LUXEMBURG
DANIEL OLY

Abstecher in die deutsche Botschaft - für Studenten kein Einzelfall

Wer das Bürogebäude der deutschen Botschaft in Luxemburg in der Avenue Emile Reuter betreten will, muss erst einmal sein Telefon abgeben und die Sicherheitsbeamten passieren, bevor man herein gelassen wird. Ein Botschaftsgebäude ist eben kein Abenteuerspielplatz.

Warum sich Studenten bewusst dafür entscheiden, als Praktikanten im diplomatischen Büroalltag mitzuwirken? „Weil es eine hervorragende Chance bietet, diese Arbeit aus nächster Nähe mitzuerleben“, erklärt Bastian Braun. Der 22-jährige hat selbst in den vergangenen sechs Wochen bei der Botschaft mitarbeiten können, durfte Berichte über den politischen News-Zyklus des Landes anfertigen und hatte gar die Chance, gemeinsam mit dem deutschen Botschafter zu Terminen zu reisen. Wer behauptet da, dass man als Praktikant bloß Kaffee kocht und Kopien macht?

Zufallstreffer Luxemburg

Pflichtpraktikum mal anders - warum nicht in einer Botschaft im Ausland, hatte sich der Student im Studiengang für „Internationale Beziehungen“ aus Schwäbisch Hall gedacht. „Ich habe mit dem Studium 2016 begonnen“, erklärt Braun. Ein interdisziplinärer Studiengang, bei dem er auch mit Fremdsprachen jonglieren muss - darunter auch Französisch und Spanisch. „Nach meinem Auslandssemester in Frankreich stand dann das Praktikum an, und ich wollte mir einen lange gehegten Traum erfüllen: Ich wollte schon immer einmal für das Auswärtige Amt arbeiten“, meint er.

Bewerben können sich Studenten wie Braun über die Webseite des Auswärtigen Amtes in Berlin. „Ich habe dann meine Wunschziele ausgewählt“, erklärt Braun, der sich ganz bewusst für ein französischsprachiges Ziel entscheiden wollte. Eine Präferenz könne man dabei aber nicht auswählen - so gesehen war der Einsatz in Luxemburg keine abgemachte Sache. Keine Seltenheit, wie Sonja Walbaum von der deutschen Botschaft betont: „In der Regel entscheiden sich die Kandidaten nicht ganz gezielt für Luxemburg - und wissen deshalb auch nicht, welche Aufgaben sie hier konkret erwarten“, meint sie. „Positive Erfahrungen machen sie trotzdem meistens.“ Für die Botschaft und das Auswärtige Amt sind die Praktikanten willkommene Gäste. „Auch das Auswärtige Amt braucht Nachwuchs“, erklärt Walbaum. Und schmunzelt: „Auch deshalb behandeln wir sie gut.“

Voll überzeugend war die Chance zum Praktikum in der deutschen Botschaft für Braun demnach auch: „Nicht nur wegen des sehr starken, europäischen Flairs in Luxemburg und der gelebten Mehrsprachigkeit, sondern auch, weil es eine kleinere Botschaft ist“, betont er. „Hier arbeiten 15 Menschen - meist ressortübergreifend, wodurch die Chance bestand, überall ein wenig rein zu schnuppern.“ Ein sechswöchiges Praktikum sei es übrigens aus gutem Grund gewesen: „Ich musste es irgendwie zwischen die Semester an der Uni quetschen“, erklärt er.

Kleine Teams haben Vorteile

Braun erklärt auch, dass die Arbeit für die Botschaft sein erstes Praktikum war. Ob er nervös war? „Der Einstieg wurde mir denkbar leicht gemacht“, sagt er. Die üblichen Fragen - wer sich um welche Aufgaben kümmert, und wer der richtige Ansprechpartner ist - wurden ihm schnell beantwortet. „Erleichtert wurde das durch den Umstand, dass zu diesem Zeitpunkt eine Rechtsreferendarin bereits dort war. Sie konnte mir daher mit ihren Erfahrungen zu einem leichteren Start verhelfen.“ Geholfen haben dürfte auch der Leitfaden der Botschaft selbst, der studentische Mitarbeiter besser auf den Alltag in Luxemburg vorbereiten soll und zudem einen Einblick darauf gibt, wie seine Vorgänger das Praktikum wahrgenommen haben.

So gab es recht schnell einen Einstieg in das abwechslungsreiche Aufgabenfeld der deutschen Botschaft. „Ich konnte hier spannende Aufgaben erledigen, die eine ziemlich einmalige Chance darstellten“, erklärt Braun. Zum Beispiel an einem Bericht über das Staatsbudget, das von Finanzminister Gramegna vorgestellt wurde mitarbeiten. „Ich konnte unseren Botschafter zudem zu Terminen, zum Beispiel im Europahaus oder in der Abgeordnetenkammer, begleiten.“ Einmalige Gelegenheiten, sich die nötige Erfahrung für das weitere Studieren zu verschaffen. Entsprechend stark freut er sich darauf, wieder nach Dresden zum Studium zurück zu kehren. „Dieser Studiengang hat die Tendenz dazu, eher theoretisch aufgebaut zu sein“, meint er. „Das einmal alles in Aktion sehen zu können, die praktische Anwendungsseite zu sehen, ist schon toll.“

Viel gesehen

Bleibt die Frage nach dem Start in Luxemburg. „Ich hatte zum Glück keine sprachlichen Barrieren“, weiß er zu erzählen. „Das ist sehr positiv an Luxemburg; egal in welcher Sprache man sich verständigt, man weiß sich immer zu helfen weil die Luxemburger polyglott sind.“ Lediglich die Wohnungssuche habe sich schwierig gestaltet. So ist Braun anfangs bei Familienfreunden untergekommen; die Rechtsreferendarin habe ihm aber den heißen Tipp gegeben, bei „Wunnraum fir Stagiaire Asbl“ auf der Route de Longwy ein Zimmer anzufragen. „Das ist sehr praktisch; da habe ich nicht nur direkten Kontakte mit anderen Praktikanten, sondern auch noch eine gewisse Proximität zur Stadt.“

Seine Zeit in Luxemburg bestand aber nicht nur aus Arbeit; an den Wochenenden ging Braun demnach auch auf Erkundungstour durch das Großherzogtum. „Ich würde sagen, ich habe schon einiges vom Land sehen können. Die Innenstadt, das Schloss in Vianden, die Mosel.“ Beeindruckt habe ihn auch die Nähe zur Natur, die quasi direkt außerhalb der Stadtgrenzen beginnt. „Insgesamt eine sehr entspannende Erfahrung - ich hatte zwar keine spezifischen Erwartungen an oder über das Großherzogtum, aber ich bin ganz klar begeistert.“