LUXEMBURG
LJ

Die Coronavirus-Pandemie hat natürlich auch unsere Redaktion fest im Griff. Zum Glück ist bislang noch kein Mitarbeiter direkt betroffen. Wie unsere Journalisten die zweite Woche der Corona-Krise erlebten, beschreiben sie hier kurz..

Passierschein, Dackel und Spätkauf

Das besondere Geschenk zu 25 Jahren „Europa ohne Grenzen“ kam zu Beginn der zweiten Woche: Mein „Passierschein“ für Luxemburg. Mit dem Schild „Pendler - Commuter - Travailleur frontalier“ im Auto kontrolliert mich die Bundespolizei bei der Rückkehr nach Deutschland nicht. Wenn es nicht so bitter wäre, wäre es zum Lachen.

Aber die meiste Zeit mache ich sowieso Home-Office, womit ich zu den Gewinnern der Krise komme - meinen Hunden. Während das Netz, von Instagram bis Facebook, voll ist mit Bildern übellauniger Katzen, die die dauernde Anwesenheit ihrer zweibeinigen Dosenöffner nicht verstehen, genießen Hunde die Situation. Endlich ist der Alte mal die ganze Zeit zu Hause.

Irgendwie schreibt es sich auch entspannter, wenn der Beagle unter dem Schreibtisch liegt. Der Dackel zieht meistens das Sofa vor. Bis zu dem Moment, wo er meint, mir helfen zu müssen. Es ist eine lustige Erfahrung mit dem Dackel auf dem Schoß vor dem Laptop zu sitzen und mit langen Armen zu schreiben. Aber es kommt noch besser. Manchmal will er abhängen und zwar so richtig: Während ich weiter schreibe, liegt er quer über meine Oberschenkel, links hängt sein Hinterteil runter und rechts lässt er den Kopf baumeln. Voller Entspannungsmodus.

Beim Einkaufen bewährt sich der deutsche Föderalismus, im Saarland schließen die Geschäfte spätestens um 20.00. Im zwanzig Kilometer entfernten Saarburg - Rheinland-Pfalz - gibt es einen Supermarkt der bis 22.00 geöffnet hat. Meine neue Einkaufszeit mit perfektem „Social Distancing“ ist jetzt 21.30. Patrick Welter

Lëtzebuerger Journal

Geburtstag ohne Gäste

Diese Woche habe ich ein Interview mit einem Traumapsychologen und Krisenexperten geführt, der Tipps zum Überstehen der Krise gegeben hat. Ich konnte hinter viele ein Kreuz machen: Den Tag fest einteilen, Sport machen, sich die Hausarbeit teilen, mehr Gemüse und Obst essen, selbst kochen. Wir haben noch nie so gezielt einkauft. Einmal in der Woche planen mein Mann, meine Tochter und ich, was wir wann essen, wer es kocht und was wir dafür brauchen. Jeder kann Wünsche einbringen. Die Folge: Unser Kartoffelkonsum ist signifikant gestiegen. Wir werfen weniger weg und essen mehr Kuchen, denn mein Mann backt gern. Ob das auch mit der Coronakrise zu tun hat? Essen bestellt haben wir noch keines. Mein einziger Versuch bei unserer Pizzeria, die ich gern unterstützen wollte, scheiterte: Sie hat geschlossen, um niemanden zu gefährden, heißt es auf Facebook.

Kuchen wird in dieser Woche eine besondere Herausforderung: Mein Mann feiert seinen runden Geburtstag. Ich will ihn mit einem Kuchen überraschen. Ob ich es schaffe, ohne dass er etwas merkt? Wahrscheinlich hängt anschließend zu viel Schokoduft in der Luft. Einen solchen Termin im engsten Familienkreis zu feiern, bei dem noch nicht mal alle Kinder anwesend sind, ist auch nicht wirklich prickelnd. Immerhin funktioniert das Telefon. Die Zeit fängt an, sich zu ziehen. Zwischen abendlichen Gesellschaftsspielen und Filmen, die dann doch nicht so toll sind, dem Job vorm Bildschirm sowie Garten- und Hausarbeit wächst die Lust auf menschliche Kontakt. Der Trauma-Experte hatte mich gewarnt: Für extrovertierte Menschen sind die Beschränkungen schlimmer als für introvertierte Menschen. Recht hat er. Cordelia Chaton

Lëtzebuerger Journal

Durchhalten

Eine weitere Woche vorbei. Die Disziplin im örtlichen Supermarkt, sie ist weiter gewährleistet. Man gewöhnt sich daran, dass das Einkaufen inzwischen dreimal so lange dauert. Mit zwei oder wahlweise fünf Metern Sicherheitsabstand an den Eingang annähern. Erst eintreten, wenn der Security-Mensch winkt, die paranoiden Blicke aushalten, wenn man sich zwischen Kaffee und Konserven auch nur mal zu räuspern wagt, ein älterer Herr an der Kasse, der wohl gerne noch etwas länger mit der Kassiererin geplaudert hätte.

Zurück ins improvisierte Home-Office. Smartphone-zu-Smartphone-Interviews mit teils schlechten Verbindungen, Absprache mit den Kollegen per E-Mail und Chat, Wäsche aufhängen in der Mittagspause, die mühsame Aufrechterhaltung einer gewissen Kleidungsdisziplin: Alles in allem hat die Umstellung problemlos geklappt, auch wenn die Coronakrise jetzt viele wichtige Themen in den Hintergrund gerückt hat, gleichzeitig aber auch neue Probleme heraufbeschworen hat, deren Ausmaße man sich heute noch nicht ausmalen kann. Man denkt beispielsweise an all die Restaurants, denen die berufstätige Kundschaft plötzlich weggebrochen ist, und von denen viele geschlossen haben, obwohl sie theoretisch weiter Mahlzeiten liefern könnten. Oder an all die Unternehmen, die indirekt von den angeordneten Schließungen beziehungsweise Versammlungsverboten betroffen sind. Doch bis der gesamte Schaden sichtbar wird, vergehen wohl noch Wochen. Wie lange genau? Das weiß man heute noch nicht. Deshalb lautet die Parole vorerst weiter: Durchhalten. Christian Block

Lëtzebuerger Journal

Totale Entschleunigung

Irgendwie geht im Lockdown das Zeitgefühl, beziehungsweise das Gefühl für die Wochentage verloren. Manchmal frage ich mich morgens, ob nicht vielleicht schon Wochenende ist und ich die Rollläden meines Homeoffice deshalb unten lassen kann. Wenn ich dann feststelle, dass doch ein ganz „gewöhnlicher“ Arbeitstag ansteht, empfinde ich keinen Stress. Nur um den Bürostuhl muss ich zwischendurch kämpfen, da ihn mein Kater zu seinem neuen Lieblingsschlafplatz gemacht hat. Ansonsten habe ich mich an meinen neuen Alltag gewöhnt, auch wenn ich das vor einer Woche noch nicht gedacht hätte. Inzwischen habe ich die positiven Seiten dieses „Bleift doheem“ schätzen gelernt. Ich fühle mich entschleunigt. Natürlich fehlt mir der direkte Kontakt zu Freunden und Familie. Ich vermisse gemeinsame Unternehmungen und die Möglichkeit, die Abende mal nicht in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Plötzlich sieht man vieles mit anderen Augen.

Anfangs habe ich auch befürchtet, es könnte eine Herausforderung sein, Themen für Artikel zu finden, da sämtliche Pressekonferenzen und Veranstaltungen im Kulturbereich gestrichen sind und uns die Sujets nicht mehr auf dem Silbertablett gereicht werden. Da aber im Netz derart viele Initiativen entstanden sind, bietet sich mehr als genug Stoff für Berichte und Interviews.

Ein Wermutstropfen: Obwohl ich es unseren Lesern selbst angeraten habe, ist es mir nicht gelungen, den Tag nicht im Jogginganzug zu verbringen. Es ist aber auch so herrlich bequem, wenn nichts zwickt!SIMONE MOLITOR

Lëtzebuerger Journal

Au jour le jour

Deuxième semaine de confinement et les belles promesses du début ont du mal à être tenues. Se mettre au sport: pas évident de se motiver, car mine de rien les journées sont longues. Lire des livres intelligent, bof, l’apathie n’est pas loin. Il parait qu’il faut se discipliner et mettre en place une routine. Le télétravail ne pousse pas à prendre soin de soi, après tout personne ne nous voit, les apéritifs se multiplient sans trop d’efforts. Du côté du travail tout le monde est affairé sur cette crise qui n’en finit pas. Les interlocuteurs sont eux aussi confinés, sans réunions intempestives ils en sont plus facilement joignables.

A force de parler des entreprises en difficulté, on s’organise: du bon d’achat à son lieu de réception de mariage en Irlande (en espérant qu’ils survivent à crise), une commande à Label Terroir de produits locaux et de saison, des bouteilles de vin à Vinetoca pour égayer les soirées, ainsi qu’un jeu de société via Letzshop, les commerces locaux s’organisent pour faciliter les livraisons et il faut les soutenir dans cette période qui sera fatale pour nombre d’entre eux. Chaque soir à 20.00, c’est le rituel de sortie sur le balcon pour applaudir les personnels de santé et plus généralement ceux qui sont au front de cette «guerre». On y découvre les voisins qu’on ne voit pas le restant de l’année, on se salue, embarqués dans cette même galère. Pour combien de temps encore? Mieux vaut ne pas savoir et prendre les choses jour après jour.

AUDREY SOMNARD

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Sacrée livraison!

Bientôt deux semaines de confinement et déjà de nouvelles habitudes adoptées dans la vie quotidienne. La liste des courses alimentaires est faite avec précaution afin d’être certain de n’avoir rien oublié, vu la limitation des déplacements. Mais surtout, on achète à distance et on essaie d’anticiper au maximum. Les beaux jours vont revenir: il est temps de penser à acheter de la crème solaire, il serait temps d’aménager ses extérieurs pour en profiter au maximum puisque c’est tout ce qu’on verra de dehors pour un bon bout de temps encore. Les sites web sont scrutés, les services de livraison à domicile sont sollicités et à chaque fois que l’on entend la sonnette retentir, cela nous donne le sourire car ça y est, on a reçu ce qu’on a commandé! En décembre lors de mon voyage en Chine je m’étonnais de voir mon amie Laetitia qui y vit se faire absolument tout livrer: des courses alimentaires aux produits d’équipement pour son habitation. Aujourd’hui, le simple fait de voir une camionnette de livraison s’approcher de chez moi me donne le sourire. Il y a un mois encore jamais je n’aurais imaginé me faire livrer du vin. Mais ce vendredi, un producteur viticole luxembourgeois est venu m’apporter deux caisses de vin. Une façon de tenir le coup mais aussi et surtout de soutenir les PME locales qui sont frappées de plein fouet par la crise du Covid-19. Bref, la livraison c’est aujourd’hui le relais vers le monde extérieur. Merci à tous les salariés actifs dans la logistique en ce moment très occupés. CATHERINE KURZAWA

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Platz und Plaudern

Man steht mit dem Virus auf und man geht mit ihm schlafen. Und hofft, ihn nicht selbst zu erwischen. Man organisiert sich, um so wenig soziale Kontakte wie möglich zu haben. Der Vorteil der Coronavirus-Krise: man hat Platz, Platz im Supermarkt, Platz auf der Straße, Platz im Großraum-Redaktionsbüro. Platz, den man in der ersten „Lockdown“-Woche etwas genossen hat. Jetzt könnte es mit diesem „Genuss“ aber langsam reichen. In der Redaktion läuft das Telefon heißer als in normalen Zeiten. Es gibt mehr Beschwerden betreffend Nichtzustellungen der Zeitung. Man merkt: die Abonnenten sind derzeit empfindlicher, wenn es Verzögerungen gibt. Es gibt auch mehr Anrufe zu Artikeln. Man merkt: einige Anrufer möchten länger plaudern. Wie die Großmutter, die sich über die Öffnungszeiten der Supermärkte erkundigte. Manche hätten doch jetzt spezielle Öffnungszeiten für Senioren, nicht wahr? Die Enkel, die sie derzeit nicht besuchen können, kommen gleich beim zweiten Satz ins Gespräch... Derweil pingt eine Mail nach der anderen auf: Einladungen zu den Video-Pressekonferenzen der Regierung (Foto), Absagen von Events – viele werden 2020 „schweren Herzens“ völlig abgeblasen –, Ankündigungen von Solidaritätsaktionen, Fragen der Redaktionskollegen, Antworten von Interviewpartnern, die irgendwo im Home Office irgendwie verfügbarer sind als sonst... Und die Gespräche werden persönlicher, der Smalltalk am Anfang länger, man erkundigt sich öfter über die Gesundheit des Gegenüber. Wenn heute etwas im Mittelpunkt steht, dann das Wertvollste, was wir haben. CLAUDE KARGER

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Wie das Kaninchen vor der Schlange

Auch in der zweiten Woche des unfreiwilligen Homeworking ist es beim bizarren Ritual geblieben, das darin besteht, dass man den ganzen Tag auf die neuesten Zahlen der Corona-bedingten Todesopfer und bestätigten Infektionen wartet (die in der Anfangsphase der Corona-Krise am frühen Vormittag veröffentlicht wurden, inzwischen jedoch am späten Nachmittag gegen 17.30), vor denen man dann wie das Kaninchen vor der Schlange steht, vor Schreck erstarrt und unfähig etwas zu tun.

Dann gibt es in der zweiten Woche des Notstands aber auch noch immer große Supermärkte, in denen die Kassierer und Kassiererinnen - es sind jedoch meistens Kassiererinnen - die Kunden ohne Schutzmasken und ohne schützende Plexiglasscheiben bedienen müssen, derweil die Supermärkte selbst wahrscheinlich das Geschäft ihres Lebens machen.

Was einem in den letzten Tagen aufgefallen ist, das sind zudem die zahlreichen, in diesen sonnigen Tagen dann auch zum Teil richtig hübschen Ausflugsbilder auf Facebook und Instagram, auf denen deutlich wird, dass das mit dem „#bleiftdoheem“ von manchen Leuten sehr großzügig interpretiert wird - auch von dem ein oder anderen Vertreter der Politzunft, der scheinbar Wasser predigt und Wein trinkt.

Mehr als negativ aufgefallen ist dem Schreiber dieser Zeilen in dieser zweiten Bleib-zu-Hause-Woche aber auch die CSV mit ihrer absolut unmöglichen Forderung, die Abgeordneten und Minister sollten den parlamentarischen Ausschusssitzungen, in denen es um Covid-19 geht, doch bitte auch physisch beiwohnen. „#bleiftdoheem“? Nie gehört! Da bleiben einem die Wörter weg...Pascal Steinwachs

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