Covid-19 hat natürlich auch das "Journal" fest im Griff. Zum Glück ist aber noch kein Mitarbeiter direkt betroffen. Wohl auch, weil die Redaktion schnell auf „Homeoffice“ umgestiegen ist, was den Arbeitsalltag ziemlich umgekrempelt hat. Wie Redaktionsmitglieder die sechste Woche der Corona-Krise erlebten, beschreiben sie hier kurz.


Anpacken


Schon toll, wenn nach einem Monat „Lockdown“ wieder die Kräne drehen und die Bohrhämmer dröhnen. In der Redaktion, die umgeben ist von Baustellen, war die gespenstische Stille am Montagmorgen endlich gebrochen. Die Bauarbeiter mit denen wir sprachen, waren nicht nur wegen des angenehmen Frühlingswetters bestens gelaunt. Die Last der Zukunftsangst fällt zumindest ein bisschen ab, wenn man wieder anpacken darf. Da nervt auch der Crash-Kurs übers Wochenende zu „Social distancing“ auf dem Bau kaum. Viel Last zu tragen haben auch die Fachkräfte, die in der Covid-19-Zone im Kirchberger Spital (Foto) arbeiten. Sie bekamen am Donnerstag Besuch von Premier und Gesundheitsministerin. Ob sie erkannten, wer ihnen da durch die Scheibe winkte und sich verneigte, um „Merci“ zu sagen? Hoffen wir, dass sie in den nächsten Wochen weniger Arbeit haben. Sehr viel davon werden jedenfalls die Frisöre haben, wenn’s wieder losgehen darf, denn es gibt mittlerweile hunderttausende haarige Problemfälle zu lösen. Wir haben diese Woche mal selbst angepackt und den Trimmer geschwungen. Das Resultat war – na ja, wie soll man sagen – ziemlich gruselig. „Vivement le déconfinement!“ CLAUDE KARGER


Grün ist es im Wald

Zäh zieht sich die Zeit dahin, und je länger das Coronavirus die Welt in Atem hält – und das wird es noch sehr, sehr lange tun -,  desto unendlicher kommen einem die Tage vor. 
Der Schreiber dieser Zeilen war in dieser Woche sogar derart verzweifelt, dass er nach über 20 Jahren erstmals einen Waldspaziergang wagte, der dann aber nach 20 Minuten schon wieder vorbei war, gab es hier doch – außer Bäumen, einigen Sträuchern, und noch mehr Bäumen – nichts zu sehen. Ein zweites Mal in den Wald gehen wird der Verfasser dieser Zeilen dann auch voraussichtlich nicht.
Da könnte man doch fast schon mit Puzzeln anfangen, zum Beispiel mit der ultimativen Herausforderung „Krypt“, anscheinend das schwierigste Puzzle der Welt. Warum? Weil jedes einzelne der insgesamt 736 Puzzle-Teile schwarz ist – einfach schwarz. Und wer dieses Puzzle geschafft hat, der kann dann auch noch zur „Silber“-Edition mit 654 Teilen oder zur „Gold“-Edition mit 631 Teilen greifen.  Ob es im Wald vielleicht nicht doch aufregender ist... PASCAL STEINWACHS


Zweierlei Maß

In der sechsten Woche des Lock- oder Shutdowns hat sich ein Gleichgewicht zwischen Homeoffice und Gartenarbeit etabliert – dank des guten Wetters. Wenn es seit Wochen regnen würde, wäre auch der psychologische Vorteil des Gartens dahin, der es auch erlaubt über den Zaun hinweg mit den Nachbarn zu reden. Für die Umstände läuft es gut.
Am Donnerstag war ich zum ersten Mal seit Wochen in der Redaktion – Schlussredaktion ab 18.00. Eine erstaunliche Erfahrung, auf A8, A13 und A3 in Richtung Luxemburg fast nur mit Lastzügen unterwegs zu sein. Kaum Verkehr. In der Straßburger Straße ist nicht nur ein Parkplatz frei, sondern gleich ein halbes Dutzend. Das gab’s bisher nicht mal an Sonntagen. Als ich die Redaktion um 21.30 verlasse, ist die Straße wie ausgestorben. Stille. Nur die üblichen Typen, mutmaßlich Kleinhändler verbotener Substanzen, drücken sich in den Ecken herum. Fragt sich nur, woher die Kunden kommen sollen. Die Stadt ist geschlossen. Umso irrer erscheinen mir die deutschen Grenzkontrollen 30 Minuten später. Im Verhältnis zu Luxemburg steppt im Saarland der Bär, der direkte Vergleich ist krass. PATRICK WELTER


Freie Sicht

Freie Sicht auf ein Ende dieser Krise gibt es weiter nicht. Es wird auch noch Monate, nachdem das Coronavirus erstmals auftauchte, getestet, geforscht, um Antworten zu finden und Wissen zu sammeln über die Verbreitung des Virus, die in der Bevölkerung entwickelte Immunitätsrate, Behandlungsmethoden, einen Impfstoff.
Derweil gab es in der vergangenen Woche erste Lockerungen, die mit einzelnen Ausnahmen vergleichsweise gut über die Bühne gingen. Doch muss man die ziemlich lange Inkubationszeit berücksichtigen, bevor man eine Bilanz ziehen kann.
Problematischer deutet sich hingegen die Wiederaufnahme des Unterrichts in den Schule an. Die Ankündigungen der Regierung riefen bei vielen Eltern, Schülern und Lehrern Sorgen hervor. Die Positionen reichen von weiteren Vorsichtsmaßnahmen bis hin zu einer Aussetzung der Kurse bis zum Herbst. Zumindest Klarstellungen auf noch offene Fragen sollten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen – wenn es denn bei den aktuellen Plänen bleibt. CHRISTIAN BLOCK


Return of the Noise

Die ersten Schritte aus dem „Lockdown“ sind getätigt. Die Baumärkte und Recyclingzentren haben geöffnet, und auch auf den Baustellen herrscht wieder Betrieb. Das war gleich am frühen Montagmorgen nicht zu überhören. Auch der Lärm ist nämlich mit den Lockerungen zurückgekehrt. Auf ihn hätte ich gut noch verzichten können. Die plötzliche Bewegung, die seither wieder auf den Straßen herrscht, hat mich pünktlich zum Wochenstart bereits in aller Früh, ja zu einer unchristlichen Zeit, aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte mich wohl etwas zu sehr an die Stille gewöhnt. Und dann, die Sonne war noch nicht einmal richtig aufgegangen, da baggerten auch schon die Bagger wie von Sinnen und in ohrenbetäubender Lautstärke gefühlt direkt neben meinem Bett!
Natürlich ist es positiv, dass das Leben langsam wieder in Fahrt kommt und sich auf den Baustellen wieder etwas tut. Und was sich erst in und um die Baumärkte und Recyclinghöfe tut, total verrückt! Da zieht man sich seine selbstgenähte Schutzmaske doch fast am liebsten über die Augen. SIMONE MOLITOR


Ablenkungsmanöver

Ich habe es getan. Ich habe das Haus verlassen! Aber keine Sorge, es war kein Akt der Rebellion – die Pflicht hatte gerufen. Einmal wöchentlich kurz abends in die Redaktion ist tatsächlich eine schöne Abwechslung. Die Gelegenheit konnte ich gleich nutzen, um eine der schönen Masken, die meine Mutter in den letzten Wochen genäht hat, zu präsentieren. Ja, da haben die drei Leute auf der Straße mit ihren 0815 Masken ganz schon neidisch hingeschaut. Doch wenn schon die Kosmetikstudios geschlossen haben und alle schönen, langen Wimpern abgefallen sind, will ich doch wenigstens eine hübsche Maske tragen – lenkt auch von den fehlenden Wimpern ab.
Doch Spaß bei Seite, denn zum Lachen ist derzeit tatsächlich nicht wirklich viel. Man sollte doch glauben, dass die aktuelle Lage etwas in den Menschen bewegt, sie zu mehr Menschlichkeit aufruft. Leider wird man immer noch tagtäglich Zeuge vom Gegenteil. Wäre es nicht sinnvoller, seine Energie in etwas zu investieren, das einem Freude bereitet, statt seinen Frust weiter zu füttern und ihn auch noch auf seine Mitmenschen zu übertragen? LIZ MIKOS


Une nouvelle vie

Les semaines s’enchaînent et se ressemblent. La grande nouveauté de cette semaine c’est qu’à partir de lundi il fallait sortir masqué pour pouvoir faire ses courses. A Esch-sur-Alzette les masques du gouvernement ne sont arrivés que mercredi, soit.
Première sortie du masque à la poste, le facteur ayant «oublié» de sonner cette semaine, il a fallu aller chercher un colis. Passé le côté inesthétique et inconfortable, respirer dans un masque fait de la buée sur mes lunettes, je n’y vois rien! Mais il faudra donc s’en accommoder pour protéger les commerçants qui sont en première ligne durant cette épidémie.
Le trafic de masques va s’intensifier car il va sûrement falloir se protéger pendant plusieurs semaines. Ceux qui sont doués en couture ont une longueur d’avance. Pas vraiment efficaces, mais autorisés, les masques lavables ont quand même l’avantage de moins souiller l’environnement. Encore faut-il en trouver et débourser quelques euros pour un bout de tissu. Dans quelques jours, c’est sûr, il faudra y passer. AUDREY SOMNARD


Hauptsache die katze freut’s

Da wir seit mittlerweile sechs Wochen schon zu zweit von zu Hause aus arbeiten, wurde der Esstisch kurzerhand zum „Home Office“ umgebaut. Überall liegen Kabel und Verlängerungen und die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren. Immerhin, die Katze freut’s. Die Schildkröte musste allerdings provisorisch ins Nebenzimmer umziehen, da das laute Geplantsche dann doch auf Dauer ziemlich nervig werden kann.
Einkaufen gehen wird zum Hauptereignis der Woche und die Autos werden langsam aber sicher, dank Pollen, in gelbe Albträume verwandelt. Aber immerhin ist jetzt immer jemand zu Hause, um die täglich eintrudelnden Amazon-Pakete in Empfang zu nehmen.
Zugegeben, komisch ist es schon, die Kollegen nicht mehr jeden Tag zu sehen und nur über einen Chat zu kommunizieren aber von zu Hause arbeiten hat auch seine Vorteile. Die Couch ist pünktlich zum Feierabend nur einen Sprung entfernt und das tägliche Busfahren bleibt mir auch erspart. Könnte also alles schlimmer sein.  SARAH SWEERS