HEISDORF
PATRICK WELTER

Caritas-Projekt: „Le Temps des Femmes“ eröffnet - Ein Haus für Flüchtlingsfrauenund Einwanderinnen

Nach Krieg, Flucht oder Vertreibung, begleitet von traumatischen Erlebnissen und oftmals realen Gewalterfahrungen am eigenen Körper sind sie in Luxemburg angekommen. Leib und Leben sind gerettet und was nun? Wie leben in einer fremden Welt mit fremden Regeln?

Eine Anlaufstelle für Frauen

Solche Schicksale und Fragen bringen die Frauen mit, die jetzt in Heisdorf, auf dem Gelände des Heisdorfer Schlosses, eine Anlaufstelle gefunden haben. Dort hat die Caritas gestern das Haus „Le Temps des Femmes“ eröffnet - ein Haus für Flüchtlingsfrauen und Einwanderinnen. In den letzten Jahren hat Luxemburg insgesamt 6.000 Flüchtlinge aufgenommen.

Mit Unterstützung zweier Nonnenorden, darunter Franziskanerinnen, der Gemeinde Steinsel und Sponsoren aus der Privatwirtschaft war es der Caritas möglich, auf dem Schlossgelände, das ansonsten Senioren- und Behinderteneinrichtungen umfasst, ein ausgedientes Gebäude für die Zwecke dieses anderen „Frauenhauses“ umzugestalten. Die Präsidentin der Caritas Luxemburg, die ehemalige Familienministerin Marie-Josée Jacobs stellte fest, dass sich um zahlreiche Gruppen unter den Flüchtlingen gekümmert wird, aber kaum um die Frauen.

In Heisdorf sollen die Frauen - zunächst nur halbtags - einen Rückzugsraum finden. Dort können sie sich bei Kaffee oder Tee austauschen, reden, stricken, kochen und vor allem ihre Kompetenzen und eigenen Fähigkeiten entdecken.

Marie-Josée Jacobs hielt ihre Eröffnungsansprache ganz bewusst in Luxemburgisch und nicht in Französisch, zahlreiche Flüchtlinge hätten den Wunsch geäußert, mehr von der täglichen Verkehrssprache zu lernen. Sprache sie ein wichtiger Teil der Integration. Jacobs bedankte sich bei den Unterstützern, darunter auch Ex-Minister Marco Schanck, der die Erlöse seines letzten Buches für das Projekt spendete und Steinsels Bürgermeister Jean-Pierre Klein.

Die Caritas-Präsidentin verwies darauf, dass das Haus „Le Temps des Femmes“ ohne öffentliche Förderung aus der Staatskasse umgebaut, eingerichtet und betrieben wurde und wird. Von besonderem Wert seien natürlich die vielen Freiwilligen die das Haus unterstützten, vielleicht werde es bald möglich sein, diesen Rückzugsraum ganztätig zu öffnen.

Den Frauen, die im Heimatland, auf der Flucht und oft auch in der Familie, manchmal in einer Zwangsehe, Gewalt erlitten haben, wolle man Selbstständigkeit vermitteln. Auch Selbstbewusstsein, denn wer sein Leben lang unterdrückt werde, glaube irgendwann an seine „Minderwertigkeit“. Auch wenn das Haus erst jetzt offiziell eröffnet werde, habe es schon im November seine Türen aufgemacht, mittlerweile wird es regelmäßig von 40 bis 50 Frauen genutzt.

Für den Steinseler Bürgermeister Klein passt dieses Projekt gut in die Gemeinde. Das Haus habe eine Zielsetzung, die unterstützt werden muss. Steinsel habe bei einem Anteil von über 40 Prozent Nicht-Luxemburgern zahlreiche Initiativen zur Integration gestartet. Darin füge sich dieses Haus der „sozialen Integration“ hervorragend ein.