LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Erweitertes Schulangebot: Drei Lyzeen bieten künftig offizielleeuropäische Programme parallel zum Sekundarunterricht an

Nach dem erfolgreichen Start der öffentlichen internationalen Schule in Differdingen und Esch/Alzette werden künftig drei Schulen in den anderen Regionen des Landes ein europäisches Programm anbieten. Anders als die erstgenannte werden „Lënster Lycée“ (Junglinster), das „Lycée Edward Steichen“ (Clervaux) und das zukünftige Lyzeum im Mondorf parallel zum konventionellen klassischen (ESC) oder technischen Unterricht (ESG) deutsch-, französisch- und/oder englischsprachige Sektionen des offiziellen europäischen Programms anbieten. Bildungsminister Claude Meisch sprach gestern von einer „Alternative für alle Schüler“: „Mit diesem Angebot ergänzen wir unsere Bildungslandschaft“, führte er aus. Über Jahrzehnte sei darüber gestritten worden sei, wie das Bildungssystem auszusehen habe, immer mit der Vorstellung, es könne nur ein gutes Modell geben. Angesichts der Heterogenität der Schüler könne die Antwort aber nur darin bestehen, das schulische Angebot zu erweitern, führte Meisch sinngemäß aus.

Das europäische Programm, das ab dem Schuljahr 2018/19 angeboten wird, ist ebenfalls eine Reaktion darauf, dass schätzungsweise 3.000 Jugendliche im Sekundarschulalter Privatschulen beziehungsweise Schulen im Ausland besuchen, andere wiederum das luxemburgische Schulsystem verlassen, weil es ihren Bedürfnissen nicht gerecht wird. Viele Schüler bleiben etwa durch die hohen Sprachanforderungen des konventionellen Systems hinter ihren Möglichkeiten zurück. „Wir haben hier ein Angebot geschaffen, dass es allen Schülern erlaubt, ihr volles Potenzial zu entwickeln. Und wir wissen, dass das noch eine der größten Herausforderungen ist“, ist sich der Minister sicher. Um zwei Beispiele für die Erweiterung des schulischen Angebots zu nennen: Verschiedene Gymnasien in Luxemburg bieten etwa internationale Klassen an, die zum internationalen Abitur führen. Die „International School Michel Lucius“ bietet indes ein britisches Curriculum an.

Mehr Flexibilität

Das Programm der Europaschulen ist ebenso wie das öffentliche Sekundarschulprogramm mehrsprachig ausgerichtet. Allerdings können sich die Schüler ihre Fremdsprachen wie auch deren Reihenfolge aussuchen. Ein portugiesischsprachiger Schüler kann sich demnach gegebenenfalls für Portugiesisch als zweite Sprache entscheiden. Mehr Flexibilität bedeutet aber auch mehr Verantwortung. Es sei wichtig, sich früh über die Konsequenzen der Sprachauswahl mit Blick auf die spätere Berufswahl im Klaren zu sein, sagte Meisch auf Nachfrage. Gleichzeitig sei der luxemburgische Arbeitsmarkt sehr international, es gebe also auch Möglichkeiten, mit anderen Sprachprofilen Arbeit zu finden.

Im europäischen Programm wählen die Schüler zwischen einer französisch-, deutsch- und englischsprachigen Sektion (siehe Kasten). Von den verbleibenden Sprachen wird wiederum eine ab dem ersten Grundschuljahr als Fremdsprache unterrichtet. Im ersten Sekundarschuljahr kommt eine zweite Fremdsprache hinzu, eine dritte dann im vierten Sekundarschuljahr.

Meisch betonte gestern, dass sich das europäische Programm nicht ausschließlich an ausländische Schüler oder Expats richte. So habe ein Drittel der Schüler an der internationalen Schule in Differdingen/Esch die luxemburgische Nationalität. Übrigens wird der Luxemburgisch-Unterricht auf Grundschulebene und auf den unteren Klassen der Sekundarschulebene obligatorisch sein.

Noch in einem anderen Punkt unterscheidet sich das aggregierte europäische Programm. Anders als im konventionellen Sekundarunterricht bleiben die Schüler bis 18.00 in der Schule. Auf dem Programm stehen neben den Unterrichtsstunden Vertiefungsunterricht oder kulturelle, handwerkliche, sportliche oder wissenschaftliche Aktivitäten.