen die Vorschriften dafür, dass die Online-Plattformen zur Bearbeitung von Beschwerden geeignete Systeme für das Management der Kundenbeziehungen einrichten. Bei Suchmaschinen sollte außerdem klar ersichtlich sein, wie die Rangfolge entsteht, in der sie ihre Suchergebnisse anzeigen.

Eine besser vorhersehbare Online-Wirtschaft bringt Verlässlichkeit nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Online-Plattformen selbst und für die Verbraucher, wodurch auch das Vertrauen in das Internet insgesamt gestärkt wird.

Besser informierte Unternehmen sind in der Lage, bessere Entscheidungen zu treffen, und die Online-Plattformen erhalten einen EU-weit einheitlichen Rahmen, der sie nicht daran hindert, neue Ideen umzusetzen. Darüber hinaus profitieren die europäischen Verbraucher von mehr Transparenz und einem fairen Wettbewerb, denn sie bekommen dadurch mehr Auswahl und hoffentlich auch bessere Preise.

Überdies hat die Kommission eine Beobachtungsstelle für die Online-Plattformwirtschaft eingerichtet, die die Entwicklungen bereits intensiv beobachtet und analysiert, um ein besseres Verständnis der Online-Wirtschaft zu erlangen und eine gut informierte und flexible Politikgestaltung auf EU-Ebene zu ermöglichen. Die eigens eingerichtete Expertengruppe der Beobachtungsstelle arbeitet derzeit an einer ersten Reihe von technischen Unterlagen, die im September veröffentlicht und dann mit den Interessenträgern weiter erörtert werden sollen.“