KÄERJENG
CLAUDE KARGER

LSAP-Kongress in Käerjeng erneuert Gremien für nächste zwei Jahre

Mit ein wenig Verspätung wegen plötzlichem Schneetreibens startete am Dienstagabend in Käerjeng der Nationalkongress der LSAP, der nach mehreren aufeinander folgenden schweren Schlappen bei Wahlen im Zeichen der Erneuerung stand: Wie bereits Anfang Dezember beim Kongress zu Regierungsbeteiligung und Koalitionsabkommen angekündigt wurden die Parteigremien völlig erneuert. Wobei es bei vollem Saal im Kulturzentrum „Käerjenger Treff“ wenig Spannung um die Parteispitze gab. Für den Vorsitz gab es nämlich nur einen Kandidaten: den Abgeordneten Franz Fayot.

Neuer Präsident Franz Fayot: Politik quasi in die Wiege gelegt

Dem am 28. Februar 1972 geborenen Fayot wurde die Politik quasi in die Wiege gelegt, übte sein Vater Ben in seiner langen politischen Karriere doch unter anderem auch das Amt des Parteipräsidenten (1985 bis 1997) aus. Der Vater von drei Kindern studierte Rechtswissenschaften an der Pariser Sorbonne, ist seit 1997 als Anwalt tätig (momentan als Partner bei Elvinger, Hoss & Prussen), und wurde im Oktober 2013 erstmals in die Abgeordnetenkammer gewählt. Nach den letzten Wahlen ist er auf der Zentrumsliste für den in die Regierung wechselnen Etienne Schneider ins Parlament nachgerückt.  
Fayot ist auch einer der zehn mehr oder weniger jungen LSAP-Politikern (darunter Taina Bofferding, Tess Burton und Claudia Dall'Agnol), die Anfang des vergangenen Jahres in einer “D’LSAP nei denken! D’LSAP nei opstellen! Äntwerte liwwere fir d’Erausfuerderunge vun der Zukunft!” betitelten Stellungnahme heftige Kritik an der Parteispitze äußerten, mehr Mitspracherecht für die jungen Parteimitglieder forderten sowie für ein schärferes Profil eintraten.

Eine Menge Kandidaten für die Parteileitung

Auch für den Vizepräsidentinnenposten bewarb sich mit Ministerin Paulette Lenert nur eine Kandidatin. Für den Vizepräsidentenposten waren drei Kandidaten angetreten. Der Roeser Bürgermeister und Gewerkschaftssekretär Tom Jungen war der einzige, der sich für den Posten des Generalsekretärs gemeldet hatte.
Da sich aber 44 Kandidaten für die 10 Posten des “Comité Directeur” eingetragen hatten und 21 für die sieben Posten der Parteikontrollkommission, zog sich der Abend lange hin. Die Zahl der Kandidaturen sei ein Zeichen für die Lebendigkeit der Partei, meinte der abtretende Parteipräsident Claude Haagen, der genau wie der abtretende Generalsekretär Yves Cruchten zu Einigkeit in der Partei aufrief. Haagen, der genau wie Cruchten eine “Standing Ovation” für seine Präsidentschaft erhielt, meinte übrigens, dass “eine Regierungsbeteiligung etwas ist, was unsere Partei nach vorne bringt”.

Franz Fayot war die erste Wortmeldung vorbehalten. Er will die parteiinternen Arbeitsgruppen reanimieren, um "frische Impulse" in die Gesellschaft zu geben, die sich ändere und immer noch ungerecht sei. Die LSAP müsse wieder eine eigene Identität schärfen. "Das Herz der LSAP soll wieder in der Partei schlagen", sagte Fayot und: "ohne eine gesunde Partei sind individuelle Bemühungen nichts". Er will eine Liste der Themenfelder erarbeiten, zu denen die Partei Position beziehen müsse, "konsequent politische Talente" aufbauen und an einer effizienten und transparenten Organisation arbeiten.
Am Ende bekam Franz Fayot 88 Prozent Zustimmung von den anwesenden 348 Delegierten und Tom Jungen 95 Prozent. Zum neuen Vizepräsidenten wurde der Düdelinger "député-maire" Dan Biancalana gekürt.