LUXEMBURG
DR. VOLKER SCHMIDT

Die Samstagsanalayse zu Grünen Bundeswertpapieren

Ethenea in Kürze

Konservativ und kontinuierlich

Die von ETHENEA Independent Investors S.A. verwalteten Ethna Funds sind konservative, auf kontinuierliche Wertentwicklung und Risikominimierung ausgerichtete Vermögensverwaltungsfonds. Das aktiv verwaltete Vermögen der Ethna Funds beträgt derzeit 3,36 Milliarden Euro, verteilt auf die drei Funds Ethna-DEFENSIV, Ethna-AKTIV und Ethna-DYNAMISCH (Stand: 30.09.2020). ETHENEA ist eine bankenunabhängige Kapitalanlagegesellschaft.
www.ethenea.com

Der deutsche Staat hat sich im September mit der Emission seiner ersten zehnjährigen grünen Bundesanleihe dem Trend für nachhaltige Wertpapiere angeschlossen. Die Mittel aus der Emission dieser Anleihen werden zur Erreichung der Klimaschutzziele verwendet, zu denen sich die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat. Genauere Details hierüber finden sich in einem Rahmenwerk, welches regelmäßig von unabhängiger Stelle überprüft wird. Mit diesen Angaben entspricht der deutsche Staat den Anforderungen nachhaltig orientierter Investoren, die anhand dieser Mindeststandards prüfen können, dass ihre Investitionen auch wirklich zum Schutz der Umwelt eingesetzt werden. Wie unterscheiden sich die herkömmliche Staatsanleihe vom neuemittierten grünen Zwilling unterscheiden und welches Zukunftspotenzial haben sie?

Das Zwillingskonzept

Mit der Einführung der grünen Staatsanleihe verfolgt die Bundesrepublik das sogenannte Zwillingskonzept bei Bundeswertpapieren. Die zehnjährige grüne Anleihe hat genau die gleiche Laufzeit und den gleichen Kupon wie die gewöhnliche zehnjährige Bundesanleihe. Beide werden am 15. August 2030 fällig und haben einen Kupon von 0 Prozent. Hierdurch soll den Investoren aber auch dem Emittenten deutlich gemacht werden, welche Kosten beziehungsweise Erträge durch Emission bzw. Investment in eine grüne Anleihe entstehen. Soweit scheinen beide Wertpapiere identisch. Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich die beiden Zwillinge aber doch, denn bei ihrer Emission versprach die grüne Bundesanleihe eine negative Rendite von -0,46 Prozent und damit etwas weniger als die -0,45 Prozent der herkömmlichen Anleihe.

Die Vorteile der grünen Anleihe

Nachhaltigkeit und Flexibilität für Investoren, Zinsersparnis für den Emittenten – so knapp kann man die Vorteile der grünen Anleihen für beide Seiten zusammenfassen. Eine win-win-Situation für alle. Bezogen auf das erstmalige Emissionsvolumen von 6,5 Milliarden Euro und bei einem aktuellen Renditeunterschied von zwei Basispunkten zwischen herkömmlicher und grüner Anleihe hat sich der deutsche Staat mit der grünen Anleihe 650.000 Euro pro Jahr an Zinskosten gespart - und das für die nächsten zehn Jahre! Wenn wir davon ausgehen, dass der deutsche Staat insgesamt 50 Milliarden Euro grüne Anleihen emittiert und der Zinsabschlag auf fünf Basispunkte steigt, dann beläuft sich die jährliche Zinsersparnis des deutschen Staats auf 25 Millionen Euro – anders formuliert: Die Investoren sind bereit, für die Unterstützung der deutschen Klimaschutzziele auf genau diesen Ertrag zu verzichten. Schon bis Ende 2020 will der deutsche Staat insgesamt 11 Milliarden Euro grüne Anleihen bei Investoren platziert haben und daher im letzten Quartal dieses Jahres eine grüne Bundesanleihe mit fünfjähriger Laufzeit emittieren.

Eine spannende Zukunft

Das Zwillingskonzept beinhaltet zudem das Recht für den Käufer seine grüne Anleihe jederzeit in den konventionellen Zwilling tauschen zu dürfen. Dennoch denken wir, dass davon aber kaum jemand Gebrauch machen, da davon auszugehen ist, dass der grüne Zwilling stets einen höheren Wert haben dürfte. Der konventionelle Zwilling dürfte aufgrund seines höheren Emissionsvolumens stets etwas liquider sein, aber dieser kleine Nachteil der grünen Anleihe wird durch die Umtauschmöglichkeit ausgeglichen. Wir denken auch, dass die ein bis zwei Basispunkte Renditeabschlag, die wir bisher gesehen haben, in Anbetracht der Nachfrage nach grünen Investments sicherlich erst der Anfang sind. Für seine erste grüne Anleihe sammelte der deutsche Staat jedenfalls 33 Milliarden Euro an Kaufnachfrage ein, sodass es uns nicht überraschen würde, wenn der Renditeabschlag sich schnell in Richtung von fünf Basispunkten vergrößert. Es wird nun spannend sein zu beobachten, welchen Renditeabschlag die Investoren bei der Anlage in grüne Bundesanleihen langfristig bereit sind zu akzeptieren.