Covid-19 hat natürlich auch das „Journal“ fest im Griff. Zum Glück ist aber noch kein Mitarbeiter direkt betroffen. Wohl auch, weil die Redaktion schnell auf „Homeoffice“ umgestiegen ist, was den Arbeitsalltag ziemlich umgekrempelt hat. Wie Redaktionsmitglieder die siebte Woche der Corona-Krise erlebten, beschreiben sie hier kurz.

In der Schneise der Verwüstung

Zeit, dass der Corona-Spuk langsam aufhört. Denn das dauernd Eingesperrt-Sein und die Videokonferenz-Inflation zehren natürlich an den Nerven. Die Masken-Pflicht sowieso. Sagt jeder, mit dem man sich unterhält. Zum Zuhausebleiben hatte der Autor allerdings kaum Zeit. Die letzten sieben Wochen überschlugen sich die Nachrichten, auch mehrere Reportagen „an der Front“ standen auf der Agenda (Foto aus dem CSA Rockhal). An Themen gab es trotz leerer Terminkalender fürwahr keinen Mangel. Nur hin und wieder Schwierigkeiten mit Fotos. Und mit Zahlen. Nicht immer war herauszufinden, was genau hinter den Informationen steckt, die auf dieser oder jener offiziellen Webseite auftauchen, oder wie sie interpretiert werden müssen. Längst nicht so genau wissen wir, wie breit und wie lang die Schneise der Verwüstung ist, welche das Virus in das wirtschaftliche und soziale Gefüge schlägt. Ob der nächste Welttag der Arbeit, den die Gewerkschaften in diesem Jahr erstmals komplett virtuell feiern mussten, noch so friedlich über die Bühne gehen wird wie 2020? Ist da nicht bereits ein Knacken im Gebälk des „Luxemburger Modells“ zu hören? Es gilt, alles zu unternehmen, damit es nicht splittert. claude karger

Das erste Mal

Heute geht es dann (abgesehen von zwei kurzen Visiten in der Redaktion, aber die liegt im Bahnhofsviertel, und eine Strecke von der Tiefgarage der heimischen Wohnung bis in die Tiefgarage der Zeitung ist so aufregend dann doch nicht) zum ersten Mal seit acht Wochen endlich mal wieder in die Stadt, und zwar zu einer Pressekonferenz der CSV im „Cercle Cité“, wo bekanntlich – und deshalb finden seit kurzem ja auch die öffentlichen Sitzungen der Abgeordnetenkammer hier statt – genügend Platz ist, um den Corona-bedingten Sicherheitsabstand zu wahren.

Dies ist dann auch gleichzeitig das erste Mal, dass man nach langer Zeit endlich mal wieder Menschen sieht, die man wirklich kennt und denen man leibhaftig gegenüber steht, nachdem man zuvor außerhalb des Internets immer nur den Atem fremder Leute im Supermarkt oder im Zeitungsgeschäft hinter sich gespürt hat, die sich, nur weil sie inzwischen Schutzmasken tragen (müssen), nicht länger an die Abstandsregel halten. Eine Pressekonferenz, auf die man sich freut; wer hätte das gedacht... Pascal Steinwachs

In Sorge

Neben Homeoffice und Gartenarbeit mache ich mir vor allem Sorgen. Bis vor acht Wochen habe ich rechts der Mosel gewohnt und links der Mosel gearbeitet. Konten und Ärzte gab es zu beiden Seiten des Flusses und ich habe dort eingekauft, wo es passte. Der Fluss war nur ein Fluss.

Seit sieben Wochen wohne ich wieder diesseits der Grenze und arbeite jenseits. Meine Konten liegen rechts und links der Grenze. Mein Hausarzt ist diesseits der Grenze, mein Kardiologe jenseits. Hätte ich nicht diesen elenden Pendler-Passierschein, käme ich nicht mal über die Mosel.

Damit soll es zwar bald vorbei sein, aber der Grenzschließungsreflex von Seehofer und Co. ist ein Desaster. Er überschattet die auch jetzt gelebte Solidarität der Großregion, Dutzende Franzosen werden im Saarland und Luxemburg intensivmedizinisch betreut, Politiker aus der ganzen Region haben gemeinsam nach der Grenzöffnung gerufen. Aber das öffentliche Bild beherrschen die Jungs von der Bundespolizei mit ihren Schlagbäumen im Kopf. Wir aus dem Dreiländereck wissen es hoffentlich besser. Patrick Welter

Neue Normalität

Da steht man extra früh auf, um den Wocheneinkauf noch vor der Arbeit hinter sich zu bringen. Und dann, also man sich vor dem Einkaufszentrum vor dem Aussteigen aus dem Auto die Maske aufsetzen will, reißt das Gummiband auf einer Seite... So lernt man, dass es sinnvoll ist, immer einen Schal, Ersatzmaske oder Ähnliches bei sich zu haben. Denn das Bedecken von Mund und Nase wird uns nämlich noch eine ganze Weile begleiten wie auch Social Distancing, häufiges Händewaschen und Co. Es ist zu erwarten, dass die Regierung den Lockdown weiter lockern wird und auch kleinere Geschäfte wieder Kunden empfangen können. Diese Tendenz lässt sich in vielen Ländern Europas beobachten. Was man allerdings noch nicht weiß ist, wie die Kunden selbst darauf ansprechen werden. Es ist vorstellbar, dass viele Menschen vorerst weiter Ausgänge auf das Wesentliche beschränken. Das wird ein Teil der neuen Normalität sein. Einerseits werden die Straßen schon bald wieder verstopft sein, Schüler im Klassensaal sitzen, andererseits wird eine kleine Dosis Corona-Paranoia zum neuen Dauerbegleiter. CHRISTIAN BLOCK

Echo, Echo, Echoooo

Es raschelt, quietscht und fiept. Das Echo ist beeindruckend. Nein, kein spontaner Ausflug in die Berge, sondern die Erfahrung, die manch einer in Covid-19-Zeiten sicherlich schon bei Videokonferenzen gemacht haben dürfte. Mein bisher schlimmstes Erlebnis war das digitale Pressefrühstück mit dem Team von Esch2022, ganz ohne Croissant natürlich, dafür aber mit ordentlicher Geräuschkulisse. Das Ganze lief über den Konferenzdienst Zoom, der momentan viel genutzt wird und eigentlich auch gut funktioniert. Wenn allerdings keines der Mikrofone der vielen Teilnehmer auf stumm geschaltet ist, dann entstehen Rückkopplungen, die einem fast die Ohren vom Kopf fliegen lassen. Es dauerte, bis das Problem an besagtem Morgen erkannt und jedes Mikrofon stumm war. Dabei hätte der Organisator selbst dafür sorgen können, dass nur jenes des jeweiligen Sprechers funktioniert. Eine gute Vorbereitung ist manchmal nicht verkehrt, sonst läuft ein solches Online-Meeting mehr schlecht als recht ab. Echooo, Esch-oooh! Simone Molitor

Sortons masqués

En une semaine, le port du masque est devenu obligatoire dans les commerces. Une habitude difficile à prendre. Il est plus difficile de se parler, et mes sourires à la caissière ne servent plus à rien. Avec les lunettes, le masque est un enfer tant la buée vient s’y coller, difficile d’y voir quelque chose. La commune d’Esch a livré 5 masques par résident, avec trois de jours de retard sur le reste du pays. Avec un déconfinement qui va doucement arriver, il faut se préparer.

Une amie qui manie avec brio sa machine à coudre m’a confectionné des masques pour toute la famille. Résidente à Villerupt, il a fallu se rejoindre à Belval, quasi en catimini, pour échanger la marchandise. Les masques, c’est devenu un véritable objet de contrebande: qui en a, qui en fabrique, comment les obtenir, un véritable marché parallèle s’est mis en place. Parce que si le retour à la normale ne sera pas pour demain, il faudra bientôt revenir au bureau et avec cela, la joie de la promiscuité des transports en commun. AUDREY SOMNARD

Zwei Welten

Wer in ein Krankenhaus in Luxemburg geht, wird mit Desinfektionsgel und Abschirmungswänden empfangen. Wer keine Maske hat, erhält eine. Mangel ist hier kein Thema. Das Personal ist korrekt ausgestattet. Wer in eine Außenstelle einer französischen Klinik in Lothringen geht, steht vor dem System D für „débrouille“. Um sich vor Tröpfcheninfektionen zu schützen, wurden Abschirmungen aus durchsichtigen Mülltüten für Plastikabfälle oder auch aus Holzstangen mit Plastikplanen gebastelt. Masken hat das Personal hier nur teilweise, obwohl es in der Apotheke ein Anrecht darauf hat; anders als Normalbürger. Das Problem, erfahre ich, ist die Zentralisierung. Einfach mal spenden ist deshalb schwierig. Entweder darf die Zentrale nichts erfahren - oder aber sie verlangt erst eine Prüfung des Materials. So wird es dann nichts mit den gut gemeinten Gaben. Das Verwunderlichste: Dieses starrsinnige Beharren auf Zentralisierung hat schon dazu geführt, dass Frankreich massenhaft Tests fehlten. Die seien nämlich zu homologisieren, wurde mitgeteilt, nachdem das Robert-Koch-Institut die Test-Formel geteilt hatte. So herrscht in einem Land Mangel, im anderen nicht. CORDELIA CHATON