CLAUDE KARGER

Ein Angebot sorgt in Deutschland für Furore: ein Kino aus dem Westerwald-Städtchen Hachenburg in Rheinland-Pfalz hatte zunächst explizit Mitgliedern der „Alternative für Deutschland“ freien Eintritt für die Vorführung von „Schindlers Liste“ am 27. Januar, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Aussicht gestellt.

Nun soll an diesem wichtigen Gedenktag, der auf das Datum der Befreiung des Nazi-Konzentrationslagers von Auschwitz 1945 gelegt wurde, jeder sich das Meisterwerk von Steven Spielberg über den deutschen Unternehmer Oskar Schindler ansehen dürfen, der mehr als tausend Juden vor dem sicheren Tod bewahrte. Die Initiatoren wurden für ihre mutige Aktion natürlich aus dem rechten Lager stark angefeindet.

„Ein erneuter plumper Versuch, die AfD in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken!“, empörte sich etwa der rheinland-pfälzische Parteichef. Als ob die AfD, deren Vorzeigepolitiker den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnen (Gauland, Juni 2018), das Holocaust-Denkmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“ (Höcke, Januar 2017), Ausländer als Parasiten und Gesindel und sogar im Bundestag mit allerlei Nazi-Begriffen um sich wirft, dazu auch noch Hilfe von Außen bräuchte...

In Zeiten, wo Parlamente - und der Bundestag ist nicht das einzige - Mitglieder zählen, die sich solches leisten, ist es mehr denn je wichtig, zu entlarven, dass die Mechanismen, derer sich Populisten und Nationalisten heute bedienen im Grunde genau die gleichen sind, die einst Hitler und seine Jünger an die Macht brachten: Hass auf Minoritäten, Zwiespalt in der Gesellschaft säen, fanatischen Nationalismus predigen. In welche Abgründe das führte, sollten wir uns in diesem Jahr, in dem sich der Beginn der größten Katastrophe jemals in Europa zum 80. Mal jährt, besonders intensiv vor Augen führen. Als am 1. September 1939 das Deutsche Reich Polen aufgrund einer „Fake“-Geschichte über einen polnischen Überfall auf einen deutschen Sendemast angriff, nahm ein Weltenbrand seinen Lauf, der am Ende mindestens 55 Millionen Menschen das Leben kostete, die allermeisten davon Zivilisten. Es brach eine dunkle Zeit der Willkür an, des rücksichtslosen Mordens, der Unmenschlichkeit. Mindestens 13 Millionen kamen in den Nazi-KZs um, davon sechs Millionen Juden.

Überall auf der Welt sind Familien bis heute gezeichnet von diesem epochalen Trauma. Und dann faseln ausgerechnet deutsche Politiker von einem „Vogelschiss“ und hetzen mit Nazi-Parolen. Ihnen muss die Geschichte, die sie verdrängen und sogar neu schreiben wollen, immer und immer wieder vorgehalten werden und immer und immer wieder müssen besonders die jüngeren Generationen über die Schrecken des Zweiten Weltkriegs und die Nazi-Gräuel aufgeklärt werden, damit sie solchen Stimmenfängern, die mit der Zukunft ihrer Wähler Null am Hut haben, nicht auf den Leim gehen.

Und wissen, was sie an der EU haben, deren Gründungsväter vor allem eines antrieb: weitere Kriege auf dem blutgetränkten Kontinent zu vermeiden. Auch das versuchen die Populisten, die so gerne mit dem Finger auf Brüssel zeigen, tunlichst auszublenden. Lassen wir sie nicht gewähren! Denn der Frieden ist auch heute noch alles andere als sicher.