LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Boom, Schlurf, Ohh: BD-Festival in Contern öffnet sich US-Comics und gedenkt Roger Leiner

Die Daltons, Garfield und Superhjemp: In Contern übernimmt die Fantasie wieder das Ruder, zumindest für ein paar Tage. Auch wenn sich die BD- und Comicfans wieder auf das „Festival International de la BD“ an diesem Wochenende freuen, wird die 24. Ausgabe doch bei Teilnehmern und Fans mit Wehmut verbunden sein. Und das liegt keinesfalls an dem engagierten Programm, denn die Organisatoren haben wieder mehrere luxemburgische Zeichner und Berühmtheiten der internationalen Szene in die kleine luxemburgische Gemeinde gelockt.

Das Festival hat 54 Autoren eingeladen, aber einer fehlt: „Der Tod von Roger ist ein großer Verlust für das Festival und für die luxemburgische BD-Szene“, erklärte Jean-Jacques Arensdorf, der Präsident des Festivals. Der Comiczeichner Leiner, der zusammen mit Lucien Czuga die Superjhemp-Bände herausgebracht hat, war vergangenen Dezember gestorben. Lucien Czuga, mit dem Leiner zwischen 1988 und 2014 28 Bände der Comicserie gestaltet und verfasst hat, schreibt im Programmheft, dass er lange überlegt hat, ob er dieses Jahr überhaupt zum Festival kommen soll. „Am Ufank konnt ech mer net virstellen, aleng do ze sëtzen an Albumen ze ënnerschreiwen, ouni hien, ouni seng massiv a guttmiddeg Präsenz nieft mir.“

Den Ausschlag gab dann aber die Nachricht, dass in Contern eine neue Straße nach Roger Leiner benannt werden soll. „(...) eppes, iwwer dat mir ëmmer em Geck gesot hunn, wann dat eng Kéier de Fall wier, kréich hien e Sens interdit en ech eng Sakgass! (...)“ Bei diesem Anlass will Czuga dabei sein und seinen Freund beim Festival vertreten. Die „rue Roger Leiner“ wird am Samstag, 15.00, vor dem Kulturzentrum „An Henkes“ eröffnet, dann können die Besucher auch selbst prüfen, ob es sich tatsächlich um einen „Sens interdit“ handelt.

Marvel-Zeichner als Ehrenpräsident

Auch im inhaltlichen Sinn geht man in Contern auf neuen Wegen: Das Festival, auf dem bisher vor allem die franko-belgischen BDs dominierten, legt in diesem Jahr den Schwerpunkt auf Comics. „Das erlaubt uns auch, unsere Bestimmung der Mischung der Sprachen zu erfüllen“, erklärt Arensdorf. Das einzige Genre, was bisher noch nicht sehr stark vertreten ist, sind die Mangas, was sich aber in Zukunft ändern soll.

Möglich wird der stärkere Bezug zu Comics durch den diesjährigen Ehrenpräsidenten Mike Perkins. Der britisch-amerikanische Zeichner hat für Marvel an „Captain America“, „Thor“ und „The X-Men“ gezeichnet und dieses Jahr auch das Poster des Festivals - Superhelden und Comicfiguren, welche eine Luxtram bevölkern - gestaltet. Der Kontakt kam über eine Deutschland-Tour der Comic-Unternehmensgruppe Panini zustande, die Perkins 2012 nach Contern führte. „Comics sind keine kleine Welt, sondern eine Geek-Kultur, welche die Welt übernommen hat“, erklärt Perkins. „Die größten Filme und TV-Shows basieren auf Comics und Fantasy, und wir können das alle genießen, egal, aus welcher Richtung es kommt.“ Perkins bezieht sich nicht nur auf Blockbustererfolge von Comicverfilmungen, sondern auch auf Serien wie „The Walking Dead“ oder „Game of Thrones“. Die Fans dieser Fernseherfolge haben die Gelegenheit, Will Simpson, den Storyboardkünstler von „Game of Thrones“, und Charlie Adlard, Comicbuchkünstler von „The Walking Dead“, zu begegnen. Außerdem haben sich Batem („Marsupilami“), Mike Collins („Doctor Who“), Timo Wuerz („Ghost Realm 2“) und Turf („Le voyage improbable 2“) angekündigt. Neben Widmungen finden wieder Verkäufe von BDs und Comics durch professionelle Händler und private Sammler statt, zudem gehören erneut Kinderprogramm, Straßenkünstler und Wettbewerbe zu dem zweitägigen Festival. Die Veranstaltung, zu der zwischen 6.000 und 8.000 Gäste erwartet werden, wird von der Gemeinde und rund 250 Ehrenamtlichen gestemmt.

 

Weitere Informationen unter www.bdcontern.lu