Covid-19 hat natürlich auch unsere Redaktion fest im Griff. Zum Glück ist noch kein Mitarbeiter direkt betroffen. Wohl auch, weil die Redaktion quasi über Nacht auf „Homeoffice“ umgestiegen ist, was den Arbeitsalltag ziemlich umgekrempelt hat. Wie unsere

Gartenbau statt Meer

Bei Vorstellungen der „Rocky-Horror-Picture-Show“ grölt das treue Publikum beim Auftauchen des Erzählers immer ein heftiges „Boring!“ in den Kinosaal - zu deutsch „Langweilig!“ Mittlerweile ist „Boring“ auch in der „Shutdown-Show“ angekommen. Ich habe Bäume gefällt, Sträucher umgesetzt, mehrfach die Wiese gemäht, eine Terrasse gebaut, eine vom Bagger demolierte Gartenmauer wiederaufgebaut, Wege gepflastert und das Dach des Car-Ports neu eingedeckt. Kurz: Das Programm eines ganzen Sommers in fünf Wochen erledigt – neben dem Homeoffice. Da es wohl noch ein wenig dauern wird, ist im Mai, also wenn wieder Geld da ist, dass Dach der Garage dran. Um etwas aus dem Gartenbaueralltag herauszukommen, habe ich mein Sommerauto so poliert, wie es noch nie poliert wurde. Zugegeben, gegenüber denen, die in ganz Europa in kleinen Wohnungen sitzen und nicht vor die Tür dürfen, sind das Luxusprobleme.

Zwischendrin schleichen sich bei mir immer wieder Tagträume von der rauen Küste der Picardie ein, eigentlich nur fünf Autostunden entfernt, aktuell aber Welten entfernt.Patrick Welter

Kindernase und Test-Zoo

Ich habe in dieser Woche die Auflage erhalten, einen COVID-19-Test zu machen, damit sicher ist, dass ich vor einem medizinischen Eingriff nicht vom Virus befallen bin. Also Fahrt zur Luxexpo. Zwei Männer regeln den Verkehr. Der ist sehr übersichtlich. Hinter mir ein Wagen aus Deutschland, das war´s. Durch eine Metalltür trete ich direkt in ein weißes Zelt ein. „Kommen Sie näher“, fordert mich eine Stimme auf. Hinter einer Plastikabdeckung steht in drei Meter Entfernung ein Tisch. Dahinter wartet eine Mitarbeiterin in voller Montur: Schutzanzug, Brille, Maske. Routiniert blickt sie auf meine Nase. „Ich habe drei Größen für die Tests“, kündigt sie an. Der mittlere, ein langes Stäbchen, findet den Weg in meine Nase. Es ist sehr unangenehm. „Der ist zu groß“, ärgert sich die Frau und nimmt die Kindergröße. Ich habe das Gefühl, gleich ist das Stäbchen im Rachen. „Schön atmen“, beruhigt sie. „Das Resultat wird ihnen per SMS geschickt.“ Dann erzählt sie noch, dass viele Besucher ihr Handy zücken, um Fotos zu machen. „Als wäre hier ein Zoo.“ Ich nicke verständnisvoll – und bin froh, dass ich mein Handy in der Tasche gelassen habe. Cordelia Chaton

Die Nähmaschine glüht

Nun ist sie da, die Maskenpflicht. Kann man verfluchen, kann man aber auch als Anlass zum Kreativwerden ansehen. Lästiges Etwas am Gesicht oder neues stylisches Accessoire? Das ist alles Ansichtssache – je positiver man es verkauft, desto weniger schimpfen die Leute. Leider bin ich eine totale Niete im Nähen... Da ich eigentlich fast nur Hoodies mit Reißverschluss und Wolljacken ohne Knöpfe trage und Jacken generell nicht schließe, – irgendwie schon wieder so ein Generationsproblem, habe ich das Gefühl – musste ich tatsächlich noch nie einen Knopf irgendwo annähen.

Doch meine Mutter stattet nun unseren Haushalt mit schönen bunten Masken aus. Die Nähmaschine hat wieder ihren Weg aus dem Karton geschafft und ist fester Bestandteil des Alltags geworden. Stoffreste, Stoff, der eigentlich irgendwann zum Kissenbezug werden sollte oder alte Klamotten, die ihre besten Tage längst hinter sich haben – alles bekommt einen neuen Sinn. Masken und Schlauchtücher - ja ihr Lieben, DAS ist mit Buff gemeint, nicht das Getränk – sind die neuen It-Teile und wir tragen sie mit Stolz.Liz Mikos

Vermummungsgebot

Müsste der Schreiber dieser Zeilen nicht schon wieder für die Montagsausgabe dieser Zeitung über seine Homeoffice-Erlebnisse der vergangenen Woche berichten, so wüsste er nicht, welcher Wochentag gerade ist. Derlei gleichen sich nämlich die Tage des Zu-Hause-Bleibens, und da die Abgeordnetenkammer, die in normalen Zeiten ja immer nur von dienstags bis donnerstags öffentlich tagt, nun auch am Freitag oder sogar am Samstag zusammenkommt, um noch einige Milliarden mehr für die Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen, weiß man inzwischen gar nicht mehr, wo man dran ist.

Das Gleiche – das mit Dem-nicht-mehr-wissen-wo-man-dran-ist - gilt übrigens auch für die Schutzmasken, die ab heute Pflicht sind. Dabei hatte es zuerst ja immer geheißen, dass Masken nichts bringen würden, wenn man nicht selber krank sei, und diese sowieso nur dem medizinischen Fachpersonal vorbehalten würden.

Statt eines Vermummungsverbotes nun also ein Vermummungsgebot. In die Natur darf man aber gottlob - wenn man denn allein ist - immer noch ohne Maske...Pascal Steinwachs

Nicht ohne meinen „Buff“

Schluss mit lustig. An der Maskenpflicht führt ab heute nichts mehr vorbei. Und voraussichtlich wird das noch einige Monate dauern. Leider nehmen uns die Dinger einen wichtigen Teil unserer Kommunikationsfähigkeit. Denn wir drücken uns ja nicht nur über die Sprache aus. Sondern über die gesamte Gesichtsmuskulatur, die nun aus sanitären Gründen hinter einer Chirurgen-Maske, einem Schal oder einem „Buff“ – letzteres Wort, das Premier Bettel bei seinen rezentesten Interventionen mehrmals verwendete kannten bis dahin offensichtlich viele Zeitgenossen lediglich als Bezeichnung für einen Magenbitter - verschwinden muss, wenn man an schwerer belebten Orten unterwegs ist. Sonst kann’s mitunter teuer werden. „Barrieregesten“-Disziplin bleibt also der Preis für eine schrittweise Wiederaufnahme der Aktivitäten im Land. Ab heute lärmen wieder die Baustellen, ein echter Wohlklang in manchen Ohren. Und garantiert gibt es bald auch Abhilfe für jene, die unter Stauentzug leiden. Toll! Claude Karger

Reprise en main

Ce confinement change d’une semaine à l’autre, comme l’humeur. Alors qu’il était plus facile la semaine dernière de marquer la fin de journée par un verre de vin ou une bière (Made in Luxembourg, cela va sans dire!), les appétissants gâteaux de Gerard Cayotte à Esch ont eu raison de toutes mes bonnes résolutions lors du déjeuner pascal. Mais cette semaine a été plus saine avec reprise sérieuse de la course à pied et de longues balades à vélo dans la Minette. Le confinement a parfois du bon! Tout ce temps gagné sur le transport permet paradoxalement plus de sorties en semaine, et de toujours recevoir mes précieuses livraisons des petits commerçants de quartier, comme cette semaine Babbocaffé qui permet de voyager à travers les senteurs de ses différents arômes. Avec les fleurs sur le balcon qui annoncent décidément ce printemps exceptionnel dans tous les sens du terme, on s’arme de patience pour attaquer la semaine suivante de bonne humeur! Audrey Somnard

Maske auf

So wie der Geselle im Bild seit einigen Tagen in der Nähe des CHEM-Krankenhauses in Esch/Alzette werden Masken ab heute das öffentliche Leben in Luxemburg prägen. Ein Leben, das erstmals wieder anläuft– womöglich mit langen Schlangen vor Baumärkten und Recyclingzentren. Endlich, wenn auch langsam zurück zur Normalität, mag manch einer sich denken. Doch allmählich wird immer klarer, dass der Weg bis dahin noch ein sehr weiter ist. Wie lange? Das bleibt weiter ungewiss.

Manche zweifeln sogar, ob die Normalität, wie wir sie vor diesem Virus kannten, wiedererlangt werden kann und gehen davon aus, dass das Virus unsere Gewohnheiten nachhaltig prägen wird. Klar ist zu diesem Zeitpunkt nur, dass die in den vergangenen Wochen erreichten Fortschritte verteidigt werden müssen. Wir wissen heute, dass Luxemburg bislang glimpflich davongekommen ist. Dennoch sind Dutzende Menschen Covid-19 zum Opfer gefallen.

Alle sind gefordert, sich trotz frühlingshaftem Wetter weiter am Riemen zu reißen. Christian Block

Big cat is watching you

Unter dem wachsamen Blick meines Katers – wahlweise auch dem weiblichen Gegenpart – harre ich weiter in meinem Homeoffice aus, fleißig wie eine Biene selbstverständlich. Wenn ich mein Wohnzimmer-Büro zwischendurch kurz verlasse, übernimmt der Stubentiger auch schon mal gerne das Schreiben für mich, weil, klar, es gibt nichts Schöneres, als über die Tastatur zu trampeln. Ich warte noch darauf, dass er irgendwann einmal eine Mail für mich verschickt, immerhin hat er es sich schon zur Gewohnheit gemacht, bei Telefoninterviews lautstark mitzureden.

Ansonsten geht alles irgendwie seinen normalen, oder sagen wir improvisierten Gang. Die erste Vorstandssitzung der Vereinigung, in der ich als Sekretärin tätig bin, hat auch schon via Videochat stattgefunden. Lustig war´s allemal. Alles geht. Dennoch kann nichts den menschlichen Kontakt ersetzen. Und auch das virtuelle Zuprosten nach abgehakter Tagesordnung ist nicht wirklich nach meinem Geschmack. Simone Molitor