LUXEMBURG
JACQUELINE KIMMER

Rotes Kreuz fordert Wohnraum für sozial schwache Bevölkerungsschichten

In seinen neuen Räumlichkeiten auf Nummer 13 der hauptstädtischen Rue de Bragance, wo seit kurzem etliche seiner Dienststellen untergebracht sind, stellte das Luxemburger Rote Kreuz gestern Vormittag seinen Aktivitätsbericht für das vergangenen Jahr vor. Wie Generaldirektor Michel Simonis unterstrich, präsentiert sich dieser Bericht erstmals in zwei Bänden: Das Magazin des Roten Kreuzes „Crossroads“, in dem einige Aktivitäten in einem redaktionellen Beitrag vorgestellt werden, wie das Zahlenwerk „La Croix-Rouge en chiffres“, in dem kurz und bündig sämtliche Dienstleistungen des Roten Kreuzes belichtet werden.

Rückblick auf ein arbeitsreiches Jahr

In dem arbeitsreichen Jahr 2018 mit zahlreichen, neuen Herausforderungen - die Gruppe Yua, das Therapiezentrum „Kannerhaus Jean“ und das Hariko-Projekt in Esch-Alzette -, konnte das Luxemburger Rote Kreuz eine Reihe von Geburtstagen feiern: das am 8. August 2008 eröffnete CIPA („Centre intégré pour personnes âgées“) in Junglinster feierte seine zehnjähriges Bestehen und ein Ausbau des Hauses ist geplant. 20 Jahre „Help“ konnten im vergangenen Jahr gefeiert werden. In diesem Zusammenhang erinnerte Simonis daran, dass die „Muselheem asbl“ im vergangenen Jahr von „Help“ übernommen wurde. Die „HIV-Berodung“ des Luxemburger Roten Kreuzes besteht seit 30 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden über 800 HIV-Früherkennungstests von der Dienststelle durchgeführt. In Colpach wurde im vergangenen Jahr das „Centre de réhabilitation“ eröffnet, dem im Spital-Plan von 2018 das Statut eines Krankenhauses zuerkannt wurde.

Ein Problem, das das Luxemburger Rote Kreuz im vergangenen Jahr beschäftigte, war die Tatsache, Wohnraum für sozial schwache Menschen zu annehmbaren Preisen zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang meinte Simonis, „2018 waren mehrere Tausend Personen in den Rot Kreuz-Strukturen untergebracht, dies für eine Nacht oder für das ganze Jahr. Die Erhöhung der Wohnungskosten hat direkte Auswirkungen für armutsgefährdete
Menschen“. Von diesem Problem sind übrigens Personen jedes Alters betroffen.

Gilles Dhamen, Direktor der Solidaritäts-Aktivitäten des Luxemburger Roten Kreuzes, unterstrich indes: „Die Feststellung, dass sozial schwache Menschen immer mehr von der Wohnungsnot betroffen sind, und Mitarbeiter-Vorschläge führten dazu, dass das Rote Kreuz entschied, sein Engagement im Wohnungs-Bereich zu verstärken“. So wurde eine neue Dienststelle geschaffen, die „in Zukunft mit allen öffentlichen und privaten Akteuren“ zusammenarbeiten wird. Ihr Ziel ist es, „die Entwicklung von Projekten, die sozial schwache Bevölkerungsschichten einschließen, zu erleichtern“, sagt Dhamen. Durch seine Erfahrung kann das Rote Kreuz Antworten auf Fragen wie, Wie erhält man öffentliche Zuschüsse?, Wie eine sozial annehmbare Miete berechnen? und Ähnliches mehr liefern. Diese Kompetenzen sollen nach Dhamens Worten, „allen zur Verfügung gestellt werden, die mit dem Roten Kreuz zusammenarbeiten wollen“.

Erste Hürde genommen

Marc Crochet, beigeordneter Generaldirektor des Luxemburger Roten Kreuzes, erinnerte unter anderem an die Zusammenarbeit mit Nobelpreisträger Dr. Denis Mukwege in der demokratischen Republik Kongo. Das Luxemburger Rote Kreuz plant, Häuser für Überlebende von sexueller Gewalt zu errichten, was den Opfern eine soziale Wiedereingliederung gewährleisten und ihre finanzielle Autonomie sicherstellen soll. Diese Unterstützung betrifft das von Dr. Mukwege geleitete Krankenhaus von Panzi. Dieses Krankenhaus gewährleistet die Gesundheitspflege von 450.000 Einwohnern der Stadt Bukavu. Eine erste Hürde konnte nach Crochets Worten genommen werden: „Zusammen mit den Partnern vor Ort konnte eine Plan für des Ausbau des Krankenhauses ausgearbeitet werden, der den Ausbau der Bettenkapazität von 125 auf 530 vorsieht“.

Am 31. Dezember vergangenen Jahres waren 2.398 Personen in den verschiedenen Dienststellen des Luxemburger Roten Kreuzes beschäftigt, dies stellt eine Progression um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr dar, wie Generaldirektor Simonis abschießend festhielt.