LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Die UNESCO hat kein Problem mit der asymmetrischen Verbreiterung der „Al Bréck“ und den dafür notwendigen Stahlstützen

Dafür, dass schon kräftig gebaut wird, kommt die Nachfrage der beiden CSV-Abgeordneten Octavie Modert und Claude Wiseler ein bisschen spät. Die ehemalige Kulturministerin Modert und der frühere Infrastrukturminister (MDDI) Wiseler machen sich Sorgen, ob die einseitige Verbreiterung der „Al Bréck“ oder „Passerelle“ nicht den historischen Charakter der Brücke zerstören wird.

Asymmetrische Lösung

Die „Al Bréck“, die seit 1869 den historischen Stadtkern mit der Stadterweiterung in Richtung Bahnhof verbindet, wird einseitig verbreitert, um vor allem Platz für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen, ohne den in Richtung Altstadt- und Heiliggeisttunnel führenden Autoverkehr einzuschränken. Im Gegensatz zur „Pont Adolphe“ oder zur „Roten Brücke“, die mit Hilfe von Auflagen symmetrisch verbreitert wurden, wird bei der „Al Bréck“ nur eine Schulter gestärkt werden - die Westseite. Die dort vorgesehene Stahlkonstruktion liegt auf Stahlträgern auf, die sich in einem Winkel von etwa 45 Grad an den Pfeilern der historischen Bogenbrücke abstützen. Für den einen Betrachter eine moderne Lösung, für den anderen ein schludriger Umgang mit einem Baudenkmal.

Bedenken aus der Schweiz

Modert und Wiseler beziehen sich in ihrer Anfrage auf eine gemeinsame Stellungnahme dreier luxemburgischer Ingenieure des eidgenössischen Polytechnikums in Lausanne mit dem Tenor, dass könnte man alles anders machen, vor allem ohne in die Optik der alten Bausubstanz einzugreifen. Entsprechend fragen die CSV-Abgeordneten auch, ob das Denkmalschutzamt (SSMN) mit in die Planung der Brückenverbreiterung einbezogen wurde.

Transport- und Bauminister François Bausch, konnte in einer gemeinsamen Antwort mit Kulturministerin Sam Tanson, die Gemüter beruhigen. Man habe sich für die Nutzung leichter Baumaterialien entschieden, um den Verkehr auf der Brücke so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Bei der Verbreiterung handele es sich um einen flachen Metall-Kasten der auf den - schon beschriebenen - Edelstahlträgern, die an den Brückenpfeilern abgestützt werden, aufliegt.

ICOMOS-Gutachten fällt positiv aus

Beide Minister verweisen auf das Gutachten von ICOMOS, einer Gesellschaft die im Auftrag der UNESCO über die Beibehaltung des Welterbe-Status, nicht nur der Stadt Luxemburg, wacht. Da die Brücke innerhalb der ausgewiesenen Pufferzone rund um das Welterbe-Kerngebiet „Festung und Altstadt“ liegt, musste die Brückenerweiterung auch mit ICOMOS abgestimmt werden. Das Gutachten für die UNESCO stellt fest, dass der historischen Bausubstanz der Brücke aus dem 19. Jahrhundert mit der leichten Metallkonstruktion nur ein „zeitgenössischer Aspekt“ hinzugefügt wird, der die Gesamtwirkung des Brückenbauwerks nicht beeinträchtigt. Formal steht die Brücke nicht unter Denkmalschutz, aber durch den UNESCO-Status der Innenstadt unterliegt jede Veränderungen strengen Kontrollen, außerdem habe man von sich aus, das Denkmalschutzamt (SSMN) bei der Planung des Umbaus der „Al Bréck“ hinzugezogen, so Bausch.

Die Minister konnten den beiden Fragestellern auch mitteilen, dass es zwischenzeitlich einen konstruktiven Austausch zwischen dem Chef der Straßenbauverwaltung und den skeptischen Ingenieuren aus der Schweiz gegeben hat.